Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Anleihen >

Was tun mit den üppigen Kursgewinnen bei Bundesanleihen?

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Festverzinsliche Papiere  

Was tun mit üppigen Kursgewinnen bei Bundesanleihen?

01.04.2015, 15:27 Uhr | Von Jürgen Lutz für t-online.de

Viele Privatanleger haben Bundesanleihen im Depot. Deren Kurse steigen seit Jahren scheinbar unablässig - vor allem wenn es langlaufende Papiere sind, die erst in etlichen Jahren fällig werden. Investoren stehen somit vor der Frage: Sollen sie die Papiere weiter halten oder zumindest teilweise verkaufen? Und wie lassen sich die Erlöse sinnvoll anlegen: in Aktien, in Gold oder in Immobilienfonds?

Ein eher extremes Beispiel verdeutlicht gut die Dimensionen, um die es geht: Wer im Januar 2000 eine 30-jährige Bundesanleihe mit einer Verzinsung von 6,25 Prozent erworben hat (WKN: 113514), hat in den vergangenen 15 Jahren 93,75 Prozent an Kuponzahlungen erhalten. Der Kurs dieser Anleihe steht jetzt bei knapp 185 Prozent, was bedeutet: Zu den Zinszahlungen kommen derzeit Kursgewinne in fast gleicher Höhe.

Zinszahlungen abwarten oder Gewinne einstreichen?

Anleger stehen nun vor der Wahl: Soll man die Anleihe mit ihrem satten Kupon bis zur Fälligkeit am 4. Januar 2030 halten - oder streicht man schon heute den üppigen Kursgewinn durch Veräußerung des Papiers ein?

Viele Investoren wissen nicht um diese Zusammenhänge, wie Lothar Koch, Portfoliomanager bei GSAM und Spee Asset Management AG in Düsseldorf, immer wieder beobachtet. Dabei gehört es zum Einmaleins für Anleihekäufer: "Entweder man lässt sich das Papier bei Fälligkeit zum Nennwert von 100 Prozent ausbezahlen und streicht bis dahin die Zinszahlungen ein. Oder man veräußert die Anleihe bei Kursgewinnen vorzeitig an der Börse", erklärt Koch.

Je länger die Laufzeit, desto fetter die Gewinne - Wer eine Anleihe von einem vertrauenswürdigen Schuldner wie dem deutschen Staat kauft und den regelmäßigen Zinskupon einstreichen will, bis die Anleihe fällig wird, muss sich um den Zusammenhang von allgemeiner Zinsentwicklung und Anleihekursen nicht kümmern. Ansonsten gilt: Da eine Anleihe bis zu ihrem Laufzeitende an der Börse gehandelt wird, ändert sich ihr Kurs fortlaufend gemäß Angebot und Nachfrage. Entscheidend ist dabei, wie sich die Nominalzinsen der Anleihe im Verhältnis zum aktuellen Marktzins entwickeln. Sinkt der Marktzins, etwa weil eine niedrigere Inflation erwartet wird, kann der Preis (Kurs) einer Anleihe mit entsprechender Laufzeit steigen, weil sie nun attraktiver ist als zuvor. Steigt der Marktzins, dann sinkt der Kurs, weil die Anleihe als nicht mehr so attraktiv erscheint. Wer Kursgewinne einstreichen will, muss das Papier (deutlich) vor Laufzeitende an der Börse verkaufen. Allgemein gilt die Regel: Je länger die Restlaufzeit einer Anleihe, desto stärker reagiert ihr Kurs auf Veränderungen des Marktzinses.


Das Anleihen-Barometer Bund-Future erzielte gerade einen neuen Höchststand. Der Finanzprofi rät Anlegern mit eine ausgewogenem Risikoprofil aktuell, ihren Anleihebestand zu prüfen und gegebenenfalls umzuschichten, wenn diese durch die Kurszuwächse ein zu großes Gewicht erreicht haben: "Wer den Depot-Schwerpunkt auf Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit und mehr gesetzt hat, kann einen Teil der Kursgewinne realisieren und damit das Depot auf ein breiteres Fundament stellen", sagt auch Wolfgang Juds, Geschäftsführer bei Credo Vermögensmanagement in Nürnberg.

