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EZB senkt Leitzinsen auf ein neues Rekordtief von 0,05 Prozent

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Zentralbank  

EZB senkt Leitzinsen auf neues Rekordtief

04.09.2014, 16:53 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de

EZB senkt Leitzinsen auf ein neues Rekordtief von 0,05 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi will mit Ankaufprogramm die Kreditvergabe ankurbeln (Quelle: AP/dpa)

EZB-Chef Mario Draghi will mit Ankaufprogramm die Kreditvergabe ankurbeln (Quelle: AP/dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat überraschend die Leitzinsen auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Die Börse reagierte mit Kurssprüngen. Der DAX zog auf ein neues Tageshoch an, Anleihenkurse und Euro verloren jedoch an Terrain.

Der wichtigste Zins für einwöchiges Zentralbankgeld sinke von bisher 0,15 Prozent auf 0,05 Prozent, teilte die Notenbank mit. Der Ausleihungssatz zur Spitzenrefinanzierung werde von 0,4 auf 0,3 Prozent reduziert. Der Einlagensatz sinkt ebenfalls um 0,1 Punkte auf minus 0,2 Prozent. Banken müssen für bei der EZB geparktes Geld also höhere Strafzinsen zahlen.

Zusätzlich kommt ein Ankaufprogramm

Zudem will die EZB mit einem großangelegten Kaufprogramm dafür sorgen, dass Banken mehr Darlehen vergeben und so die Wirtschaft ankurbeln. Dazu will die EZB sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) sowie Pfandbriefe aufkaufen, wie EZB-Chef Mario Draghi in Frankfurt ankündigte. Bereits im Oktober sollten die Pfandbrief-Käufe beginnen. Bis zu 500 Milliarden Euro werde sie dafür locker machen.

Mit Verbriefungen können Banken ausstehende Forderungen aus Krediten an den Markt bringen und somit ihre Bilanzen entlasten. Damit haben sie mehr Luft zur Vergabe neuer Darlehen.

Der EZB-Rat kam das erste Mal nach der Sommerpause zusammen. Nachdem Draghi unlängst auf dem jährlichen Zentralbanker-Treffen in Jackson Hole in den USA versprochen hatte, er werde "alle verfügbaren Mittel" einsetzen im Kampf gegen die Schwäche der Konjunktur und die Gefahr einer gefährlichen Deflation, waren die Erwartungen der Börsianer hoch.

Letzte Waffe bleibt im Köcher

Die EZB hatte im Juni nicht nur den Leitzins von 0,25 auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und erstmals einen Strafzins für Banken beschlossen, die Geld lieber bei der EZB parken statt es an Unternehmen und Verbraucher zu verleihen.

Ihre letzte Abwehrwaffe, ein großes Programm zum Ankauf von Wertpapieren (Quantitative Easing, QE), hielten die Zentralbanker noch im Köcher. Die Notenbank werde wohl erst die Wirkung der jüngst beschlossenen neuen Geldspritzen für die Banken ("TLTROs") abwarten und diese durch die Ankündigung von QE auch nicht konterkarieren wollen, mutmaßte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen vor dem Zinsentscheid.

Was sind ABS?

"Asset Backed Securities" (kurz: ABS) haben durch die Weltfinanzkrise zweifelhaften Ruhm erlangt. Bis zur Crash im Herbst 2008 erfreuten sich diese oft mit Hypothekenkrediten unterlegten Wertpapiere großer Beliebtheit. Das Prinzip: Forderungen bündeln und als Wertpapiere an Investoren weiterverkaufen. Allerdings wurden Risiken dadurch nicht nur breiter gestreut, sondern auch verschleiert, und beim Platzen der US-Kreditblase verloren diese Papiere unerwartet stark an Wert.

Die amerikanische Notenbank Fed kaufte ABS später im großen Stil auf. Dies sollte Geschäftsbanken entlasten, die dann Freiräume für neue Kredite an Unternehmen hatten. In Europa sind solche ABS weniger verbreitet, trotzdem will die Europäische Zentralbank (EZB) sie nun ab Oktober ebenfalls ankaufen.

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