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Schweiz löst den Franken vom Euro: Euro sinkt - DAX profitiert

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Devisenturbulenzen  

Schweizer Notenbank sorgt für Euro-Erdbeben

15.01.2015, 18:01 Uhr | rtr

Schweiz löst den Franken vom Euro: Euro sinkt - DAX profitiert. Schweizer Notenbank hebt Euro-Bindung auf: Schweizer Franken legt zum Euro stark zu (Quelle: Reuters)

Schweizer Notenbank hebt Euro-Bindung auf: Schweizer Franken legt zum Euro stark zu (Quelle: Reuters)

Erdbeben, Tsunami, Gemetzel - die Superlative der Experten für die Turbulenzen am Devisenmarkt reichen kaum aus. Die Schweizer Notenbank hat völlig überraschend den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben und lässt ihre Währung nun frei schwanken. Der Euro-Kurs stürzte zum Schweizer Franken zeitweise um über 25 Prozent ab, auch zum US-Dollar wurde der tiefste Stand seit gut elf Jahren markiert. Für Verbraucher und Unternehmen hat das weitreichende Auswirkungen.

"Der Mindestkurs wurde in einer Zeit der massiven Überbewertung des Frankens und größter Verunsicherung an den Finanzmärkten eingeführt", erklärte die Schweizerische Nationalbank (SNB). "Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert."

SNB-Präsident verteidigt Entscheidung

Durch den vor mehr als drei Jahren eingeführten Mindestkurs war die SNB seit Wochen wieder gezwungen, Euro in Milliardenhöhe zu kaufen, da es die Einheitswährung nicht schaffte, sich von der Marke von 1,20 Franken zu lösen. Die internationale Entwicklung sei auseinandergedriftet, sagte der Präsident der SNB, Thomas Jordan.

Die europäische Gemeinschaftswährung sackte nach der Ankündigung von 1,20 Franken zeitweise unter die Parität auf Kurse um 0,86 Franken ab - ein Minus von gut 25 Prozent und gleichzeitig der größte Absturz in der Geschichte der Gemeinschaftswährung. Auch zum US-Dollar geriet der Euro stark unter Druck: Zeitweise stürzte die Gemeinschaftswährung unter die 1,16-Dollar-Marke auf ein Elf-Jahres-Tief. Der US-Dollar verlor zum Schweizer Franken ähnlich stark wie der Euro.

Schweizer Börse mit riesigen Verlusten

Am Schweizer Aktienmarkt kam es zu riesigen Tagesverlusten. Der Leitindex der Börse in Zürich sackte zeitweise um 14 Prozent ab. Schweizer Konzerne verloren so in wenigen Stunden etwa 117 Milliarden Franken an Marktkapitalisierung. Deutsche Aktien wurden ebenfalls zeitweise in Mitleidenschaft gezogen. Zuletzt gewann der DAX jedoch deutlich an Wert und überschritt wieder die Marke von 10.000 Punkten.

Der Fall des Euro und der Aktienkurse seien eine Übertreibung, zu der die Kapitalmärkte nach einer so überraschenden Entscheidung einer Notenbank neigten, betonte Jordan. "Die Volatilität an den Märkten muss man hinnehmen." Der Markt werde sich auf einem vernünftigen Niveau einpendeln.

Zusätzlich Schweizer Leitzinsen gesenkt

Zugleich senkte die Zentralbank den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf minus 0,75 Prozent. Das Zielband für ihren Referenzzins Dreimonats-Libor verschiebt sie weiter in den negativen Bereich auf minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent.

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Auch Aktien gerieten stark unter Druck. Der Schweizer SMI-Index verlor zeitweise 14 Prozent - der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Der Deutsche Aktienindex DAX sackte binnen weniger Minuten von 9900 Punkten auf 9640 Zähler ab. Zuletzt zog der deutsche Leitindex wieder deutlich an und überschritt die Marke von 10.000 Punkten.

Euro-Franken-Kurs unter seinem fairen Wert

Börsianer wurden von der Entwicklung total überrascht. So hieß es bei JP Morgan Research: "Die größte Überraschung der heutigen Entscheidung ist, dass die SNB sich gegen einen gelenkten Rückzug entschieden hat - sie hat dem Euro zum Franken komplett den Boden entzogen. Das ist zwar die sauberste Option für die SNB - alle Verbindungen zur Geldpolitik der EZB können nun gekappt werden. Aber es ist auch die Option mit dem größten Risiko, den Euro-Franken-Kurs unter den fairen Wert zu drücken, den wir bei etwa 1,10 Franken sehen."

Selbst die Schweizer Regierung war offenbar über den folgenreichen Schritt nicht informiert. Die Regierung habe den Entscheid der Notenbank "zur Kenntnis genommen", sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf in Bern. Die Bank werde auch in Zukunft für monetäre Bedingungen sorgen, die eine Deflation oder Inflation verhinderten und eine stabile Entwicklung der Wirtschaft in der Schweiz gewährleisteten.

Schweizer Banken schränken Euro-Ausgabe ein

An den Geldautomaten der Scheizer Bank Postfinance können vorübergehend keine Euro-Noten mehr bezogen werden. Dies sagte ein Postfinance-Sprecher der Schweizer Wirtschaftsnachrichtenagentur AWP. "Wir haben nach dem Entscheid der SNB den Devisenhandel vorübergehend ausgesetzt." Dies gelte für die Geldautomaten, aber auch für Internet-Transaktionen. "Am Devisenmarkt findet derzeit keine adäquate Preisbildung statt", begründete er die Maßnahme.

Wann der Stopp aufgehoben wird, sei derzeit noch offen. Bei anderen Schweizer Banken können hingegen weiter Euro-Noten bezogen werden, wie die AWP berichtet. So gebe es bei den Raiffeisen-Banken laut einem Firmensprecher keine generelle Anweisung zur Einschränkung des Euro-Bezugs.

Euro wird weiter fallen

Experten gehen davon aus, dass sich die Talfahrt des Euro in den nächsten Wochen noch einmal beschleunigen dürfte - vor allem, wenn die EZB wie derzeit erwartet eine Ausweitung ihrer ultralockeren Geldpolitik beschließen wird. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Notenbanker schon auf ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung am 22. Januar den Ankauf von Staatsanleihen ankündigen. Dadurch dürfte es - so die Hoffnung der EZB - zu steigenden Inflationsraten bei gleichzeitig fallendem Euro-Kurs kommen - beides letztlich zur Ankurbelung der Konjunktur in der Eurozone.

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