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Griechenland: Neue Studie zeigt drastischen Anstieg von Armut

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Überzogene Lohnkürzungen  

Neue Studie zeigt drastischen Anstieg von Armut in Griechenland

19.03.2015, 16:50 Uhr | t-online.de, dpa

Griechenland: Neue Studie zeigt drastischen Anstieg von Armut. Die Armut in Griechenland hat zugenommen - vor allem in ohnehin von niedrigen Einkommen betroffenen Haushalten. (Quelle: dpa)

Die Armut in Griechenland hat zugenommen - vor allem in ohnehin von niedrigen Einkommen betroffenen Haushalten. (Quelle: dpa)

Das von der Pleite bedrohte Griechenland muss seit Jahren einen harten Sparkurs fahren. Eine neue repräsentative Studie zeigt nun erschreckende Ergebnisse: Die Einkommen der privaten Haushalte sind demnach drastisch eingebrochen, die Armut im Krisenland verstärkt sich. Vor allem Haushalte mit ohnehin niedrigen Einkommen sind von der Sparpolitik betroffen.

In der neuen Studie haben griechische Ökonomen in 260.000 Haushalten untersucht, wie sich der harte Sparkurs auf Haushaltseinkommen, Armut und Verteilung in Griechenland auswirkt. Auftraggeber war das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Die Auswertung ergab: Die Bruttoeinkommen der griechischen Privathaushalte sind in nur vier Jahren von 2008 bis 2012 im Schnitt fast um 25 Prozent gesunken.

Löhne stärker als nötig gekürzt

Lohnkürzungen verursachten knapp die Hälfte dieses Rückgangs. Die Kürzungen fielen weit umfassender aus als nötig gewesen wäre, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft zu stärken, analysieren die Wirtschafts-Professoren Tassos Giannitsis und Stavros Zografakis.

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Die Nettoeinkommen fielen um weitere fast neun Prozent, weil die Steuerbelastung deutlich erhöht wurde, so die Studienautoren. Insgesamt habe der Austeritätskurs in Griechenland die Einkommen also um ein Drittel einbrechen lassen.

Gesamtwirtschaftliche Bilanz negativ

Zwar büßten alle sozialen Schichten durch Kürzungen, Steuererhöhungen und Wirtschaftskrise beträchtlich an Einkommen ein. Besonders stark waren aber Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen betroffen. Das liege unter anderem am starken Anstieg der Arbeitslosigkeit und an Steuererhöhungen, die teilweise regressiv (gegenläufig) wirkten.

Einkünfte griechischer Privathaushalte gestaffelt nach Einkommensgruppen: Oben absolut, unten die Veränderung zwischen 2008 und 2012. (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)Einkünfte griechischer Privathaushalte gestaffelt nach Einkommensgruppen: Oben absolut, unten die Veränderung zwischen 2008 und 2012. (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung)

Zudem erlitten Beschäftigte in der Privatwirtschaft insgesamt deutlich höhere Einkommensverluste, und sie seien stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als die Beschäftigten im öffentlichen Sektor.

Auch wenn man anerkenne, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft unter zu starken Lohnerhöhungen in den 2000er Jahren gelitten habe, sei der Umfang der Kürzungen weit überzogen - um mindestens zehn Prozentpunkte, schätzen die Forscher. Dementsprechend falle die gesamtwirtschaftliche Bilanz eindeutig negativ aus, so die Professoren.

Arbeitslosenzahlen vervielfacht

Neben den Lohnkürzungen reduzierten auch zahlreiche Entlassungen und Unternehmensschließungen die Einkommen von Arbeitnehmern und Selbständigen, so Giannitsis und Zografakis. Die Arbeitslosigkeit sprang zwischen dem 2. Quartal 2008 und dem 2. Quartal 2014 von 7,3 auf 26,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote der Jüngeren zwischen 15 und 29 lag im vergangenen Jahr bei gut 44 Prozent.

Parallel zur Arbeitslosigkeit ist nach Analyse der Forscher auch die Zahl der Frühverrentungen stark angestiegen. Verglichen mit 2008 lag die Zahl der Neu-Rentner, die zuvor in der Privatwirtschaft beschäftigt waren, um 14 Prozent höher. Die Renteneintritte aus dem öffentlichen Dienst dürften sogar um mehr als 48 Prozent zugenommen haben.

"Chronik eines angekündigten Desasters"

"Die Untersuchung liefert auf repräsentativer Datenbasis die Chronik eines angekündigten Desasters", sagt Gustav A. Horn, der wissenschaftliche Direktor des IMK. "Die nüchternen Zahlen zeigen, wie Millionen Menschen in Griechenland durch eine überharte und sozial völlig unausgewogene Austeritätspolitik wirtschaftlich abgestürzt sind."

Hunderttausende Griechen seien in ihrer Existenzgrundlage bedroht, "weil die von der Troika aus EU, EZB und IWF geforderte und von den bisherigen Regierungen sehr kurzsichtig und zum Teil interessengeleitet umgesetzte Sparpolitik kaum soziale Abfederung kannte", so Horn. Volkswirtschaftlich würden diese Opfer keinen Sinn machen, "weil sie das Nachfragepotenzial derart reduziert haben, dass die griechische Wirtschaft noch lange brauchen wird, um wieder auf einen einigermaßen stabilen Entwicklungspfad zu kommen."

Der IMK-Direktor forderte einen Politikwechsel. "Ein konsequentes Vorgehen gegen Steuerflucht und Steuerhinterziehung ist notwendig und auch eine andere Lastverteilung zwischen wohlhabenden und ärmeren Haushalten", erläutert Horn. Zudem müsse eine Konsolidierungspolitik, die Erfolg haben soll, insgesamt mehr auf Wachstum und Investitionen zielen.

Die Euro-Partner werfen Griechenland vor, jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Sozialleistungen seien teils höher als in anderen Euro- und EU-Ländern.

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