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PSA-Chef: "Wir schmieden europäischen Champion"

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Experten erwarten Kahlschlag  

PSA-Chef: "Wir schmieden europäischen Champion"

06.03.2017, 10:34 Uhr | dpa

PSA-Chef: "Wir schmieden europäischen Champion". Als Folge der Opel-Übernahme durch den PSA-Konzern rechen Experten damit, dass bei Opel über kurz oder lang ein Großteil der Jobs wegfällt. (Quelle: Reuters)

Als Folge der Opel-Übernahme durch den PSA-Konzern rechen Experten damit, dass bei Opel über kurz oder lang ein Großteil der Jobs wegfällt. (Quelle: Reuters)

Die französisch-deutsche Hochzeit zwischen dem PSA-Konzern und Opel ist unter Dach und Fach. PSA-Chef Carlos Tavares will nicht weniger als einen "europäischen Champion" mit der Übernahme des deutschen Konkurrenten schmieden. Doch bis beide Seiten wie in der französischen Filmkomödie "ziemlich beste Freunde" werden können, sind noch harte Sanierungsschritte nötig.

Vor allem in den Opel-Werken ist die Sorge mit den Händen zu greifen, dass nach einer Trennung von der bisherigen Konzern-Mutter General Motors (GM) tausende Jobs auf der Strecke bleiben könnten.

Tavares' Sparmaßnahmen berüchtigt

Die Chance auf zusätzliche Märkte oder erhebliche Mehrverkäufe bestehe mit der Übernahme nicht, sagt Branchenspezialist Ferdinand Dudenhöffer. PSA und Opel seien mit ähnlichen Modellpaletten beide zu stark auf Europa konzentriert und hätten in den vergangenen Jahren beständig Marktanteile verloren. Tavares habe PSA in den vergangenen Jahren allein mit drastischen Sparmaßnahmen auf Gewinnkurs gebracht - ein Konzept, das er nun bei Opel wiederholen könnte.

"Am Ende macht ein Käufer doch, was er will", sagte der Berater Marc Staudenmayer dem "Manager Magazin". Tavares könne bei Opel "locker" 10.000 Arbeitsplätze streichen, wenn er die Produktion straffe und zentrale Funktionen künftig von Paris aus erledigen lasse.

Zusagen zur Eigenständigkeit des Unternehmens Opel und Jobgarantien für die gut 38.000 Opelaner bis Ende 2018 scheinen wenig wert zu sein, denn nach den Maßstäben solcher Großübernahmen ist das bereits übermorgen.

Die Gewerkschaften wissen, dass sie auch mit GM neu hätten verhandeln müssen und sind stark daran interessiert, in die Planung der neuen Mutter eingebunden zu werden. Daher verzichtet die IG Metall auf öffentliche Kritik und Machtdemonstrationen.

Der europäische Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sucht über die Ländergrenzen hinweg nach gemeinsamen Strategien. Das ist in der letzten Opel-Krise 2009 gründlich schiefgegangen, als britische Gewerkschafter einem kräftigen Lohnverzicht zustimmten, wenn statt Ellesmere Port die Werke Antwerpen und Bochum geschlossen würden.

"Nicht ohne Stellenverluste"

Dem Branchen-Experten Stefan Bratzel zufolge ist der Schrumpfprozess auch bei über 4 Millionen verkauften Autos im Jahr nahezu unausweichlich. Doppelfunktionen etwa bei Marketing, Einkauf und Vertrieb müssten beseitigt, die Produktionskapazitäten in den Werken verringert werden, sagt der Experte von der FH Bergisch-Gladbach. Das werde nicht ohne Stellenverluste abgehen. 

Die PSA-Seite hat bereits eine harte Sanierung hinter sich, seit 2011 sind dort fast 30.000 Jobs gestrichen worden. Auch die beiden Vauxhall-Werke in Großbritannien könnten in abgespeckter Form gesetzt sein, um nach einem Brexit auf der Insel für den dortigen Bedarf zu produzieren. Damit konkurrieren Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach mit anderen Opel-Werken in Polen, Spanien und Österreich.

Wohin die Reise im neuen Konzern gehen wird, ist schon an aktuellen Modellen zu besichtigen, die aus einer 2012 gestarteten Kooperation zwischen GM und PSA entstanden sind. In weiten Teilen baugleich rollen gerade der Opel Crossland X, der Citroen C3 Picasso und der Peugeot 2008 auf die Straßen, allesamt im Opel-Werk Saragossa gefertigt. "Alles was man sehen und berühren kann, stammt von Opel", sagt Crossland-Chefingenieur Olaf Kaden. Das Übrige kommt weitgehend aus dem PSA-Baukasten und steht auf einer Plattform der Franzosen.

Die gemeinsamen Modelle haben zahlreiche Kostenvorteile nicht nur im Einkauf. Sofern bereits erprobte Teile eingebaut werden, entfällt aufwendige Prüf- und Zertifizierungsarbeit. Das Rad muss sozusagen nicht jedes mal neu erfunden werden. Trotz vieler Gleichteile ist ein unterschiedliches Tuning möglich. Deutsche Ingenieure und Kunden achten mehr auf fahrstabiles Handling, während bei den Franzosen der Komfort an erster Stelle der Fahrwerksabstimmung steht. Zwei andere Gemeinschaftsautos entstehen bereits in den PSA-Werken am Stammsitz Sochaux und im nordspanischen Vigo.

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