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Schweizer Franken: Deutsche Bank verliert 130 Millionen Euro

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Folgen der Franken-Euro-Freigabe  

Schweizer Notenbank treibt Banken und Devisenhändler in die Pleite

17.01.2015, 09:10 Uhr | Martin Mrowka mit Material von AFP und Reuters, dpa, t-online.de

Schweizer Franken: Deutsche Bank verliert 130 Millionen Euro. Schweizerische Nationalbank in Bern - hier wurde die folgenreiche Franken-Entscheidung getroffen (Quelle: Reuters)

Schweizerische Nationalbank in Bern - hier wurde die folgenreiche Franken-Entscheidung getroffen (Quelle: Reuters)

Die überraschende Freigabe des Schweizer Franken am Donnerstag stürzte die Finanzmärkte in heftige Turbulenzen. Nun sind erste Opfer der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank zu beklagen: Die Devisenhändler Alpari und Global Brokers müssen wegen der Währungsturbulenzen Insolvenz anmelden, weitere Broker sind in Not. Auch einige Banken geraten immer mehr in die Bredouille - dazu gehört auch die Deutsche Bank.

Die radikale Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank SNB, den Franken- vom Eurokurs zu lösen, hat laut einem Bericht des "Wall Street Journal" auch der Deutschen Bank massive Verluste eingebrockt. Etwa 150 Millionen Dollar (130 Mio Euro) Einbußen stünden Deutschlands größtem Geldhaus bevor, berichtete das angesehen Blatt unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Dem US-Bankenriesen Citigroup würden Verluste in gleicher Größenordnung entstehen. Auch die britische Großbank Barclays und einige Hedgefonds sollen kräftig Geld in den Sand gesetzt haben.

Das Ende des Franken-Mindestwechsel-Kurses löste vor allem bei Banken in Teilen Osteuropas eine Panik aus - insbesondere in Polen. Bereits am Donnerstag erlitten Bank Zachodni WBK sowie das Schwergewicht PKO Bank Polski an der Börse heftige Verluste. Am Freitag setzte sich die Talfahrt fort. In Polen waren vor der Krise eine Vielzahl an Franken-Krediten vergeben worden. Anleger zeigten sich besorgt, dass diese Kredite nun platzen könnten, sagten Experten.

Viele Osteuropäer verschuldeten sich in Schweizer Franken

Am Markt hieß es, dass sogar 40 Prozent der Häuserkredite in Franken aufgenommen worden seien. Der Höhenflug des Franken kommt demnach rund 700.000 Haushalten dort teuer zu stehen, die ihre Immobilienkredite in Schweizer Franken abgeschlossen haben. Nach Angaben der polnischen Finanzaufsicht belaufen sie sich auf rund 31 Milliarden Euro.

Der Trend war vor etwa 15 Jahren in Polen, Kroatien und Ungarn aufgekommen. In Kroatien sind rund 60.000 Kreditnehmer betroffen, die in Franken aufgenommene Darlehen abbezahlen müssen, wie deren Interessenvertretung Franak mitteilte.

Probleme für Österreichs Banken

Österreichs Banken geraten ebenfalls in den Sog der Negativ-Auswirkungen der Notenbank-Entscheidung. Denn ein fortgesetzter Höhenflug des Schweizer Franken könnte ihnen in Zukunft Probleme bringen. Er erschwert für die Kunden der Geldhäuser die Rückzahlung von Franken-Darlehen, denn viele Kreditnehmer setzten auf den sicheren Schweizer Franken und müssen nun deutlich mehr zurückzahlen als sie in Landeswährung gerechnet aufgenommen haben. Den Instituten drohen mittelfristig Kreditausfälle.

Griechen-Banken geht das Geld aus

Etwas anders liegt die Situation in Griechenland. Dort haben zwei griechische Großbanken Nothilfe bei der Europäischen Zentralbank (EZB) beantragt, da sie Liquiditätsengpässe befürchten. Wie die griechische Zentralbank mitteilte, beantragten die Eurobank und die Alphabank Unterstützung aus dem europäischen Liquiditäts-Nothilfeprogramm ELA, da es wegen der anstehenden Parlamentswahlen eng werden könnte. Die Kurse griechischer Staatsanleihen sackten ab, auch die Börse in Athen gab deutlich nach.

