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Wer von der Euro-Schwäche profitiert

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Gewinner und Verlierer  

Wer von der Euro-Schwäche profitiert

09.09.2014, 18:35 Uhr | dpa-AFX

Wer von der Euro-Schwäche profitiert. US-Dollar wird zum Euro seit Monaten immer stärker (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

US-Dollar wird zum Euro seit Monaten immer stärker (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Euro steht zum US-Dollar seit Wochen unter Druck. Gab es für einen Euro Anfang Mai noch gut 1,39 Dollar, rutschte der Euro-Kurs nun erstmals seit 14 Monaten sogar unter die Marke von 1,29 Dollar. Die Wirtschaftsredaktion von t-online.de hat einmal zusammengestellt, wer von einem schwächeren Euro profitiert. Es gibt jedoch auch Verlierer.

Jahrelang hatte vor allem Frankreich an die EZB appelliert: Drückt den Euro-Kurs nach unten, damit es unsere Wirtschaft leichter hat. Nun schreibt sich die Notenbank tatsächlich die Schwächung der eigenen Währung auf ihre Fahnen. Geht das Rezept auf?

Euro auch zu anderen Währungen unter Druck

Anscheinend ja. Der Euro kennt in diesen Tagen nur eine Richtung: nach unten. Seit dem Jahreshoch büßte die Gemeinschaftswährung schon fast acht Prozent ein. Das Allzeithoch von Juli 2008 bei 1,60 Dollar ist sogar schon 24 Prozent entfernt. Auch zu anderen wichtigen Währungen lässt der Euro nach - sogar im Vergleich zum seinerseits schwächelnden britischen Pfund.

Den Euro-Kurs zu drücken ist mittlerweile ein erklärtes Ziel der Europäischen Zentralbank, wie Österreichs Notenbankchef Ewald Nowotny betont hat. Ein bemerkenswerter Kurswechsel der Währungshüter, deren Devise jahrelang lautete: "Ein Euro ist ein Euro". Zentrales Ziel war die Bekämpfung der Inflation, Wechselkurspolitik stand nicht auf dem Programm. Doch Inflation ist für Jahre nicht in Sicht - im Gegenteil: Es droht eine Deflation, eine gefährliche Spirale aus Preisverfall und schrumpfender Wirtschaft, die mit allen Mitteln verhindert werden soll - eben auch mit der Schwächung der eigenen Währung.

USA vor Leitzinserhöhung

Hinzu kommen Spekulationen über eine möglicherweise frühere Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank, die den US-Dollar beflügeln, wie Devisenexperte Lutz Karpowitz von der Commerzbank erläuterte. Eine Straffung der Geldpolitik bedeutet auch eine Anhebung der Leitzinsen in Amerika - mit entsprechenden Vorteilen für eine Anlage im Dollar-Raum. Sparer schauen in erster Linie auf die Zinsen, weniger auf das Wechselkursverhältnis.

Doch wem nützt der Kursverlust der Gemeinschaftswährung? Kann das zum Beispiel der deutschen Wirtschaft helfen? Wir schauen zunächst auf die Gewinner.

Gewinner eines schwächeren Euro-Kurses

Unternehmen: Landauf, landab hatten die deutschen Unternehmen zuletzt bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen geklagt. Der starke Euro dämpfe das Wachstum und schmälere die Gewinne. Das Problem für viele deutsche Konzerne, die praktisch überall auf der Welt aktiv sind: Wenn auf Auslandsmärkten Umsätze steigen und Gewinne sprudeln, aber die Währungen in den jeweiligen Ländern schwächer werden, dann bleibt bei der Umrechnung in Euro davon weniger oder gar nichts übrig.

Export: Für die Exportwirtschaft kann die Schwächung des Euro wie ein kleines Konjunkturprogramm wirken. Je weniger ein Euro im fremder Währung kostet, umso billiger können ausländische Kunden in der Eurozone einkaufen. Das kurbelt die Nachfrage nach europäischen Produkten an, was vor allem den schwächelnden Südländern gut zu Gesicht stände.

Frankreich: Die Nummer zwei der Eurozone steckt in der schweren Wirtschaftskrise - und appelliert seit Jahren an die EZB: Schwächt den Euro. Um das Problem der Franzosen zu verstehen, ist ein Rückblick in die Währungsgeschichte nötig. Als es den Euro noch nicht gab, war die D-Mark die "teuerste" aller Währungen in Europa.

Im Gegenzug verloren fast alle anderen zum Teil kräftig an Wert, zum Beispiel eben auch der französische Franc. Das sorgte über Jahre dafür, dass französische Unternehmen trotz steigender Kosten im Ausland relativ billig anbieten konnten - weil "ihr" Geld eben immer weniger wert wurde. Dieser Effekt ist mit der gemeinsamen Währung seit 1999 passé. Dauerhaft kann Frankreich das Problem aber nur lösen, wenn die Wirtschaft wettbewerbsfähiger wird - oder wie es manche Ökonomen ausdrücken, ihre "Reformverweigerung" aufgibt.

Verlierer der Euro-Schwäche

Kraftfahrer: Beim Tanken könnte der schwächere Euro zu höheren Preisen führen. Denn Rohöl und Benzin werden international in US-Dollar gehandelt. Je weniger der Euro zum Dollar wert ist, umso mehr kostet im Gegenzug ja der Dollar - und damit jede Ware, die in US-Währung bezahlt werden muss. Zu einem richtig ernsten Problem an den Zapfsäulen würde dies aber erst, wenn parallel das Rohöl auf den internationalen Märkten deutlich teurer wird. Das ist im Moment aber eher nicht zu erwarten: Die Rohölpreise sind aktuell ebenfalls unter Druck. Auch Heizöl ist deshalb derzeit relativ günstig.

Touristen: Europäer konnten sich in den USA lange wie ein Krösus fühlen, als der Euro zum Dollar richtig stark war. Wie sich der aktuelle Trend in ihrer Reisekasse bemerkbar macht, zeigt ein kleines Rechenbeispiel: Für ein Frühstück, das in New York gleichbleibend 4,79 Dollar kostet, mussten Touristen aus der Eurozone zur Euro-Spitzenzeit 2006 umgerechnet nur rund 3 Euro umtauschen, im Mai 2014 dagegen schon 3,45 und mittlerweile sogar etwa 3,75 Euro. Auch für England-Reisende gibt es dieses Problem.

Währungseffekte sind allerdings für all die Urlauber kein Thema, die ihre Ferien in der Heimat oder den inzwischen 17 Partnerländern der Eurozone verbringen. Auch Pauschal-Urlauber, die ein Hotel "all inclusive" buchen, merken von der Euro-Schwäche kurzfristig eher wenig.

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