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Hintergrund: Warum China so viel Gold hortet

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Hintergrund  

Warum China so viel Gold hortet

25.07.2013, 15:28 Uhr | von Martin Mrowka, t-online.de

Hintergrund: Warum China so viel Gold hortet. Händler an der Gold-Börse in Shanghai SGE (Quelle: Reuters)

Händler an der Gold-Börse in Shanghai SGE (Quelle: Reuters)

Chinas Goldhunger hält an. Das Land hat in den vergangenen Monaten den gedrückten Goldpreis seit dem Frühjahr zu großen Goldkäufen im Ausland genutzt. Laut den Angaben des Hongkong Census and Statistics Department, auf die sich die Agentur Reuters beruft, wurden allein im April 2013 fast 102 Tonnen Gold von Hongkong auf das chinesische Festland geliefert. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Goldexporte Chinas über das asiatische Handelszentrum damit um 62 Prozent. Der April war in dieser Statistik der zweistärkste Monat seit Beginn der Datenerhebung.

Wie sehr sich die chinesische Nachfrage nach Gold in den letzten Jahren erhöht hat, wird anhand der Entwicklung der Auslieferungen physischen Goldes an der Shanghai Gold Exchange (Edelmetallbörse in Shanghai, SGE) klar:

Auslieferungen an der Shanghai Gold Exchange

Jahr

 2008

2009 

 2010

2011 

 2012

 2013**

 Auslieferung phys. Gold (in t)

 543,2

 599,5

 837,2

897,7 

 1139

 1098 [2000]

** 1. Halbjahr [Schätzung Gesamtjahr] - Quelle: Marc-Stephan Arnold

Verschleierte Gold-Einfuhren

Allein im ersten Halbjahr des laufenden Jahres wurde bereits fast so viel Gold über die SGE ausgeliefert wie im gesamten Jahr 2012. Hinzu kommt Gold, dessen Herkunft die Peoples Bank of China (PBOC) nicht angibt oder nur schwammig als "Angebotsüberschüsse" bezeichnet. Der Autor Marc-Stephan Arnold, Peking, hat in einem ausführlichen Blog-Beitrag auf "german.china.org.cn" vorgerechnet, wie hoch die tatsächlichen Goldreserven Chinas sein dürften. Die theoretischen Änderungen müssen zur offiziellen Zentralbankreserve hinzu addiert werden.
 

Theoretische Goldreserve der chin. Zentralbank PBOC

Offizielle Goldreserve (seit 2009)

            1054 Tonnen

Theoretische Änderung in 2009

  + 96,5 t

Theoretische Änderung in 2010

+ 223,8 t

Theoretische Änderung in 2011

+ 428,8 t

Theoretische Änderung in 2012

   + 744 t

Theoretische Änderung in 2013

 + 1058 t

Theoret. Goldreserve (Schätzung Ende 2013): 3605,1 Tonnen
Quelle: Marc-Stephan Arnold


Sollten die hier angeführten Daten und Berechnungen tatsächlich korrekt sein, dann hätte China gegen Jahresende 2013 Deutschland tatsächlich als weltweite Nummer 2 bei den Goldreserven überholt und würde nur noch hinter den USA (Ende 2012 gut 8133 Tonnen) liegen. "Da es aber nicht so leicht ist, die Zahlen insbesondere zum nicht über Hongkong abgewickelten Goldimport zu überprüfen, dürfte es auch nicht weiter verwundern, wenn die Goldreserven der PBOC noch deutlich über der hier ermittelten Zahl liegen", schreibt Arnold.

Renminbi soll wettbewerbsfähig gemacht werden

Und die Gründe für das Gold-Raffen Chinas? Seit einigen Jahren vergrößert das Riesenreich nicht nur seinen wirtschaftlichen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Nach und nach werden Vorkehrungen getroffen, um die Währung - den Renminbi - international wettbewerbsfähig zu machen. Das Land stockte in den vergangenen zwei Jahren nicht nur kontinuierlich seine Goldreserven auf, sondern schaffte auch ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz und forcierte in London den Handel mit Renminbi. Zu Recht, wie die Bundesbank findet.

Bundesbank wirbt für China-Währung

"Im Lichte der gestiegenen wirtschaftlichen Bedeutung Chinas erscheint die Internationalisierung des Renminbi also schon lange überfällig", sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel. "Frankfurt versucht sich als Finanzplatz für den Renminbi-Handel in Europa zu etablieren". Eine aktuelle Umfrage unter Devisenreserve-Managern habe ergeben, dass bereits 14 Prozent von ihnen in Renminbi engagiert sind, 37 Prozent zögen es in Erwägung, in den nächsten fünf bis zehn Jahren in die China-Währung zu investieren. Und aus Sicht der Deutschen Bundesbank seien alle diese Schritte begrüßenswert, so Nagel bei der IHK-Konferenz "Internationalisierung des Renminbi" am 3. Juli 2013 in Frankfurt.

China auf dem Weg zur führenden Weltmacht

In verschiedenen Blog-Einträgen werden Chinas Devisen-Bemühungen jedoch anders gedeutet. China könnte die nächste Wirtschafts- oder Finanzkrise nutzen, um der Welt am Tag X die Verlautbarung zu machen: "Wir besitzen 10.000 Tonnen Gold und machen den Renminbi als goldgedeckte Währung für alle frei zugänglich." Damit die Glaubwürdigkeit dieser Aussage steigt, dürften die Chinesen diesen Bestand durch eine westliche, unabhängige Instanz prüfen lassen und zugleich die Goldreserven der westlichen Zentralbanken in Frage stellen, die sich dieser Prüfung standhaft widersetzen.

Tatsächlich könnte der Renminbi "über Nacht" eine neue Weltwährung werden, eine mit Gold besicherte Reservewährung. Die Chinesen hätten plötzlich eine unvorstellbar große Kaufkraft, Gold dürfte dann stark aufwerten und selbst der heftige Werteverfall ihrer US-Dollar-Reserven (Staatsanleihen) wäre ohne Probleme zu verkraften. Und das Bundesbank-Gold in New York? Nun, wenn es noch in den Tresoren der US-Notenbank ruht, wird der Bestand natürlich mit aufgewertet.

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Hier geht's zurück zum ersten Teil der Gold-Geschichte.

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