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Argentinien: McDonald's hat wegen Dollar-Bremse keinen Ketchup

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Devisen-Krise in Schwellenländern  

McDonald's hat wegen Dollar-Bremse keinen Ketchup

05.02.2014, 10:57 Uhr | Alexander Busch, Handelsblatt

Argentinien: McDonald's hat wegen Dollar-Bremse keinen Ketchup. Kein Ketchup auf den Pommes - in Argentinien derzeit ein weitverbreitetes Szenario (Quelle: Reuters)

Kein Ketchup auf den Pommes - in Argentinien derzeit ein weitverbreitetes Szenario (Quelle: Reuters)

Um den Devisenabfluss einzudämmen, haben Unternehmen in Argentinien strikte Im- und Exportvorgaben. McDonald's hat diese nun offenbar verletzt – und kann keinen Ketchup mehr einführen. Nun droht der Zorn der Regierung.

McDonald's Facebook-Seite quillt seit dem Wochenende über von Beschwerden unzufriedener Kunden. Der Grund: In den rund 200 Filialen gibt es kein Ketchup mehr zu den Burgern. Um zu verhindern, dass sich der Mangel zu einem regelrechten Shitstorm im Web steigert, entschuldigte sich McDonald`s Argentinien jetzt bei den Kunden digital: "Der Mangel an Ketchup in unserem Filialen ist vorübergehend. Wir hoffen, das Problem bald zu beheben und bieten solange alternative Soßen an."

Offiziell wollte die Imbisskette nicht den Grund nennen für die fehlende Tomatentunke. Doch in Buenos Aires gibt es keinen Zweifel, dass es die Devisen- und Importkontrolle der Regierung der Grund dafür ist, dass McDonald's keinen Ketchup vom Nachbarland Chile nach Argentinien importieren kann. Denn argentinische Unternehmen bekommen Dollar nur genehmigt für Importe, wenn sie im Gegenzug Produkte exportieren.

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Warenknappheit nimmt langsam zu

Mit Import- und Devisenbeschränkungen will die Regierung weitere Verluste an Devisenreserven verhindern. Die sind innerhalb kürzester Zeit auf 29 Milliarden Dollar geschrumpft – 2011 waren es noch 52 Milliarden Dollar. Bisher fielen die fehlenden Importprodukte weniger ins Gewicht, weil Argentiniens Industrie in vielen Sparten die Importe durch lokal hergestellte Produkte ersetzen kann. Doch das gelingt den Unternehmen immer weniger.

Fehlendes Ketchup als Sinnbild für die Krise

Deswegen könnte das fehlende Ketchup in der beliebten Fast-Food-Kette Argentiniens jetzt einen empfindlichen Imageschaden für die Regierung bedeuten. Denn die fehlende Soße zeigt anschaulich, dass die Wirtschaftspolitik von Präsidentin Cristina Kirchner immer weniger in der Lage ist, Argentinien durch die aufziehende Emerging-Market-Krise zu navigieren.

Ausländische Investoren verlangen für Kreditausfallswaps auf argentinische Bonds inzwischen 25 Prozent – das ist mehr als zehnmal so viel wie im ebenfalls unter Druck kommenden Nachbarland Brasilien.

Argentinien lebt über seinen Verhältnissen

Die allgemeine Unsicherheit über die Schwäche der Emerging-Markets hat das Pampaland voll auf dem falschen Fuß erwischt: Denn die Regierung in Buenos Aires versucht mit Tricks und Manipulationen zu verschleiern, dass sie seit Jahren über ihre Verhältnisse lebt: Denn mit der Notenpresse finanziert sie ihre zu hohen Ausgaben. Offiziell liegt die Inflationsrate bei zehn Prozent - unabhängige Experten schätzen sie jedoch inzwischen sogar auf 30 Prozent. Mit Preiskontrollen versucht die Regierung ein weiteres Ansteigen der Inflation zu stoppen, genauso wie mit den Importbegrenzungen den Devisenabfluss. 

Ausländische Unternehmen spüren harte Hand der Präsidentin

Gut möglich deshalb, dass McDonald's jetzt den Unwillen der jähzornigen Präsidentin zu spüren bekommt. Gerne kanzelt sie vor allem ausländische Unternehmen ab, wenn sie es wagen, die Preise zu erhöhen und an die Geldentwertung anzupassen. Gerade beschimpfte Kirchners Kabinettschef den Ölkonzern Shell, gegen die Interessen Argentiniens zu konspirieren. Der niederländisch-britische Konzern hatte es gewagt, die Benzinpreise an den abgewerteten Peso anzupassen. 

McDonald's, welches in Lateinamerika von "Arcos Dorados" vertreten wird, dem weltgrößten Franchising-Unternehmen des Fast-Food-Anbieters unter Ägide des Kolumbianers Wood Staton, konnte sich bisher geschickt auf die Launen und Widrigkeiten Argentiniens einstellen. Weil die Regierung unabhängige Wirtschaftsinstitute mit empfindlichen Geldbußen verdonnert, wenn diese von den offiziellen Zahlen abweichende Daten zur Inflation veröffentlichen, bietet McDonald's in Argentinien schon länger nicht mehr seinen Big Mac unter diesem Namen an.

Denn dessen lokale Preise werden ja für den informellen Big-Mac-Index des Wirtschaftsmagazins "Economist" genutzt, um die Lebenshaltungskosten und die Währungsstärke weltweit vergleichen zu können – womit schnell klar würde, wie schwach der argentinische Peso auf der Brust ist.  

Bisher brüstet sich McDonald's auf seiner Website in Argentinien, dass 97 Prozent seiner Produkte lokal hergestellt würden – die Imbisskette also eigentlich fast ein argentinisches Unternehmen sei. Wenn da der Ketchup jetzt nicht für einen Schluckauf sorgt.

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