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Schwellenländer in Währungsturbulenzen, Notenbanken reagieren

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Schwellenländer in Währungs-Turbulenzen - Notenbanken reagieren

27.01.2014, 20:07 Uhr | dpa, t-online.de

Schwellenländer in Währungsturbulenzen, Notenbanken reagieren. Argentinischer Peso und andere Währungen von Schwellenländern sind unter Druck geraten (Quelle: AP/dpa)

Argentinischer Peso und andere Währungen von Schwellenländern sind unter Druck geraten (Quelle: AP/dpa)

Den Hoffnungsträgern der Weltwirtschaft droht eine Vollbremsung. Großinvestoren ziehen seit einigen Wochen massiv Geld aus Argentinien, Brasilien, Türkei und Indonesien ab. Auch Südafrika und Indien sind betroffen. Die Folge: Die Währungen dieser Schwellenländer sacken gegenüber US-Dollar und Euro massiv ab. Der Währungskrise könnten Staatskrisen folgen.

In den vergangenen Jahren waren sie die Lieblinge der Anleger - die Boom-Länder Asiens oder Südamerikas. Zuletzt zeigten ihnen die Investoren aber die kalte Schulter. Seit vergangener Woche stehen diese Emerging-Markets-Devisen an den Finanzmärkten massiv unter Druck. Türkische Lira, brasilianischer Real, südafrikanischer Rand oder indische Rupie - sie alle werden in großem Stil auf den Markt geworfen. "Wir sehen den perfekten Sturm - die denkbar ungünstigste Verkettung schlechter Nachrichten", sagt Edwin Gutierrez, Anlagestratege der Fondsgesellschaft Aberdeen.

Aktien und Anleihen geben ebenfalls nach

An zahlreichen Börsen, vor allem in Asien, gaben auch die Aktienkurse deutlich nach. Staatsanleihen verbuchten teils deutliche Kursverluste. Viele Landeswährungen gingen zunächst erneut auf Sinkflug, darunter die türkische Lira. Die Ankündigung der Notenbank in Ankara, für Dienstag wegen des Währungsverfalls eine dringliche Sondersitzung einzuberufen, um notwendige Maßnahmen zur Preisstabilität zu beschließen, stützte dann den Kurs. Auch viele andere Währungen erholten sich am Nachmittag ein wenig.

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Beobachter erwarten, dass die Türkei-Notenbank zur Stützung der Währung nun doch die Leitzinsen anheben wird. Die Entscheidung will die Zentralbank in der Nacht zum Mittwoch bekanntgeben.

Türkei-Währung sackt immer weiter ab

Die Türkische Lira steht seit Wochen unter massivem Druck, nicht zuletzt wegen der schwierigen innenpolitischen Lage. Am Montag fiel sie zum US-Dollar und zum Euro zunächst um mehr als drei Prozent auf neue Rekord-Tefstände von 2,39 bzw. 3,27 Lira, bevor die Mitteilung der Notenbank für Gegenwind sorgte. Die Lira konnte daraufhin leicht zulegen. Am Abend betrug das Tagesminus "nur" noch 1,8 Prozent.

Neben der türkischen Lira erholte sich vor allem der südafrikanische Rand merklich. Auch die Währungen von Indonesien und Indien machten ein wenig ihrer zuvor erlittenen großen Verlusten wett. Das Ausmaß der Erholung war jedoch nicht so stark wie beim Rand und der Lira.

In Jakarta standen indonesische Staatsanleihen unter erheblichem Druck. Die Aktienmärkte gingen dort weiter auf Talfahrt. Auch an anderen asiatischen Börsen kam es zu massiven Verlusten, auch wegen der Besorgnis, dass sich das Wirtschaftswachstum in China weiter verlangsamen könnte.

