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Wirtschaft: Volkswirte sehen Wirtschaft in Top-Form - aber nicht alle profitieren

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Wirtschaft  

Volkswirte sehen Wirtschaft in Top-Form - aber nicht alle profitieren

28.05.2017, 14:36 Uhr | dpa-AFX

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NÜRNBERG/BERLIN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung vieler Ökonomen in Top-Form und kann ihren Aufwärtstrend fortsetzen. Dafür sprächen die Erholung der Weltkonjunktur und die damit besseren Exportchancen für die Industrie. Aber auch Risiken im Zusammenhang mit dem Brexit oder der Politik von US-Präsident Donald Trump hätten sich abgeschwächt, erklärten Volkswirte mehrerer Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Den Arbeitsmarkt stabilisiert das weiter - allerdings haben nicht alle Menschen etwas davon.

"Die Konjunktur läuft immer besser, die Unternehmen werden immer optimistischer", sagte Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. "Was sich derzeit bei der Konjunktur zeigt, geht über unsere Erwartungen hinaus." Ifo-Experte Felix Schröter pflichtete ihm bei: "Wir gehen durchaus von einer aufwärts gerichteten Entwicklung aus."

DZ-Bank-Ökonom Michael Holstein rechnet für 2017 mit einem Wachstum um 1,7 Prozent vor allem dank wichtiger Exportmärkte: Ob in den USA, Europa oder China - in vielen Ländern sei eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Für Commerzbank -Konjunkturexperte Eckart Tuchtfeld kommt hinzu, dass inzwischen in vielen Chefetagen die Sorge vor einer Abschottung des US-Marktes nur noch eine untergeordnete Rolle spiele.

Vor überzogener Zuversicht warnte indes Stefan Kipar, Volkswirt bei der Landesbank Bayern. "Wir sind viel pessimistischer, als es die Unternehmensstimmung derzeit anzeigt", meinte er mit Blick auf das ungewöhnlich positive Ifo-Geschäftsklima. "Im Moment widersprechen die Daten zu Auftragseingängen und zur Produktion der Euphorie." Es sei aber möglich, dass sich das in den kommenden Monaten noch ändere.

Einig sind sich die Fachleute darin, dass sich die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt fortsetze. Vor der Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten für den Mai deute vieles darauf hin, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresschnitt 2017 deutlich stärker zurückgehen werde als erwartet. Die Ökonomen rechnen mit einer Erwerbslosenzahl um die 2,5 Millionen.

Trotz des guten Gesamttrends können die Entwicklungen in einzelnen Alters- und Bevölkerungsgruppen aber sehr unterschiedlich ausfallen. Die "Passauer Neue Presse" (Samstag) berichtete unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA), dass die Zahl der Minijobber über 65 Jahren im vergangenen Herbst zum ersten Mal über die Schwelle von einer Million gestiegen sei. Im September 2016 seien fast doppelt so viele Menschen im Rentenalter einer geringfügigen Beschäftigung nachgegangen wie noch im Jahr 2003. Die Vizechefin der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Zimmermann, sagte dem Blatt, die meisten dieser Minijobber arbeiteten sicherlich "nicht zum Spaß und Zeitvertreib, sondern aus finanzieller Not". Das Rentenniveau müsse daher steigen.

BA-Chef Detlef Scheele unterstrich, dass auch Teilzeit-Jobs nicht mit voller Beschäftigung vergleichbar seien. Durch sie ließen sich Beruf und Familie besser kombinieren. "Teilzeit kann aber auch eine Falle sein", sagte er dem "Focus". Ein Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für ein Recht auf befristete Teilzeit und anschließende Rückkehr in Vollzeit war jüngst gescheitert.

Laut dem Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, Jörg Zeuner, war für den Beschäftigungsanstieg insgesamt im Frühjahr der Wohnungsbau die treibende Kraft: "Die Bauzinsen verharren nahe ihrem historischen Tiefstand von zwei Prozent. Das hat den Investitionen Privater in Wohneigentum noch einmal einen Schub gegeben. Die Aussichten für den Arbeitsmarkt bergen bis zum Jahresende kaum Enttäuschungspotenzial."

Im Mai ist nach Schätzung der Volkswirte die Zahl der Arbeitslosen dank des Frühjahrsaufschwungs um rund 70 000 auf 2,5 Millionen gesunken. Dies wären etwa 160 000 weniger als vor einem Jahr. Aber auch ohne die saisonalen Rückgänge wäre die Erwerbslosenzahl demnach um 10 000 bis 15 000 gefallen. Die Experten berufen sich dabei auf eigene Berechnungen. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch (31. Mai) veröffentlichen.

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