Langläufer als Schutz gegen Deflation

Gleichwohl sollte ein Teil des Vermögens trotz Renditen nahe Null in sicheren Staatsanleihen bleiben, vor allem wenn der Kupon attraktiv ist. Bei einem konservativen Kunden könne dieser Anteil, abgesehen von anderen Anleihen, bis zu 20 Prozent ausmachen, so Juds. Der Grund für die defensive Bastion im Depot: Durch die Anleihekäufe der EZB sei die Null bei den Renditen auch länger laufender Anleihen "keine Untergrenze mehr".

Außerdem zeigt die Erfahrung, dass sich Anleger mit sicheren Staatsanleihen gegen das Risiko einer Deflation wappnen können, weil dann meist genau solche Papiere gesucht werden, was deren Kurse weiter nach oben treibt.

Sogenannte Kurzläufer-Anleihen mit bis zu fünf Jahren Laufzeit bieten demgegenüber nur mäßigen Schutz gegen ein deflationäres Umfeld, weil sie weniger stark darauf reagieren wie eine 10-, 15- oder gar 30-jährige Staatsanleihe. Spätestens mit dem Auslaufen der EZB-Anleihenkäufe ist sogar mit deutlichen Kursrückgängen zu rechnen.

Denken wie ein Risikomanager!

Stellt sich die Frage: Wohin mit dem Geld, das durch den Verkauf von Staatsanleihen in die Haushaltskasse kommt? Ein minimal verzinstes Bankkonto dürfte ja kaum ein sinnvoller Parkplatz sein. Beide Vermögensprofis raten zu einem Mix aus Aktien, Anleihen, Gold und Immobilienfonds - damit können sich Anleger gegen verschiedene Risiken absichern, die in diesen bewegten Zeiten alle mehr oder minder wahrscheinlich sind.

Konkret: Gegen Deflation helfen, wie erläutert, Anleihen; gegen Inflation schützen Gold und Immobilienfonds. Mit Aktien wappnen sich Anleger gegen das "Risiko", das die Gewinne und Bewertungen der Unternehmen kräftig anziehen und sie ansonsten nicht davon profitieren. Und Gold ist die ultimative Versicherung, falls den Menschen das Vertrauen ins Papiergeld abhanden kommt.

Sachwerte sind nicht zu teuer

Weder Aktien noch Gold sind nach Kochs Dafürhalten (zu) teuer. Zwar scheint es, als sei der Deutsche Aktienindex (DAX) weit davongeeilt, doch das täuscht: "Der DAX bildet, anders als viele Indizes, neben den Kursgewinnen auch die Dividenden ab. Dadurch wirkt der Performance-Index teurer als andere Aktienbarometer", so Koch. Betrachtet man den Kurs-DAX, der wie Dow Jones und Nikkei konzipiert ist, zeigt sich: Der DAX ohne Dividenden notiert mit knapp 6200 immer noch gut zehn Prozent unter seinem Allzeit-Hoch aus dem Jahr 2000 und nicht wie der Performance-Dax rund 50 Prozent darüber.

Ungeachtet dessen raten beide Finanzprofis zu einer Streuung des Aktienanteils auf Europa, USA, Japan und eventuell die Schwellenländer, sodass die Entwicklung des DAX allein nicht erfolgsentscheidend ist.

Gold kompensiert Euro-Schwäche

Relativ günstig ist Gold - ein weiterer Sachwert, der nach dem heftigen Einbruch 2013 nur noch wenig Beachtung findet. Die starke US-Währung hat dafür gesorgt, dass das Edelmetall in Dollar gerechnet seit Anfang 2014 kaum Zugewinne verbucht. In Euro sieht es indes ganz anders aus: Seit Januar 2015 hat das Metall knapp zwölf Prozent an Wert gewonnen - und damit so viel wie im gesamten vergangenen Jahr. Zusammen ergibt das ein Plus von gut 25 Prozent in nur eineinviertel Jahren. "Gold hat damit die Kaufkraft für Euro-Anleger hervorragend bewahrt", resümiert Wolfgang Juds.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages

Shopping
Shopping
Vom Fleck weg gekauft: Beko Haushaltsgeräte
OTTO.de
Shopping
MagentaZuhause für 19,95 € mtl. im 1. Jahr bestellen
zur Telekom
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017