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Deutsche Bank ist "ein Sanierungsfall"

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Tag der Abrechnung  

"Deutsche Bank ist heute ein Sanierungsfall"

20.05.2016, 13:33 Uhr | Andreas Framke, Reuters, rtr

Deutsche Bank ist "ein Sanierungsfall" . Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan (l.), und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner mussten sich in der Hauptversammlung den Fragen der Aktionäre stellen. (Quelle: dpa)

Der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, John Cryan (l.), und der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner mussten sich in der Hauptversammlung den Fragen der Aktionäre stellen. (Quelle: dpa)

Ungeklärte Skandale, keine Dividende und eine Schlammschlacht im Aufsichtsrat: Die Aktionäre haben Deutsche-Bank-Chefkontrolleur Paul Achleitner auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Geldhaus am Donnerstag scharf kritisiert. "Nach einer Dekade des Missmanagements ist die Deutsche Bank heute ein Sanierungsfall", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment, einem der größten Anteilseigner des Instituts.

Rückendeckung gab es dagegen für den seit Sommer 2015 amtierenden Vorstandschef John Cryan, der das Frankfurter Institut wieder auf die Erfolgsspur führen soll. "Wir sind besser als unser Ruf", sagte Cryan selbst.

Achleitner verteidigt Kurs

Aufsichtsratschef Achleitner verteidigte den Kurs der Bank und sich selbst. Der 59-jährige Österreicher betonte, er strebe trotz aller Kritik 2017 eine weitere Amtszeit an der Spitze des Kontrollgremiums an. "Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde." Die 5400 Aktionäre in der Frankfurter Festhalle reagierten auf diese Ankündigung mit eisernem Schweigen. Für Cryan und den scheidenden Co-Chef Jürgen Fitschen gab es dagegen langanhaltenden Applaus.

Die Stimmung auf dem Aktionärstreffen war kritisch, aber nicht so aufgeheizt wie im Vorjahr. Damals wurde Ex-Chef Anshu Jain mehrfach von Buh-Rufen unterbrochen. Wenige Wochen nach dem Aktionärstreffen nahm er seinen Hut. Grund für den "ungewöhnlich radikalen Umbau" sei auch das Verhältnis zu den Aufsehern gewesen, räumte Achleitner ein. Die Finanzaufsicht BaFin hatte vor allem Jain hart kritisiert. Achleitner wies den Vorwurf, Jain zu spät abgelöst zu haben, zurück. Es sei richtig gewesen, zunächst die neue Strategie festzulegen und dann die richtigen Personen dafür zu suchen. "Eine Strategie ist keine Lego-Bauanleitung für das Management. Eine Strategie ist vielmehr ein Kompass, der zeigt, wo wir hinwollen."

"Der Aktienkurs ist ein Desaster"

Bei Investoren ist der Frust wegen eines Verlustes von knapp sieben Milliarden Euro 2015 und des vor sich hin siechenden Aktienkurses groß. "Die Reputation hat gelitten, das Vertrauen am Kapitalmarkt ist erschüttert, der Aktienkurs ist ein Desaster. Die Deutsche Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte", bilanzierte Fondsmanager Speich. "Die Summe der drei Kapitalerhöhungen seit der Finanzkrise ist mit 21,7 Milliarden Euro höher als der aktuelle Börsenwert von 20 Milliarden Euro." Cryan müsse nun die Scherben zusammenkehren, die ihm seine Vorgänger hinterlassen hätten.

Kritik übte Speich auch am Ausscheiden von Aufsichtsrat Georg Thoma. Der renommierte Jurist war Ende April auf Druck seiner Kollegen zurückgetreten, weil diese ihm öffentlich Übereifer bei der Aufarbeitung von Skandalen vorgeworfen hatten. "Dass solche Dinge auf dem offenen Marktplatz ausgetragen werden, zeigt, wie tief wir in diesem ehrenwerten Haus mittlerweile gesunken sind", sagte Klaus Nieding, der Vize-Präsident der Aktionärsvereinigung DSW.

Achleitner tut die Affäre Thoma nach eigenem Bekunden "besonders leid", da beide langjährige Freunde sind. Der Rückzug war aus Sicht des Österreichers aber unvermeidbar. Es habe Uneinigkeit darüber bestanden, wie die Aufklärung von Skandalen vonstatten gehen solle. "Das Vertrauensverhältnis war derart belastet, dass der Rücktritt von Herrn Thoma schließlich im Interesse des Unternehmens war."

7800 Rechtsstreitigkeiten

Cryan hat im Oktober fast den gesamten Vorstand des Geldhauses ausgetauscht. "Wir begrüßen den Neuanfang ausdrücklich", sagte Fondsmanager Andreas Thomae von der Dekabank. Die größten Rechtsstreitigkeiten - etwa Geldwäsche-Vorwürfe in Russland und umstrittene Hypothekengeschäfte in den USA - will das neue Vorstandsteam möglichst noch in diesem Jahr mit Vergleichen aus der Welt zu schaffen. "Bei aller Vorsicht sehe ich uns - was unsere Rechtsstreitigkeiten angeht - allmählich auf der Zielgeraden", sagte Cryan.

Der Brite hielt seine Rede auf der Hauptversammlung - anders als sein Vorgänger Jain - auf Deutsch. Wegen der Aufarbeitung der Vergangenheit rechnet er in diesem Jahr "noch einmal mit weiteren Belastungen". Auch in den kommenden Jahren ist ein Ende der Prozessflut nicht in Sicht. Ende des ersten Quartals sei das Geldhaus in rund 7800 Rechtsstreitigkeiten involviert gewesen, erklärte Cryan. "Die überwiegende Mehrheit dieser Verfahren betrifft Klagen mit niedrigem Streitwerten im Privatkundengeschäft in Deutschland."

Cryan hat nach der Finanzkrise bereits die Schweizer Großbank UBS umgebaut. Einige Aktionäre haben jedoch Zweifel, ob er auch noch der Richtige ist, wenn die Deutsche Bank in einigen Jahren das Gröbste hinter sich hat. "Wenn irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels erkennbar wird, erwarten wir von ihnen auch eigene strategische Impulse zur Weiterentwicklung der Bank", forderte Speich. Er sehe sich nicht nur als Aufräumer, betonte Cryan. "Wir, dieses Team hier vorne, werden mit Rückendeckung des Aufsichtsrats die Deutsche Bank wieder auf die Wachstumsstraße bringen." Beim Umbau der Bilanz habe das Geldhaus bereits einen Großteil des Weges hinter sich.

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