Vertreter beider Geldinstitute betonten am Freitag, es gehe um eine Vorsichtsmaßnahme. Die Bank brauche die Hilfen derzeit nicht und plane auch nicht, auf sie zurückzugreifen. Ein Vertreter der Alphabank sagte, die Geldabhebungen im Dezember sowie die aktuellen Turbulenzen nach der Freigabe des Wechselkurses des Schweizer Franken hätten zu der Entscheidung geführt. Der Vertreter der Eurobank sagte, auch die Ausstände der Bank in Schweizer Franken spielten in die Entscheidung hinein, seien aber nicht der Hauptgrund.

Die beiden Hellas-Geldhäuser, die zu den vier größten Banken des Landes gehören, bestätigten mittlerweile, dass das EZB-Präsidium bei seiner Sitzung am 22. Januar über den Antrag entschieden werde. Aus der griechischen Zentralbank verlautete, es werde nicht ausgeschlossen, dass auch die beiden anderen großen Banken, die Nationalbank und die Bank von Piräus, Hilfe aus dem ELA-Programm beantragen.

Devisenhändler Alpari erklärt Insolvenz nach Freigabe des Franken

Die Verwerfungen um Franken und Euro führten einige Geldhäuser bereits in die Pleite: Der britische Devisenhändler Alpari UK hat infolge der Marktturbulenzen nach der Freigabe des Franken seine Insolvenz erklärt. Alpari UK sei gezwungen, seine Zahlungsunfähigkeit zu erklären, teilte das Londoner Unternehmen auf seiner Internetseite mit.

Es verwies auf die überraschende Entscheidung der Schweizer Nationalbank, nach mehr als drei Jahren den Mindest-Wechselkurs des Franken zum Euro aufzuheben. Das habe zu extremen Schwankungen und zum Austrocknen jeglicher Liquidität geführt, erklärte Alpari. "Das hat zur Folge gehabt, dass die Mehrheit der Kunden Verluste erlitt, die ihr Einlagenkapital überstiegen. Wo der Kunde diesen Verlust nicht abdecken kann, wird er an uns weitergereicht."

Der 2004 gegründete Devisenhändler hat nach eigenen Angaben 240.000 Kunden, die über seine Handelsplattform auf die Devisenmärkte und verschiedene Finanzprodukte zugreifen können. Demnach hat das Unternehmen über 300 Mitarbeiter in 20 Ländern - unter anderem in Deutschland.

Global Brokers und FXCM ebenfalls betroffen

Auch der relativ kleine neuseeländische Devisenhändler Global Brokers hatte von Liquiditätsproblemen und Verlusten der Kunden berichtet. Das Kapital der Firma sei aufgefressen, womit man nicht mehr den Anforderungen der Finanzaufsicht genüge, erklärten die Neuseeländer. Geschäftsführer David Johnson entschuldigte sich bei seinen Kunden, versicherte aber, dass die Einlagen sicher seien.

Der größte Devisenhändler für Kleinanleger in den USA, FXCM (Forex Capital Markets), geriet durch die "beispiellose Volatilität" der Märkte ebenfalls in Bedrängnis. Aktien von FXCM brachen um etwa 85 Prozent ein.

Börsianer sorgen sich um die Solvenz des Währungshändlers, nachdem viele Marktteilenehmer von der völlig überraschenden Freigabe des Franken auf dem falschen Fuß erwischt worden waren. Bloomberg.com berichtet, dass die Investmentbank Jefferies Group bereit sei, FXCM mit einer Kapitalspritze in Höhe von 200 Millionen Dollar unter die Arme zu greifen. FXCM bezifferte die Kundenverluste auf 225 Millionen US-Dollar (192 Millionen Euro).

In den USA müssen nur zwei Prozent der gehandelten Währungssumme tatsächlich abgedeckt sein, denn üblicherweise schwanken Währungen nicht so stark wie etwa Aktien. Die Kundenverluste, die über die Einlagen hinaus gehen, müssen vom Händler ausgeglichen werden. Zwar sichern diese sich gegen Verlust ab. Doch im Falle des Euro-Absturzes zum Schweizer Franken funktionierten die normalen Mechanismen nicht.

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