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Interview zum 25-jährigen Jubiläum: Ein persönlicher DAX-Rückblick

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Interview  

Persönlicher DAX-Rückblick: "Und Friedhelm Busch grinste von der Tribüne"

01.07.2013, 11:53 Uhr | Anke Leuschke, t-online.de

Interview zum 25-jährigen Jubiläum: Ein persönlicher DAX-Rückblick. Wolfgang Köbler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung AG (Quelle: privat)

Wolfgang Köbler, KSW Vermögensverwaltung (Quelle: privat)

Zum Jubiläum "25 Jahre Deutscher Aktienindex DAX" gibt ein Vermögensverwalter im Interview einen ganz persönlichen Rückblick: Wolfgang Köbler, Vorstand der KSW Vermögensverwaltung AG in Nürnberg, verrät aber auch, wo der DAX seiner Meinung nach in 25 Jahren stehen dürfte.

Durchstöbern Sie mal Ihren Haushalt und Ihre Garage: Wie viele der 30 DAX-Werte sind durch Produkte oder Dienstleistungen bei Ihnen vertreten?

Erstaunlicherweise kann ich sagen, dass aus den 30 Werten tatsächlich die Hälfte mit Produkten im privaten Umfeld vertreten ist. Darunter sind Adidas, Allianz, Bayer, Continental, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Kali und Salz (K+S), E.ON, Henkel, Merck, Siemens, ThyssenKrupp, Infineon, VW und Lufthansa.

Friedhelm Busch - die n-tv-Moderatoren-Legende tauchte auch zum 25. DAX-Geburtstag nochmals auf (Quelle: n-tv)Friedhelm Busch - n-tv-Moderatoren-Legende (Quelle: n-tv) Was war Ihre erste Erfahrung mit dem DAX?

Meine erste Begegnung mit dem DAX war ein Auftritt von Friedhelm Busch zur Einführung des DAX 1988 auf der Besuchertribüne der Börse in Frankfurt, damals noch mit einem richtigen Präsenzhandel. In der Mittagspause ging ich nach Hause zum Essen, schaltete den Fernseher an und Friedhelm Busch grinste von der Tribüne. Damals ging die Börsenzeit nur von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr. Er berichtete in einer Lebendigkeit, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Ihr bestes DAX-Geschäft in Ihrer Karriere war…?

Eines meiner besten Geschäfte machte ich mit Infineon, als zum Zeitpunkt der Zeichnung bereits klar wurde, dass der Wert aus dem ehemaligen Spin Off in den DAX aufgenommen werden würde. Das war im Juni 2000, in einer Phase, in der der DAX bereits seine Höchststände gesehen hatte. Infineon rückte damals für VIAG in den Index nach.

Der beste DAX-Tag war…?

Mir bleibt der 13. März 2003 in besonders guter Erinnerung. Es war die Zeit des zweiten Irak-Krieges. Damals mutmaßte man, dass irakische Militärs von einer Kapitulation überzeugt worden seien. Die Märkte waren vorher in einem wahren Abwärtssog. Der DAX notierte auf einem Niveau von 2200 Punkten. Der Anstieg an diesem Tag aber betrug knapp sieben Prozent. Gerüchte machten schon immer Kurse – nach oben wie nach unten.

Und der schlimmste Tag war…?

Der 11. September 2001 war definitiv einer der schlimmsten DAX-Tage, die ich je erlebt habe: Die Anschläge in den USA lösten an den Finanzmärkten Panik aus. Während die in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers liegende Wall Street geschlossen blieb, fiel unser DAX um 8,5 Prozent. Im Handelsverlauf war der Index um mehr als elf Prozent eingebrochen und danach waren die Börsen erst einmal fünf Tage lang geschlossen. Der Mix aus zusammenbrechenden Türmen mit Blick auf die Börsenbarometer war schauderhaft. Wir standen alle im Büro, schauten CNN und der Markt tauchte ab, ohne dass man etwas tun konnte – es war surreal.

Sind Länderindizes heute überhaupt noch sinnvoll?

Auch heute - in einer durch und durch globalisierten Welt - haben länderspezifische Indizes wie der DAX noch immer ihre Berechtigung. Gerade für uns als Vermögensverwalter sind Länderindizes in der Allokation eines der wichtigsten Kriterien. Sieht man die Chancen rund um den Globus, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an passiven Produkten, die es uns leichter machen, risikodiversifiziert einzusteigen. Allerdings sollte man im Blick behalten, dass der DAX auf Sicht der nächsten 25 Jahre, trotz der Exportlastigkeit vieler Unternehmen, nicht die Entwicklung der Weltwirtschaft widerspiegelt.

Wo steht der DAX im Jahr 2038?

Das Problem dabei ist, dass der DAX ein Performance-Index ist. Alle benachbarten Länder kennen fast nur Kursindizes. Deshalb ist es anzuzweifeln, dass der DAX als Performance-Index auch noch im Jahr 2038 das Maß für den deutschen Aktienmarkt sein wird. Ich glaube sehr wohl, dass der DAX als Marke erhalten sein wird. Der FAZ-Index hat an Bedeutung für die Marktkenner nicht verloren. Aber ich glaube, dass der Index eine völlig andere Zusammensetzung haben wird und wir eher den DAX-Kursindex als Indikator benutzen werden.

Sollte der DAX als Performance-Index in der Form bleiben, halte ich einen Indexstand von 40.000 Punkten für möglich - das entspricht etwa einer Verfünffachung in 25 Jahren. Seit 1988 hat der DAX sich fast verachtfacht! Auch 2038 werden Werte wie BASF, Siemens und Münchner Rück mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit immer noch vertreten sein.

Welche Titel gehören raus, welche rein in den DAX?

Raus muss die Commerzbank und rein gehört MTU. Das verändert den Index weg von einer gewissen Finanzlastigkeit und würde der Gewichtung gut tun. MTU Aero Engines gehört zu den führenden Triebwerksbauern und von Industrieturbinen. MTU ist derzeit richtig gut im Geschäft. Bei einem Umsatz von 3,3 Milliarden Euro hat das Unternehmen auf Jahre hinaus dicke Auftragsbücher.

Ihr Enkel hat Taufe. Schenken Sie ihm mal ihren "Lieblings-Index", mit dem der oder die Kurze in 25 Jahren ein solides Finanzpolster haben wird.

Dann keinen DAX. Der DAX spiegelt auf Sicht der nächsten 25 Jahre - trotz der Exportlastigkeit vieler Unternehmen - nicht die Entwicklung der Weltwirtschaft wider. Wenn ich einen Index schenken würde, dann den langweiligen MSCI Welt, weil hier automatisch die Schwellenländer in den nächsten Jahren höhere Gewichtung finden. Mein Lieblingsindex ist der MSCI Welt aber dennoch nicht.

25. Hochzeitstag: Von welchem DAX-Unternehmen bekommt Ihre Ehefrau ein Geschenk? Und was gibt es?

Gott sei Dank ist kein Luxusunternehmen wie LVMH im DAX vertreten, sonst müsste ich jetzt Taschen oder Schmuck kaufen. Leider aber auch kein Kreuzfahrt-Unternehmen wie Carnival. Also bleibt mir nichts anderes übrig als einen Flug auf eine sonnige Insel mit der Lufthansa zu schenken. Da habe ich wenigstens selbst auch was davon.

Das Interview führte Anke Leuschke.

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