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Das Ölkartell bäumt sich noch einmal auf

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Opec-Deal  

Das Ölkartell bäumt sich noch einmal auf

29.09.2016, 15:56 Uhr | Stefan Schultz, Spiegel Online

Das Ölkartell bäumt sich noch einmal auf. Ölförderung in Bahrain. (Quelle: AP/dpa)

Ölförderung in Bahrain. (Quelle: AP/dpa)

Die Überraschung ist gelungen: Die Opec will ihre Förderung drosseln, der Ölpreis steigt. In Wahrheit aber schrumpft der Einfluss des Kartells - wegen zwei anderer großer Player.

Die Nachricht erwischte viele auf dem falschen Fuß. Kaum ein Experte hatte noch damit gerechnet, dass sich die Opec bei ihrem informellen Treffen in der algerischen Hauptstadt Algier auf irgendetwas einigt. Doch am späten Mittwochabend verkündete der iranische Ölminister Bidschan Sanganeh plötzlich, man habe "eine außergewöhnliche Entscheidung getroffen".

Die sieht konkret so aus: Die Opec, die insgesamt rund ein Drittel der globalen Ölproduktion verantwortet, will ihre Förderung bald auf 32,5 Millionen Barrel (rund 5,2 Milliarden Liter) pro Tag begrenzen. Das wären fast 750.000 Barrel weniger als im August.

Der Beschluss sorgte an den Märkten zunächst für Wirbel. Die Preise für die wichtigsten Ölsorten schossen teils um mehr als sechs Prozent in die Höhe, auch die Aktienmärkte verbuchten Gewinne.

Die starke Reaktion aber dürfte vor allem der Überraschung geschuldet gewesen sein; und sie dürfte damit zusammenhängen, dass automatische Börsenprogramme, sogenannte Algo-Trader, auf den plötzlichen Preisanstieg reagierten und ebenfalls Ölkontrakte kauften - was die Preise schlagartig steigen ließ.

"Mittelfristig indes deutet wenig darauf hin, dass der Ölpreis sich sonderlich nach oben bewegt", sagt Steffen Bukold, Chef des Branchendienstes Energycomment und Autor des Standardwerks "Öl im 21. Jahrhundert".

Kleine Drosselung, viel Konkurrenz

  • Erstens sind die Ankündigungen der Opec nur Worte. Es ist noch völlig unklar, wie die Förderung im Detail gekappt wird. Wer auf wie viele Liter Öl verzichtet - und damit auf gewaltige Einnahmen.
  • Zweitens ist offen, ob auch der Fördergigant Russland einen Beitrag leistet, der zuletzt die Nähe der Opec suchte. In den vergangenen Monaten hatte die Regierung in Moskau regelmäßig neue Rekorde bei der Produktion verkündet.
  • Drittens ist unklar, wie sich die globale Nachfrage nach Öl entwickelt. Die Prognosen für die Weltkonjunktur fielen zuletzt immer schlechter aus - was das Kaufinteresse an Öl und den Ölpreis sinken lässt. Hinzu kommt, dass aufgrund der Ölschwemme der vergangenen zwei Jahre die Lager in vielen Ländern bis zum Anschlag gefüllt sind.
  • Und selbst wenn die Opec die Förderung wie angekündigt kappt, und selbst wenn sich alle beteiligten Länder auch wirklich an diese Vereinbarung halten: Die Drosselung um 750.000 Barrel entspricht, viertens, gerade einmal 0,8 Prozent der täglichen Weltproduktion. Das ist kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
  • Fünftens könnten Produzenten in den USA die niedrigere Opec-Förderung mittelfristig kompensieren. Denn wenn sich das Angebot zunächst etwas verknappt und die Ölpreise etwas steigen, dann könnte sich die in Nordamerika verbreitete Ölförderung durch sogenanntes Fracking (siehe Erklärvideo) wieder stärker lohnen.

Neue Strategie in Saudi-Arabien?

Bemerkenswert ist an der Opec-Einigung eines: wie konziliant sich die Kartellmitglieder verhalten. Vor allem überrascht es, dass Saudi-Arabien seinem Erzrivalen Iran bei der Fördergrenze Sonderrechte zugesteht: Die Mullahs müssen ihre Produktion explizit nicht begrenzen, hieß es am Mittwoch in einer entsprechenden Erklärung der Opec. Dabei hatte gerade die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und Iran eine Einigung des Ölkartells lange blockiert.

Und so könnte der Opec-Beschluss auf einen strategischen Wandel Saudi-Arabiens hindeuten. In den vergangenen zwei Jahren setzte das Königreich vor allem darauf, den Weltmarkt mit Öl zu überfluten, die Preise zu drücken - und den eigenen Marktanteil zu erhöhen. Die Preise purzelten in der Folge von einst 110 auf bis zu 40 Dollar; der Wert der globalen Jahresproduktion fiel um mehr als zwei Billionen Dollar.

Der Marktanteil Saudi-Arabiens stieg indes leicht. Denn während die Förderung sich für viele Staaten bei einem Ölpreis von 40 bis 50 Dollar kaum noch rechnet (siehe Grafik), konnte Saudi-Arabien sein Öl zumindest weiter mit Gewinn verkaufen. Es gibt in dem Land Ölfelder, wo sich die Produktion schon ab 10 Dollar rechnet. Allerdings ließen sich auch in Saudi-Arabien die sehr hohen Staatsausgaben langfristig nicht mit den niedrigen Einnahmen decken.

Saudi-Arabiens Konfrontationskurs könnte sich also dem Ende entgegen neigen. Der Kompromiss mit dem Erzrivalen Iran könnte darauf hindeuten, dass das Königreich die Opec nun wieder einen und sich selbst an ihre Spitze stellen will.

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