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Aldi rüstet auf: Warum der Discounter jetzt auf edel macht

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Kampf um Marktanteile  

Warum Aldi plötzlich auf edel macht

21.01.2016, 19:13 Uhr | Von Erich Reimann, dpa

Aldi rüstet auf: Warum der Discounter jetzt auf edel macht. Da muss man zweimal hinschauen: Die neue Aldi-Nord-Filiale in Fahrdorf präsentiert sich äußerlich in neuem Design. (Quelle: Aldi-Nord)

Darf ein Discounter so schick sein? Die neue Aldi-Nord-Filiale in Fahrdorf präsentiert sich äußerlich in neuem Design. (Quelle: Aldi-Nord)

Die Grenzen zwischen Supermärkten und Discountern verschwimmen. Schon seit Jahren verkaufen Edeka und Rewe neben dem "normalen Angebot" Pizza und Limonade zum Discounter-Preis. Umgekehrt setzen Deutschlands Discounter wie Aldi und Lidl nun auf eine Qualitäts- und Veredelungs-Offensive.

Für die Verbraucher ist das eine gute Nachricht. Denn egal ob die Billiganbieter Weichspüler, Energydrinks oder Kartoffelchips von Markenherstellern in die Regale stellen: Meist geraten die bislang üblichen Preise für diese Produkte kräftig ins Rutschen. "Oft wurde der bisherige Aktionspreis zum Dauerpreis", hat der Handelsexperte Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU beobachtet.

Aldi geht in die Offensive

Und er ist sicher: "Aldi wird noch mehr Markenprodukte listen. Das ist keine Frage." Tatsächlich finden sich neuerdings immer mehr Markenartikel in den bislang von No-Name-Produkten geprägten Sortimenten. 

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Der Grund für die Offensive des Discount-Marktführers ist für den Marketing-Fachmann offensichtlich. "Aldi hat in den vergangenen Jahren in Deutschland insbesondere an die großen Supermarkt-Ketten Marktanteile verloren", erklärt er. Denn Edeka, Rewe und Co seien mit einem Mix aus billigen Discount-Angeboten einerseits, größerer Auswahl und mehr Service andererseits besser auf die sich wandelnden Kundenbedürfnisse eingegangen. Auf diese Entwicklung habe Aldi reagieren müssen.

Kampfansage auch an Lidl

"Mit Marken wie Coca-Cola oder Red Bull spricht Aldi junge, markenaffine Leute an, die bislang häufiger einen Bogen um den Discounter machten", erklärt Fassnacht die Aldi-Strategie. Und das Unternehmen binde gleichzeitig seine Stammkunden besser an sich. Denn die müssten nun nicht mehr zur Konkurrenz, um diese Markenprodukte zu kaufen.

Eine Kampfansage war das vor allem für den Erzrivalen Lidl, der Markenartikel zum Discounter-Preis bislang als seine Domäne ansah. Und Lidl nahm die Herausforderung zum Preiskampf an. Der übrigen Konkurrenz blieb angesichts des Duells der Discount-Giganten nicht viel anders übrig, als zähneknirschend mitzuziehen. Schließlich sind die deutschen Kunden für ihre Preissensibilität bekannt.

Aufrüstung mit optischen Formaten

Nach einer Studie der Unternehmensberatung OC&C würden weniger als 40 Prozent der Kunden von Aldi, Lidl, Netto, Penny, Real oder Rewe ihrem Händler die Treue halten, wenn die Preise fünf bis zehn Prozent höher wären als bei der Konkurrenz.

Doch setzen Aldi und Lidl nicht nur auf Markenartikel zu Schnäppchenpreisen, um gegenüber den zuletzt mit kräftigen Wachstumsraten glänzenden Supermarkt-Ketten Boden gut zu machen. Auch optisch rüsten die Discounter auf und verkürzen den Abstand zu Edeka, Rewe und Co. "Sowohl Aldi als auch Lidl erproben derzeit Formate, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären" urteilte kürzlich das Fachblatt "Lebensmittel Zeitung".

Gleichzeitig fahren gleich mehrere Einzelhandels-Konzerne aufwändige Qualitätsoffensiven per TV-Spots. Aldi hält sich dabei wie gewohnt zurück. Aber: Nach Informationen der "WirtschaftsWoche" hat zumindest Aldi Nord drei Agenturen engagiert, die Verpackung, Optik und Design des gesamten Sortiments überarbeiten sollen. Vorboten einer neuen Werbe-Offensive? 

Einkaufen als Erlebnis

Auch äußerlich tut sich etwas bei Aldi. Bei der Beschreibung einer neuen Filiale in Kirchseeon bei München wurden die Branchenkenner geradezu lyrisch: "Tageslicht und LED-Beleuchtung tauchen das Marktinnere in schmeichelndes Licht. In warmen Tönen schimmern die neuen Fliesen, die Holzbalken des Daches, die Leisten und Rückwände in Holzoptik. Im Markt gibt es Hintergrundmusik, einen elektronischen Rezeptberater (...), hinter den Kassen einen Kaffeeautomaten mit Sitzbank und eine Kundentoilette mit Wickeltisch."

Auch wenn nicht alle Neuerungen aus den Testmärkten Eingang in die übrigen Filialen finden dürften: Der Trend ist unübersehbar.

"Ein Discounter darf nicht schick sein"

Schon warnt Handelsexperte Fassnacht die Discounter, die Verschönerungsaktionen nicht zu überziehen. Natürlich müssten die Läden mit der Zeit gehen. Aber: "Es darf nicht zu elegant werden. Ein Discounter darf nicht schick sein. Das würde sein Preisimage beschädigen." 

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