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Opel und Peugeot: Die harten Folgen der Blitzfusion

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Opel vor dem Verkauf  

Die harten Folgen der Blitzfusion

21.02.2017, 14:17 Uhr | Michael Kröger, Spiegel Online

Opel und Peugeot: Die harten Folgen der Blitzfusion. Der Opel Vorstandsvorsitzende Karl Thomas Neumann auf der Internationalen Automobil-Aussstellung in Frankfurt. (Quelle: dpa)

Der Opel Vorstandsvorsitzende Karl Thomas Neumann auf der Internationalen Automobil-Aussstellung in Frankfurt. (Quelle: dpa)

Der Kauf von Opel durch Peugeot scheint beschlossene Sache. Gewerkschaften und Politik versuchen noch, den Franzosen Zugeständnisse zum Joberhalt abzuringen. Doch an einer harten Sanierung führt kein Weg vorbei.

Im Kanzleramt und bei den Arbeiterführern der IG-Metall ist der Zorn noch nicht verraucht. Dass sie so spät über die Pläne von GM informiert wurden, die Europa-Tochter Opel an PSA Peugeot Citroën zu verkaufen, betrachten viele dort noch immer als Affront. Von einer beispiellosen Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte ist die Rede. Der flugs zum Bundesbeauftragten für die Opel-Angelegenheit berufene Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig forderte im ZDF "Morgenmagazin" am Montag noch einmal, dass sich die mündlich formulierten Zusagen auch in den Verträgen und Betriebsvereinbarungen niederschlagen sollen.

Doch das öffentliche Säbelrasseln ist nichts weiter als der Beleg dafür, dass der Kampf verloren ist, bevor er überhaupt begonnen hat. Viel mehr als gute Worte bleiben den Unterhändlern der Opel-Arbeiter nicht, um den Interessen ihrer Klientel Geltung zu verschaffen. Denn über das Schicksal von Opel wird in Paris und Detroit entschieden - und nicht in Rüsselsheim oder Berlin.

Diesmal keine Hängepartie

Vor allem die Langgedienten in den Werken Rüsselsheim, Eisenach oder Kaiserslautern erleben diese Tage wie ein Déjà-vu: Die Sorge, was mit Opel passieren könnte, nachdem General Motors 2009 Insolvenz angemeldet hatte, ist ihnen noch lebhaft in Erinnerung. "Das Schlimmste wäre eine Hängepartie wie nach der GM-Insolvenz", sagt ein Betriebsrat aus Rüsselsheim.

Eine solche Hängepartie dürfte den Opelanern diesmal erspart bleiben. Denn anders als 2009 spricht alles dafür, dass die Beteiligten wissen, was sie wollen. Und dass auf beiden Seiten die Reihen geschlossen sind. Andernfalls hätten die Delegationen von GM und PSA nicht monatelang im Verborgenen verhandeln können.

Jobgarantie bis Ende 2018

Ohne die Störfeuer von außen dürfte es beiden Seiten auch möglich gewesen sein, die Vor- und Nachteile des Geschäfts in Ruhe auszuloten - was wiederum die Gefahr mindert, dass Probleme erst nach Vertragsschluss sichtbar werden. Grund genug anzunehmen, dass Carlos Tavares einmal gegebene Zusagen nicht wieder kassieren muss. Nach Angaben aus Regierungskreisen will der PSA-Chef im Falle einer Übernahme an der Jobgarantie bis Ende 2018 und den Investitionszusagen für die Opel-Standorte in Deutschland bis 2020 festhalten. Danach ist alles offen.

Kritiker befürchten nun, dass es danach umso dicker kommt. Denn die Übernahme von Opel macht für PSA Peugeot Citroën nur Sinn, wenn nach der Verschmelzung mehr herauskommt als die Summe beider Teile.

Während Opel-Chef Karl-Thomas Neumann die Chance sieht, einen "Europäischen Champion zu schaffen", fürchtet Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer massive Jobverluste. Der Mitarbeiterabbau sei für Tavares der einzig wirksame Kostenhebel, meint der Chef des CAR-Center an der Universität Duisburg-Essen. Er bleibe bei seiner Einschätzung, dass bei Vollzug des Deals jeder dritte der rund 19.000 Opel-Jobs in Deutschland auf der Kippe stehe. "2018 kann es mit den Abfindungen losgehen", sagt Dudenhöffer.

PSA hat die Sanierung schon hinter sich

Auch die ersten öffentlichen Anmerkungen von französischen Gewerkschaftsführern lassen Befürchtungen wachsen, dass die Verteilungskämpfe hart werden. "Opel verliert seit 16 Jahren an Rentabilität und GM will das Unternehmen loswerden", erklärte Christine Virassamy vom Gewerkschaftsbund CFDT. "Wir befürchten, dass dies für uns eine schwere Belastung werden könnte." Weiteres Entgegenkommen, das machte die Gewerkschafterin klar, sei nach den Zugeständnissen in den vergangenen Jahren nicht zu erwarten.

Zu allem Unglück für die Opel-Beschäftigten liefert Virassamy damit ein schwer zu widerlegendes Argument. Denn im Zuge der Sanierung haben die PSA-Mitarbeiter gleich mehrere Kröten geschluckt. Rund 22.000 Jobs gingen in den vergangenen zehn Jahren verloren, seit Juli vergangenen Jahres müssen die Beschäftigten zudem auch an bis zu zwölf Samstagen im Jahr ran, wenn die Auftragslage es erfordert. Die Wochenarbeitszeit kann in solchen Fällen auf bis zu 44 Stunden ausgedehnt werden. PSA Peugeot Citroën schreibt inzwischen Gewinne, Opel verharrt dagegen in der Verlustzone.

Hoffen auf neue Märkte

Ein schmerzlicher Jobabbau ließe sich allenfalls verhindern, wenn PSA gemeinsam mit Opel zusätzliche Märkte oder Geschäftsfelder erschließen könnte. Die Elektromobilität zum Beispiel, der sich Neumann ohnehin konsequent zuwenden wollte. Das neue Modell Ampera-e kommt allerdings aus der Entwicklungsabteilung von General Motors. Die Amerikaner müssten also ihr Know-how zur Verfügung stellen - als Mitgift sozusagen.

Was die neuen Märkte betrifft, so hofft man in Paris und Rüsselsheim auf den neuen Großaktionär Dongfeng. Die Chinesen könnten den Türöffner nach China spielen und damit Opel ganz neue Perspektiven erschließen. Bisher nämlich hatte Opel strikte Order aus Detroit, sich auf Europa zu beschränken. Das könnte schon sehr bald Geschichte sein.

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