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EZB-Leitzinsen: Spitzenbanker warnen vor "Helikoptergeld"

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"Gefährlich" und "Quatsch"  

Spitzenbanker halten "Helikoptergeld" für gefährlich

20.03.2016, 12:15 Uhr | dpa-AFX

EZB-Leitzinsen: Spitzenbanker warnen vor "Helikoptergeld". "Helikoptergeld" ist eine umstrittene geldpolitische Maßnahme. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images, Montage: t-online.de)

"Helikoptergeld" ist eine umstrittene geldpolitische Maßnahme. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images, Montage: t-online.de)

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erneut gesenkt hat, um die Inflation anzukurbeln, werden jetzt noch weitergehende Maßnahmen diskutiert. Denn bisher hat EZB-Präsident Mario Draghi bekanntlich sein Ziel verfehlt, die Teuerung wieder Richtung zwei Prozent zu schieben.

Eine der Maßnahmen einer ultralockeren Geldpolitik ist das sogenannte Helikoptergeld. Der Kerngedanke: Statt Geld über den Ankauf von Wertpapieren in den Markt zu pumpen, wird Zentralbankgeld quasi verschenkt - indem es bildlich aus dem Hubschrauber abgeworfen wird.

Empfänger könnten dabei beispielsweise die Bürger sein oder aber der Staat. Die Befürworter sehen darin den Vorteil, dass das Geld über Konsumausgaben direkt in den Wirtschaftskreislauf gelangen würde.

Deutsche Banker gegen "Helikoptergeld"

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, haben sich aber ablehnend über diese Idee geäußert. "Das 'Helikoptergeld' ist Quatsch", sagte Schmieding der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Wirtschaftlich sei es nicht nötig und politisch würde man damit einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. "Es würde die Illusion nähren, die Notenbank könne für die Bürger einfach immer mehr Geld drucken und damit die Probleme lösen", sagte Schmieding.

Weidmann sagte den Zeitungen der Funke-Gruppe: "Statt immer waghalsigere geldpolitische Experimente ins Spiel zu bringen, wäre es sinnvoll, einmal innezuhalten. Geldpolitik ist kein Allheilmittel, ersetzt nicht notwendige Reformen in einzelnen Ländern und löst auch nicht die Wachstumsprobleme Europas."

EZB äußert sich vage

Inzwischen haben sich auch führende Mitglieder der EZB zum "Helikoptergeld" geäußert. Draghi nannte es nach dem jüngsten Zinsentscheid auf Nachfrage "ein interessantes Konzept". Allerdings machte er auch deutlich, dass es in der Praxis mit Schwierigkeiten verbunden wäre.

Auch EZB-Chefvolkswirt Peter Praet äußerte sich zumindest nicht ablehnend. Theoretisch könnten alle Notenbanken dieses "extreme Instrument" einsetzen, sagte Praet in einem Interview der italienischen Zeitung "La Repubblica". Es stelle sich nur die Frage, ob und wann der Einsatz tatsächlich Sinn mache.

Weidmann kritisiert EZB-Kurs bei Zinsen

Weidmann bekräftigte seine kritische Haltung zum geldpolitischen Kurs der EZB. Die jüngsten Beschlüsse seien "sehr weitgehend" und hätten ihn nicht überzeugt. "Wir erwarten weiterhin ein Anziehen der Konjunktur und der Preise. Es droht keine Deflation." Mit Deflation ist eine gefährliche Abwärtsspirale aus schrumpfenden Preisen und wirtschaftlicher Talfahrt gemeint.

Weil die Teuerung in der Eurozone seit geraumer Zeit unter der EZB-Zielmarke von knapp zwei Prozent liegt, hatten die Währungshüter in Frankfurt vor gut einer Woche ein beispielloses Maßnahmenpaket beschlossen: Sie senkten überraschend den Leitzins von 0,05 Prozent auf null Prozent und erhöhten den Strafzins, der fällig wird, wenn Finanzinstitute Geld bei der EZB parken.

Schließlich pumpt die EZB noch mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf, indem die monatlichen Anleihenläufe von bislang 60 auf 80 Milliarden Euro aufgestockt werden. All dies soll die Preise im Euroraum schneller steigen lassen und die in Teilen der Währungsunion schleppende Konjunktur ankurbeln.

"Ich habe aber immer wieder darauf hingewiesen, dass die Wirkung der ultralockeren Geldpolitik schwächer wird, je länger sie andauert", sagte Weidmann. "Gleichzeitig gilt: Je stärker man Gas gibt, desto größer werden Risiken und Nebenwirkungen."

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