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Nobelpreisträger: Das billige Geld der Notenbanken hilft der Konjunktur nicht

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Nobelpreisträger kritisiert Geldpolitik  

Warum billiges Geld der Konjunktur nicht hilft

25.09.2016, 14:17 Uhr | dpa, t-online.de

Nobelpreisträger: Das billige Geld der Notenbanken hilft der Konjunktur nicht. Die Notenbanken wollen mit ihrer Geldschwemme die Konjunktur in Schwung bringen. Doch das funktioniert kaum. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Notenbanken wollen mit ihrer Geldschwemme die Konjunktur in Schwung bringen. Doch das funktioniert kaum. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Nach Ansicht des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Edward Prescott verfehlt die weltweit anhaltende Schwemme billigen Geldes ihr Ziel, das Wachstum auf breiter Front stärker anzutreiben. Nur die Gruppe der Vermögenden profitiert.

Die Politik massiver Anleihenkäufe, die die Geldmenge immer mehr erhöht, und die Niedrigzins-Strategie der mächtigsten Notenbanken hätten keine größeren Auswirkungen auf die Realwirtschaft, sagte der US-Ökonom der "Welt am Sonntag". Dabei gerieten die Zentralbanken, die eigentlich neutral agieren sollen, zunehmend unter politischen Druck.

Regierungen tilgen Schulden "durch die Hintertür"

Es sei "erwiesen, dass Geldpolitik keine nachhaltigen Effekte auf Wachstum und Beschäftigung hat", meinte der 2004 mit dem Nobelpreis prämierte Wissenschaftler. Etliche Ökonomen vertreten diese These von der "Neutralität" des Geldes.

Befürworter der Billionen-Geldschöpfung argumentieren dagegen, dass etwa niedrige Zinsen die Kreditvergabe - und damit indirekt auch Investitionen und Konsum - ankurbeln. Jedoch auch diese Wirkung ist nicht wirklich erkennbar. 

Prescott betonte, dass Regierungen die Notenbanken über das Zinstief beispielsweise auch zur Schuldentilgung durch die Hintertür nutzten, weil die Zinskosten öffentlicher Haushalte so immer geringer würden. "Die aufgeblähte Bilanz der US-Notenbank ist ein Zeichen für die Verlogenheit der Finanzpolitiker, die ihre Schulden einfach auf die Bücher der Notenbank überwälzt", kritisierte der Ökonom.

Politik ist verantwortlich, nicht Notenbanken

Für die Entwicklung einer Volkswirtschaft komme es auf Steuern und Produktivität an, sagte Prescott. Beides liege in der Verantwortung der Politik. 

Auch der renommierte Geldtheoretiker Stephen Cecchetti lastet einen großen Teil der Probleme vor allem den Regierungen der Länder an. "Die Zentralbanken sind durch das Versagen der Fiskalpolitik geradezu mit Verantwortung überfrachtet worden", zitiert die "Welt" den Ökonomen.

Insbesondere Länder mit ausreichendem fiskalischen Spielraum sollten mehr unternehmen. "Das würde die Zentralbanken davon entlasten, immer mehr tun zu müssen."

Hoffen auf den Arbeitsmarkt

Die US-Zentralbank Fed hält bis dato an ihrer Billiggeld-Politik fest, höhere Zinsen wurden frühestens für das Jahresende in Aussicht gestellt. Die Währungshüter Japans und der Europäischen Zentralbank (EZB) fahren ebenfalls eine extrem lockere Geldpolitik.

Die Bundesbank hatte jüngst vor zu raschen Urteilen gewarnt. "Neben Vermögenspreisen wirken sich geldpolitische Maßnahmen generell und die Sondermaßnahmen der letzten Jahre im Speziellen auch auf die konjunkturelle Entwicklung, die Beschäftigung, die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit und das Vertrauen der Marktteilnehmer aus", hieß es in ihrem Monatsbericht für den September. Wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessere, komme das gerade ärmeren Haushalten zugute.

Bundesbürger verplempern ihr Geld

Heute profitieren vom billigen Geld vor allem Aktionäre. Das Geld vieler Reicher steckt oft zum größeren Teil in Aktien und anderen Wertpapieren. Sie profitieren auf diese Weise von der beispiellosen Geldschwemme der großen Notenbanken der Welt, die die Kurse an den Finanzmärkten antreibt. 

Die meisten Deutschen machen trotz Minizinsen immer noch immer einen großen Bogen um Aktien. Nach Berechnungen der Allianz AG haben die Bundesbürger in den letzten vier Jahren eine dreistellige Milliarden-Summe "verschenkt", weil sie sich nicht an die Börse wagten. 

Hätten die Deutschen in den vergangenen vier Jahren nur 30 Prozent ihres Vermögens in Bankeinlagen gesteckt (statt 40 Prozent) und die übrigen 10 Prozent je zur Hälfte auf Aktien und Investmentfonds verteilt, hätten sie dadurch rund 200 Milliarden Euro erzielen können. 

Klassische Sparprodukte bevorzugt - kaum Zinsen

Der deutsche Leitindex Dax etwa legte seit November 2011 um weit über 60 Prozent zu. Etwa neun Millionen Menschen besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts im vergangenen Jahr Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds. Das war zwar der höchste Stand seit 2012. In Zeiten des Börsenbooms um die Jahrtausendwende lag die Zahl der Aktienanleger in der Bundesrepublik allerdings noch bei fast 13 Millionen.

Die Mehrheit der als eher börsenscheu geltenden Deutschen setzt dagegen vor allem auf kaum verzinste klassische Bankeinlagen (knapp 40 Prozent des Brutto-Geldvermögens) sowie Versicherungen und Pensionen (37 Prozent). Sparen entpuppe sich daher derzeit vor allem als Geldparken und nicht als Investieren.

Geldvermögen wächst langsamer

Die Wirkung der ultralockeren Geldpolitik auf die Finanzmärkte scheint allerdings allmählich nachzulassen. Das Wachstum des Geldvermögens schwächte sich bereits im vergangenen Jahr weltweit ab. Das Brutto-Geldvermögen der Privathaushalte in 53 Ländern stieg um nur noch 4,9 Prozent auf den Rekordwert von 155 Billionen Euro. In den drei Jahren zuvor waren es jährlich im Schnitt noch etwa neun Prozent gewesen.

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