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Wirtschaft  

Ost-Chemiearbeiter: Arbeitszeitverkürzung für mehr Flexibilität

09.05.2017, 17:05 Uhr | dpa-AFX

POTSDAM (dpa-AFX) - Die rund 30 500 Beschäftigten der ostdeutschen Chemie-Industrie verabschieden sich von der 40-Stunden-Woche und arbeiten bei vollem Lohnausgleich künftig 90 Minuten weniger. Die Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie und Energie sowie der Arbeitgeberverband Nordostchemie verständigten sich am Dienstag in Potsdam auf einen entsprechenden Manteltarifvertrag. In der fünften Verhandlungsrunde entschieden sich beide Seiten für die Verkürzung in drei Stufen von Januar 2019 bis Januar 2023.

Unternehmen und Beschäftigte können die Arbeitszeit im Interesse beider Seiten individuell festlegen.

"Wir haben 90 Minuten gefordert und wir haben 90 Minuten erreicht", betonte der Gewerkschaftsverhandlungsführer Peter Hausmann. Arbeitszeiten innerhalb fester Leitplanken bedarfsgerecht festzulegen, sei bundesweit einmalig.

"Wir sind froh mit dem Ergebnis", sagte Hausmann. Ein zukunftsweisendes Modell werde damit geschaffen. Einerseits könnten die Betriebe ihre Aufträge abarbeiten, andererseits würden Mitarbeiter und ihre Familien entlastet.

Aus Sicht der Arbeitgeber hilft die Vereinbarung, die Auswirkungen des demografischen Wandels und die damit immer schwierigere Suche nach Fachleuten abzufedern. "Damit schaffen wir die Flexibilität, die sich die Beschäftigten wünschen", sagte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Thomas Naujoks. "Wir müssen Rahmenbedingungen anbieten, die attraktiv für die Mitarbeiter sind", sagte er. Der neue Tarifkorridor liefere Rahmenbedingungen für arbeitnehmer- und arbeitgebergerechte Arbeitszeitmodelle.

Die Betriebsparteien können künftig die wöchentlichen betrieblichen Arbeitszeiten zwischen 32 und maximal 40 Stunden kollektiv unter anderem für einzelne Betriebsteile festlegen. Die Arbeitszeiten können auch individuell mit den einzelnen Mitarbeitern vereinbart werden. Der Manteltarifvertrag hat eine Laufzeit bis 2023.

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