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Verbriefungen: EU will gefürchtete Kredite wiederbeleben

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Mitauslöser der Finanzkrise  

"Teufelszeug": EU will gefürchtete Immobilienkredite wiederbeleben

28.09.2015, 10:49 Uhr | Erik Nebel, dpa

Verbriefungen: EU will gefürchtete Kredite wiederbeleben . Bankenstadt Frankfurt: Die EU will den Finanzhandel mit sogenannten Verbriefungen wieder in Schwung bringen. (Quelle: dpa)

Bankenstadt Frankfurt: Die EU will den Finanzhandel mit sogenannten Verbriefungen wieder in Schwung bringen. (Quelle: dpa)

Verbriefungen gelten als wesentlicher Auslöser der Finanzkrise von 2008. Seitdem sind die zu Paketen gebündelten und dann weiterverkauften Immobilienkredite in Europa als "Teufelszeug" verschrien. Zu Unrecht, sagt die Europäische Kommission - und plant die Wiederbelebung der umstrittenen Papiere.

In Europa liegt der Markt für Verbriefungen weitgehend am Boden. Das will die Europäische Kommission ändern. Denn Verbriefungen seien besser als ihr Ruf und ein wichtiger Pfeiler für die Finanzierung der Wirtschaft. Chancen und Risiken will Finanzstabilitätskommissar Jonathan Hill mit einem am Mittwoch erwarteten Gesetzentwurf in ein vernünftiges Verhältnis bringen.

"Die grundlegende Idee einer Verbriefung ist eine gute: Ein Bündel von Forderungen wird in handelsfähige Wertpapiere umgewandelt und am Kapitalmarkt platziert", schrieb Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret jüngst in einem Gastbeitrag für die "Börsen-Zeitung". Banken können so Kredite bündeln und weiterverkaufen. Dafür müssen sie automatisch weniger Kapital für mögliche Ausfälle reservieren und können stattdessen neue Kredite vergeben.

Auch der als Finanzmarktkritiker bekannte Grüne-Europaabgeordnete Sven Giegold kann solchen Papieren etwas abgewinnen. Seine Fraktion sei für Vereinfachungen bei einfach strukturierten Verbriefungen zu haben, erklärt er.

In Europa "wurde nie irgendwelcher Schrott verpackt"

Allerdings: Das Geschäft mit Verbriefungen wurde vor der Finanzkrise übertrieben, vor allem in den USA. Da vergaben Banken zunehmend Kredite zweifelhafter Qualität, zusammengepackt und im Finanzsystem so verteilt, dass Risiken kaum noch zu erkennen waren. Als dann viele Hauseigentümer ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, platzte die Blase, und die Krise nahm ihren Lauf.

Der Schock darüber hält in Europa bis heute an. Wurden nach Daten des europäischen Finanzmarktverbandes AFME 2008 noch sogenannte ABS-Papiere (Asset Backed Securities) im Umfang von 815 Milliarden Euro begeben, waren es im vergangenen Jahr nur 217 Milliarden - und das trotz der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und ihres billionenschweren Aufkaufprogramms, das auch Verbriefungen umfasst. In den USA hat sich der Markt hingegen längst wieder stabilisiert.

Dabei hat es nach Einschätzung von Experten in Europa nie solche Auswüchse wie in den USA gegeben. "Hier wurde nie irgendwelcher Schrott verpackt", sagt der Verbriefungsexperte der Rechtsanwaltsfirma Allen & Overy, Stefan Henkelmann.

Bundesbanker Dombret verweist darauf, dass Ausfallraten von verbrieften US-Wohnimmobilienkrediten zwischen drei und 15 Prozent lagen, in Europa höchstens bei einem Prozent. Europäische Verbriefungen hatten "nicht das geringste" mit dem Ausbruch der Finanzkrise zu tun, schlussfolgert daher der Chef der deutschen Verbriefungsorganisation True Sale International, Hartmut Bechtold.

Vorstufe zur europäischen Kapitalunion

Trotzdem steckt der europäische Markt für Verbriefungen in einer Krise. Viele Banken haben ihre Abteilung ausgedünnt oder sich ganz aus diesem Markt zurückgezogen, auch wegen der nach der Krise verschärften Regeln. Eine Finanzierungsquelle für die Wirtschaft ist damit weitgehend versiegt.

Mit seiner ersten großen Gesetzesinitiative will der seit November vergangenen Jahres amtierende Finanzstabilitätskommissar Hill den Markt nun wieder in Schwung bringen. Der Vorstoß gilt als Vorgeschmack auf ein viel größeres Projekt: Eine Kapitalmarktunion in Europa soll grenzüberschreitende Finanzgeschäfte auf dem Kontinent erleichtern.

"Der Fokus liegt auf der Wiedergewinnung von Vertrauen für einen Markt und nur bedingt in der Verhinderung einer neuen Finanzkrise", erklärt der Verbriefungsexperte Stefan Schütt von der Wirtschaftsberatung BearingPoint. Entscheidend für den Erfolg seien widerspruchsfreie, nachvollziehbare Spielregeln für den komplexen Markt.

Das plant die EU

Nun sollen die Kapitalanforderungen für Verbriefungen gesenkt werden. Allerdings gilt das nur für Papiere, die von der EU das Gütesiegel "Simpel, Transparent, Standardisiert" (STS) bekommen. Um Fehlanreize zu vermeiden, soll es aber bei dem nach der Finanzkrise eingeführten sogenannten Selbstbehalt bleiben. Kreditgeber müssen demnach von einem Kreditbündel mindestens fünf Prozent in den eigenen Büchern behalten.

So will die EU sicherstellen, dass Banken weiter streng auf die Qualität der Kredite achten. Um auszuschließen, dass Verbriefungen zu einer Müllhalde für Giftpapiere werden, hält Grünen-Politiker Giegold die Quote aber für zu gering. Er schlägt bei komplexeren Instrumenten 15 Prozent Selbstbehalt vor, der frühere Bundesbank-Vorstand Franz Christoph Zeitler plädiert für eine ähnlich hohe Quote.

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