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Wirtschaft: Ferienflieger-Fusion mit Air Berlin geplatzt - Politik soll helfen

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Wirtschaft  

Ferienflieger-Fusion mit Air Berlin geplatzt - Politik soll helfen

08.06.2017, 17:29 Uhr | dpa-AFX

BERLIN/HANNOVER (dpa-AFX) - Die hoch verschuldete Fluggesellschaft Air Berlin braucht eine neue Strategie für einen Weg aus der Krise. Ihr Großaktionär Etihad verfolgt das Ziel eines gemeinsamen Ferienfliegers von Air Berlin mit Tuifly nicht weiter, wie die arabische Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Zuvor hatte der Tui -Konzern bekanntgemacht, dass die Verhandlungen über das geplante Joint Venture nicht fortgeführt würden. Damit ist ein wichtiger Baustein der geplanten Sanierung von Air Berlin weggebrochen. Die Airline sucht nun auch Hilfe bei der Politik.

Die Fluggesellschaft stellte bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags. Ein Air-Berlin-Sprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Die Welt". Eine solche Anfrage ist der übliche Weg für den Fall, dass das Unternehmen in einem zweiten Schritt dann auch tatsächlich einen Bürgschaftsantrag stellt. Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft und das Wirtschaftsministerium von NRW lehnten eine Stellungnahme ab. Bürgschaftsanfragen seien immer vertraulich.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner machte Vorbehalte gegen eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen deutlich. Lindner, der als liberaler Verhandlungsführer bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen in NRW auch großen Einfluss auf den Kurs der geplanten Landesregierung hat, sagte der "Bild"-Zeitung (Freitag): "Mit der FDP wird der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften." Die Verfahren für Bürgschaften sähen eine unabhängige Prüfung vor. "Im Fall von Air Berlin ist eine unternehmerische Perspektive noch nicht sichtbar", bemängelte der FDP-Politiker.

Zum Flugbetrieb teilte Etihad mit: "Die Urlaubsflüge der Air Berlin Group werden nun als separate Geschäftseinheit weitergeführt, unter der Marke Niki." Weitere Details dieser Struktur würden "zu gegebener Zeit" von Air Berlin bekanntgegeben. In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben des Tui-Konzerns an seine Mitarbeiter heißt es, Etihad habe offenbar mit Blick auf seine Investments in Europa neue Pläne verfolgt und neu bewertet, wie sich die Airline künftig in Deutschland und Europa aufstellen wolle. Neben Air Berlin steht dabei auch die Beteiligung an der Alitalia im Fokus.

Air Berlin hatte das Touristikgeschäft an ihren österreichischen Ableger Niki abgegeben und dafür bereits im Dezember und Januar 300 Millionen Euro von Etihad erhalten. Niki sollte unter Führung von Etihad in einem Bündnis mit dem deutschen Ferienflieger Tuifly aufgehen, der zum Reisekonzern Tui gehört.

Etihad teilte mit, in monatelangen Verhandlungen hätten die Beteiligten keine Übereinkunft über die "endgültige Beschaffenheit eines solchen Joint Venture" erreicht. Air Berlin stellte fest, mit dem Abbruch der Verhandlungen sei ausschließlich eine Änderung der Gesellschafterstruktur verbunden. Dies habe "keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Air Berlin Group". Der Winterflugplan der Tochter Niki sei freigeschaltet und Niki fliege ihre Ziele auch planmäßig an.

Air Berlin fliegt seit Jahren Verluste ein, ist mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet und hält sich seit langem nur noch mit Finanzspritzen von Etihad in der Luft. Zuletzt hatte der deutsche Branchenprimus Lufthansa offen Interesse an einer Übernahme von Air Berlin bekundet. Allerdings müssten dazu die Betriebskosten der Airline sinken, Etihad müsse die Schulden übernehmen und die Aufsichtsbehörden müssten zustimmen, stellte Vorstandschef Carsten Spohr klar. Ein Teil von Air Berlin ist seit Februar bereits für die Lufthansa unterwegs. Der Konzern hat 38 Maschinen samt Personal für seine Töchter Eurowings und Austrian Airlines gemietet.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann fasst zumindest eine erweiterte Partnerschaft mit der Lufthansa ins Auge. "Wir müssen 2017 einen Partner finden, und die Lufthansa ist einer von einigen möglichen", hatte der Manager kurz vor der jüngsten Entwicklung der Wochenzeitung "Die Zeit" gesagt. "Ich prüfe alles, was für Air Berlin Sinn ergibt und die Arbeitsplätze langfristig sichert."

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit zeigte sich am Donnerstag auch mit Blick auf Tuifly besorgt. Das Management müsse erläutern, welche Folgen der geplatzte Deal für die Belegschaft der Tuifly habe, sagte ein Sprecher. Da Tui erklärt habe, an der eigenen Airline festhalten zu wollen, werde man diesen Prozess begleiten. Die Gewerkschaft Verdi verlangte, bei den künftigen Planungen schnell und intensiv eingebunden zu werden. "Der Markt wälzt sich um. Die Konsolidierung kommt in den nächsten Monaten", sagte ein Sprecher.

"Strategisch macht eine starke europäische Touristik-Airline weiter sehr viel Sinn, denn der Luftverkehr in Deutschland ist durch Überkapazitäten geprägt", erklärte Tui-Vorstandsmitglied Sebastian Ebel. "Niki steht aber nicht mehr für ein Joint Venture zur Verfügung." Tui will daher die Neupositionierung der Tuifly weiter vorantreiben und dabei das Gespräch mit der Arbeitnehmerseite suchen, hieß es auf einer Mitarbeiterversammlung. Die Kabinengewerkschaft Ufo forderte vom Management ein neues Konzept für einen deutschen Ferienflieger. Es müsse einen Alternativplan vorlegen, erklärte die Gewerkschaft. Der touristische Markt biete großes Potenzial - was man allein daran erkennen könne, dass andere Fluggesellschaften wie Eurowings oder Ryanair in dieses Marktsegment vorstießen.

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