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Türkische Zentralbank stoppt Lira-Absturz mit kräftiger Zinserhöhung

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Kräftige Zinserhöhung  

Türkische Zentralbank stoppt Lira-Absturz

29.01.2014, 17:57 Uhr | dpa, rtr, t-online.de

Türkische Zentralbank stoppt Lira-Absturz mit kräftiger Zinserhöhung. Verunsicherte Investoren: die türkische Lira verliert an Wert (Quelle: Reuters)

Verunsicherte Investoren: die türkische Lira verliert an Wert (Quelle: Reuters)

"Wie Sie wissen, ist die türkische Zentralbank unabhängig. Die Währungshüter müssen entscheiden und sind sich ganz sicher dessen bewusst, dass sie jede Entscheidung verantworten müssen. Aber wenn Sie mich fragen, dann sage ich Ihnen, ich bin gegen eine Zinserhöhung", sagte der türkische Regierungspräsident Recep Tayyip Erdogan noch am Dienstagvormittag in einer Pressekonferenz. Trotz dieses Widerstands hat die Notenbank am Abend aber mit einer unerwartet kräftigen Zinserhöhung auf den jüngsten Kursverfall der Lira reagiert.

Wie die Notenbank CBRT am späten Dienstagabend nach einer Krisensitzung in Ankara mitteilte, steigt der Leitzins (Benchmark Repo Rate) von bisher 4,5 auf 10,0 Prozent. Der Zinssatz für Übernacht-Kredite beträgt nunmehr 12,0 (bisher 7,75) Prozent, der für Übernacht-Ausleihungen 8,0 (bisher 3,5) Prozent. In einer ersten Reaktion legte die Lira zum Euro um mehrere Prozent zu.

Die türkische Währung steht seit Wochen massiv unter Druck. Nach dem argentinischen Peso musste sie seit Jahresbeginn die stärksten Verluste aller Schwellenländerwährungen hinnehmen. Ausschlaggebend ist ein Gemisch aus politischen und wirtschaftlichen Gründen. So steht die Regierung von Ministerpräsident Erdogan wegen eines Korruptionsskandals mit dem Rücken zur Wand. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit des Landes von ausländischem Kapital, was sich in hohen Handelsdefiziten widerspiegelt. Die Inflation liegt gegenwärtig mit 7,4 Prozent auf hohem Niveau.

Der türkische Premierminister verdächtigte eine internationale "Zinslobby" hinter den Schwankungen der türkischen Währung. "Wir werden diese Zinslobby nicht in Ruhe lassen", sagte er unmittelbar nach den Gezi-Protesten im vergangenen Sommer. Zudem habe die "Zinslobby" die Türken mit Kreditkarten versklavt. "Wir wissen, wer an diesen Geschäften verdient", sagte Erdogan bei fast allen Auftritten in der Öffentlichkeit. Nebulös blieb, wer hinter diesem Komplott stecken sollte - dessen Ziel demnach war, durch Zinserhöhungen den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei zu sabotieren und letztlich die Regierung zu stürzen. Firmen, die von der Regierung verdächtigt wurden, mit den Demonstranten zu sympathisieren, bekamen Besuch von Steuerprüfern.

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Anleger ziehen Geld ab

Erschwerend wirkt für die Türkei wie für viele andere Schwellenländer der Geldentzug der amerikanischen Notenbank Fed. Die Federal Reserve will ihre zur Konjunkturbelebung aufgelegten Wertpapierkäufe in diesem Jahr schrittweise zurückfahren. Dies veranlasst viele Investoren, Kapital aus aufstrebenden Ländern abzuziehen, was die Einfuhr von Gütern und Dienstleistungen erschwert.

Nach Meinung von Beobachtern wurde die ohnehin angespannte Lage von der Notenbank zusätzlich angefacht. In einer als halbherzig empfundenen Entscheidung hatte sie vor rund einer Woche den Zins, zu dem sich Banken über Nacht bei ihr Geld beschaffen können, nur für bestimmte Tage angehoben. Die Lira geriet daraufhin unter zusätzlichen Druck.

Erste Intervention verpufft

Wenige Tage später intervenierte die Notenbank erstmals seit mehr als zwei Jahren außerplanmäßig am Devisenmarkt. Die Wirkung verpuffte allerdings. Beobachter rechneten vor, dass die Währungshüter nicht über ausreichende Devisenreserven verfügen, um diesen Kurs länger durchhalten zu können. Notenbankchef Erdem Basci hatte angesichts der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in der Türkei die Leitzinsen bisher niedrig gehalten.

Türkei-Währung unter Druck

Die Türkische Lira fiel zum US-Dollar und zum Euro noch am Montag zunächst um mehr als drei Prozent auf neue Rekord-Tiefstände von 2,39 bzw. 3,27 Lira, bevor die Mitteilung der Notenbank für Gegenwind sorgte.

Neben der türkischen Lira erholte sich vor allem der südafrikanische Rand merklich. Auch die Währungen von Indonesien und Indien machten ein wenig ihrer zuvor erlittenen großen Verlusten wett. Das Ausmaß der Erholung war jedoch nicht so stark wie beim Rand und der Lira.

Argentinien-Krise als Auslöser

Der Kursverfall an den Finanzmärkten großer Schwellenländer hatte sich bereits am Freitag drastisch zugespitzt. Ein Auslöser war die Entwicklung in Argentinien, das in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt. Dort hatte die Notenbank zunächst die Kopplung des Peso an den amerikanischen Dollar gelockert und dann einen Teil der Devisenkontrollen aufgehoben. Der argentinische Peso hatte zeitweise gegenüber dem Dollar bis zu zwölf Prozent an Wert verloren, die höchsten Verluste seit der Staatspleite Ende 2001. Die Zentralbank hatte daraufhin zur Stützung erneut 180 Millionen Dollar (etwa 132 Millionen Euro) verkauft.

Am Montag gab die Regierung in Buenos Aires die Devisen-Käufe von US-Dollar frei, begrenzte sie aber auf maximal 2000 Dollar im Monat. Berechtigt sind Beschäftigte, deren Monatseinkommen bei mindestens 7200 Pesos (900 Dollar) liegt, wie Kabinettschef Jorge Capitanich mitteilte. Von dem Betrag werden 20 Prozent Steuern einbehalten, es sei denn, der Sparer lässt die Dollar-Summe mindestens zwölf Monate auf seinem Sparkonto liegen. Mit der Wiederfreigabe der seit Oktober 2011 gesperrten Dollar-Käufe reagiert Argentinien auf den starken Devisen-Abfluss.

Auch Südafrika erhöht Leitzins

Inzwischen folgte auch das Schwellenland Südafrika dem Beispiel der Türkei und Indiens und erhöhte seinen Leitzins, um den Währungsturbulenzen entgegenzuwirken. Die Erhöhung fiel mit einem halben Prozentpunkt auf 5,5 Prozent aber moderat aus. Am Dienstag hatte zunächst Indien seinen Leitzins von 7,75 auf 8,0 Prozent angehoben.

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