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Jubiläum: Wie die Osterweiterung unsere Spitzenlöhne sichert

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Jubiläum  

Wie die Osterweiterung unsere Spitzenlöhne sichert

01.05.2014, 16:46 Uhr | Von Jan Mallien, Handelsblatt

Jubiläum: Wie die Osterweiterung unsere Spitzenlöhne sichert. Die EU-Osterweiterung hat politisch viel Stabilität gebracht (Quelle: dpa)

Die europäische Flagge vor dem Reichstagsgebäude in Berlin (Quelle: dpa)

Heute vor zehn Jahren traten acht mittel- und osteuropäische Staaten der Europäischen Union bei. Der Beitritt war von großen Ängsten begleitet. Unterm Strich aber hat er sich auch für Deutschland gelohnt.

Um den skeptischen Deutschen die Osterweiterung schmackhaft zu machen, zog die Bundesregierung vor zehn Jahren alle Register. Zum 1. Mai 2004 traten acht osteuropäische Staaten der EU bei – Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Slowenien und die drei baltischen Staaten. Die Bundesregierung ließ damals in einer aufwendigen Kampagne für das Beitrittsprojekt werben. Höhepunkt war ein 300.000 Euro teurer Kinowerbespot. Die Besetzung von damals liest sich heute wie ein schlechter Scherz: Mit dabei waren Jörg Kachelmann als Wetterfrosch, Ottfried Fischer als Grenzgänger und Claudia Pechstein als weltoffene Eisläuferin. Produziert wurde die Kampagne von Harald Schmidts Firma "Bonito TV".

Das Schicksal meinte es nicht gut mit diesen Stars. Jörg Kachelmann wurde wegen des Verdachts der Vergewaltigung seiner früheren Lebensgefährtin angeklagt. Inzwischen ist er von dem Vorwurf freigesprochen worden. Doch der Prozess hat seinem Image geschadet. Fischer geriet wegen eines angeblichen Prostituiertenvideos und eines Streits mit der Bild-Zeitung in die Schlagzeilen, Claudia Pechstein wegen Dopingverdachts  – und Harald Schmidts Fernsehshow auf dem Pay-Sender Sky wurde jüngst wegen unterirdischer Quoten beerdigt.

UMFRAGE
Sollte die Europäische Union neue Länder aufnehmen?

Im Gegensatz dazu ist die Osterweiterung inzwischen für viele Menschen eine Erfolgsgeschichte geworden. Deutschland profitiert politisch durch mehr Stabilität – wirtschaftlich durch prosperierenden Handel, qualifizierte Zuwanderer und eine immer stärkere Verflechtung der Lieferketten. Nicht alles änderte sich auf einen Schlag am 1. Mai 2004. Die osteuropäischen Beitrittsländer waren bereits vor ihrer Mitgliedschaft über Freihandelsabkommen mit der EU assoziiert. Bei der Zuwanderung fielen die Beschränkungen erst schrittweise und es gab eine siebenjährige Übergangsfrist. Dennoch markiert der 1. Mai 2004 einen Meilenstein.

"Die Osterweiterung macht die deutsche Wirtschaft robuster gegen Krisen", sagt Gabriel Felbermayr, Forschungsdirektor für Außenhandel am Münchener Ifo-Institut. Deutsche Autohersteller und Maschinenbauer beziehen inzwischen viele ihrer Zulieferprodukte aus Polen, Ungarn oder der Slowakei. Durch die Auslagerung von Teilen der Produktion nach Osteuropa gebe es einen Puffer, sagt Felbermayr. Bei Konjunktureinbrüchen könnten die Zulieferungen von dort schnell gestoppt werden. „Das stabilisiert die Beschäftigung in Deutschland.“ Diesen Effekt habe man während der Finanzkrise gut beobachten können: Damals brachen die Exporte der deutschen Wirtschaft dramatisch ein – gleichzeitig gingen aber auch die Importe aus Osteuropa im selben Umfang zurück. Damit konnten die Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft etwas abgefedert werden.

"Länder wie Polen brauchen den Euro nicht"

Aus Sicht von Felbermayr hat die Osterweiterung auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gestärkt. Durch die billigen Zwischenprodukte aus Osteuropa sei die deutsche Wirtschaft konkurrenzfähiger geworden. „Das sichert die vergleichsweise hohen Löhne in Deutschland.“

Für den deutschen Arbeitsmarkt hatte der EU-Beitritt der osteuropäischen Länder noch einen weiteren Effekt: „Die Osterweiterung hat zu einem Zustrom von Arbeitskräften aus Osteuropa geführt. Vor allem Selbstständige in handwerklichen Berufen sind gekommen und haben sich in wirtschaftlich starken Regionen wie Hessen, Bayern und Hamburg niedergelassen“, sagt der Arbeitsmarktexperte Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zum größten Teil habe es sich bei den Zuwanderern um qualifizierte Arbeitskräfte gehandelt.

Die volle Integration der acht osteuropäischen Länder in den Arbeitsmarkt der EU erfolgte jedoch nicht gleich mit ihrem EU-Beitritt. Erst sieben Jahre später fielen alle Beschränkungen. Die lange Übergangsfrist kam vor allem auf Druck von Ländern wie Deutschland zustande. Dies sollte die Ängste vor Armutszuwanderung und Lohndumping besänftigen.

Manche der Beitrittsländer wie Estland, Lettland, Slowenien und die Slowakei sind inzwischen sogar dem Euro beigetreten. DIW-Ökonom Brenke ist aber eher skeptisch, ob das sinnvoll ist. Aus seiner Sicht konnten die Beitrittsländer ihren wirtschaftlichen Aufholprozess mit einer eigenen Währung besser handhaben. „Die Länder Osteuropas hatten den Vorteil, dass sie nicht Mitglied des Euro waren. Dadurch konnten sich die Wechselkurse ihrer Währungen entsprechend der Produktivität entwickeln“, sagt er. Bei kleinen Ländern mit starken Handelsverflechtungen kann er den Euro-Beitritt eher nachvollziehen. Aber: "Länder wie Polen brauchen den Euro nicht."

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