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FSB will systemrelevante Versicherer bändigen

19.07.2013, 10:16 Uhr | t-online.de, rtr

FSB will Allianz und Co. bändigen. Allianz wird von der FSB als systemrelevanter Versicherer eingestuft (Quelle: dpa)

Allianz wird von der FSB als systemrelevanter Versicherer eingestuft (Quelle: dpa)

Die Allianz könnte eine Gefahr für das weltweite Finanzsystem darstellen: Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G20-Staaten legte eine erste Liste von neun systemrelevanten Versicherern (G-SII), zu denen auch der deutsche Versicherungskonzern zählt, vor. Die Institute sollen künftig mit Hilfe von Auflagen gebändigt werden. Damit drohen den Unternehmen härtere Anforderungen an die Kapitalausstattung und eine engere Regulierung. Allianz gilt allerdings schon als gut kapitalisiert.

Im Allgemeinen fiel die Liste unerwartet kurz aus. Zum Vergleich: Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht hält 28 Kreditinstitute für systemrelevant.

Auf der Liste stehen neben der Allianz die US-amerikanischen Versicherer AIG, MetLife und Prudential Financial, die italienische Generali, die britischen Versicherer Aviva und Prudential, die französische Axa sowie die chinesische Ping An. Die Liste soll künftig jedes Jahr im November aktualisiert werden.

Systemrelevanz der Rückversicherer wird noch geklärt

Ob auch Rückversicherungskonzerne wie die Münchener Rück oder Swiss Re systemrelevant sein können, will der FSB erst in einem Jahr entscheiden. Der US-Versicherungsriese AIG war schon 2008 zum spektakulärsten Opfer der Finanzkrise neben der US-Investmentbank Lehman Brothers geworden - nicht wegen des Versicherungsgeschäfts, sondern wegen seiner Eskapaden an den Finanzmärkten.

Höhere Abhängigkeiten von Kapitalmärkten

Allerdings war lange umstritten, ob Versicherer überhaupt in eine solche Lage kommen könnten. Den Aufsehern ist weniger die Größe ihres angestammten Geschäfts ein Dorn im Auge, sondern Aktivitäten, die sie anfällig machen für Krisen an den Finanzmärkten.

In den Jahren seit der Finanzkrise übernehmen Versicherer immer mehr Aufgaben, die traditionell Sache der heute geschwächten Banken waren. Sie vergeben Kredite, halten und handeln Derivate. Aber auch komplexe Produkte wie bestimmte fondsgebundene Lebensversicherungen machen sie stärker von den Kapitalmärkten abhängig.

Die internationale Vereinigung der Versicherungsaufseher (IAIS) hatte zuvor die Kriterien für die Systemrelevanz und die Maßnahmen vorgestellt, die den betroffenen Konzernen auferlegt werden sollen. Der FSB handelt im Auftrag der wichtigsten 20 Industrie- und Schwellenländer (G20), deren Finanzminister sich am Wochenende in Moskau treffen.

Kontrolle und Eigenkapitalpolster sollen absichern

Mit einer umfassenderen Aufsicht und einem dickeren Polster an Eigenkapital wollen sie verhindern, dass die Versicherer in einer Schieflage gefährlich für das ganze Finanzsystem werden können. Zudem sollen sich die Konzerne - wie die großen Banken auch - nicht mehr sicher sein können, dass sie in einer prekären Situation vom Staat aufgefangen werden. Dieses Bewusstsein hatte vor der Finanzkrise falsche Anreize gesetzt, die Branche war zu große Risiken eingegangen.

Anders als bei den Banken komme es bei den Versicherern nicht auf die absolute Größe an, sondern um die Vernetztheit im Finanzsystem, erklärte die IAIS. Bei den großen Rückversicherern gehe es vor allem um die Frage, wie leicht jeder einzelne von ihnen ersetzbar ist und wie man sie überhaupt zähmen kann

Weltweit geltendes Regelwerk geplant

Die Auflagen für systemrelevante Versicherer unterscheiden sich dagegen kaum von denen für große Banken: Sie sollen enger von den Aufsichtsbehörden beobachtet werden und Pläne vorlegen, wie sie im Notfall abzuwickeln wären, ohne andere Teile der Finanzbranche in Mitleidenschaft zu ziehen. Als Sofortmaßnahme sollen sie eine Mindest-Eigenkapitalausstattung vorweisen, damit sie in einer Krise nicht so schnell umfallen. Später sollen sich die Kapitalzuschläge nur auf das Nicht-Versicherungsgeschäft beziehen - doch dafür braucht es erst einheitliche Standards.

Deshalb will die IAIS im Oktober weltweit geltende Kapital- und Aufsichtsregeln für die Versicherer entwickeln. Für Banken waren sie bereits 2010 beschlossen worden. Die stärker am Risiko ausgerichteten "Solvency II"-Vorschriften für die Versicherer, um die in Brüssel noch heftig gerungen wird, gelten nur für die EU. Sie sollen spätestens 2017 in Kraft treten.

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