Argentinien-Krise als Auslöser

Der Kursverfall an den Finanzmärkten großer Schwellenländer hatte sich bereits am Freitag drastisch zugespitzt. Ein Auslöser war die Entwicklung in Argentinien, das in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt. Dort hatte die Notenbank zunächst die Kopplung des Peso an den amerikanischen Dollar gelockert und dann einen Teil der Devisenkontrollen aufgehoben. Der argentinische Peso hatte zeitweise gegenüber dem Dollar bis zu zwölf Prozent an Wert verloren, die höchsten Verluste seit der Staatspleite Ende 2001. Die Zentralbank hatte daraufhin zur Stützung erneut 180 Millionen Dollar (etwa 132 Millionen Euro) verkauft.

Am Montag gab die Regierung in Buenos Aires die Devisen-Käufe von US-Dollar frei, begrenzt aber auf maximal 2000 Dollar im Monat. Berechtigt sind Beschäftigte, deren Monatseinkommen bei mindestens 7200 Pesos (900 Dollar) liegt, wie Kabinettschef Jorge Capitanich mitteilte. Von dem Betrag werden 20 Prozent Steuern einbehalten, es sei denn, der Sparer lässt die Dollar-Summe mindestens zwölf Monate auf seinem Sparkonto liegen. Mit der Wiederfreigabe der seit Oktober 2011 gesperrten Dollar-Käufe reagiert Argentinien auf den starken Devisen-Abfluss.

"Fragile Fünf" besonders unter Druck

Die argentinische Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise und leidet unter hohen Inflationsraten. Die zweitgrößte Volkswirtschaft Südamerikas ist hoch verschuldet und von internationalen Kreditmärkten faktisch ausgeschlossen.

Auch andere große Schwellenländer leiden unter Problemen, die teils politischer Natur, teils wirtschaftlicher Art sind. Unter besonderem Druck stehen Länder, die wegen großer Handelsdefizite stark abhängig von ausländischem Kapital sind. Unter Investoren haben sich Indien, Indonesien, die Türkei, Brasilien und Südafrika als besondere Wackelkandidaten herauskristallisiert. Die Investoren reagieren bei diesen "fragilen Fünf" besonders empfindlich und bringen ihre Gelder lieber in sichere Häfen sich deutlich erholender Volkswirtschaften wie den USA.

Angst vor Ansteckung belastet auch westliche Aktienbörsen

"Marktteilnehmer befürchten, dass die Schwäche einiger Währungen sich zu einer breiteren Schwellenländerkrise auswachsen könnte", sagte Commerzbank-Analyst Rainer Guntermann. Die Nervosität an den Märkten bleibt hoch - und der deutsche Leitindex DAX schaltete in den Rückwärtsgang. Die Angst von Ansteckungseffekten grassiert.

"Schwellenländer-Krisen können teuflisch sein", so Chefökonom Holger Schmieding von der Berenberg Bank. 1997 beispielsweise wurde ausgehend von Thailand davon ganz Asien erfasst. Diesmal fürchtet Schmieding aber keinen Flächenbrand. China sieht er solide dastehen. Auch Südkorea oder Malaysia seien robuster als vor 17 Jahren. Er sagt aber auch: "Länder mit großen Leistungsbilanz-Defiziten, politischen Turbulenzen und hoher Abhängigkeit von Rohstoffpreisen sind verwundbar."

Viele hausgemachte Probleme

Viele der Staaten, die nun unter Druck stehen, haben zwar hausgemachte Probleme. In Istanbul, Buenos Aires oder Bangkok kriseln die Regierungen aus den unterschiedlichsten Gründen heftig. Fest steht aber: Die politischen Risiken schrecken Investoren ab. Es gibt zudem einen gemeinsamen Nenner bei den bedrängten Schwellenländern: Weil sie weniger exportieren als sie an Waren einführen, brauchen sie Kapital aus dem Ausland.

Hinzu kommt, das die absehbar geringere Geldschwemme aus den USA die Märkte extrem beeinflusst. Die US-Notenbank Fed will ihre extrem lockere Geldpolitik im Jahresverlauf schrittweise zurückführen.

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