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Wirtschaft - Das Gegenteil von Trump: Merkel lobt Argentiniens Öffnung

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Wirtschaft  

Das Gegenteil von Trump: Merkel lobt Argentiniens Öffnung

08.06.2017, 20:31 Uhr | dpa-AFX

BUENOS AIRES (dpa-AFX) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stemmt sich angesichts der Auseinandersetzung mit US-Präsident Donald Trump gegen eine Rolle als "Führerin der freien Welt". Keine Einzelperson und kein Land könne alleine die Probleme lösen, sagte Merkel am Donnerstag nach einem Treffen mit Argentiniens Präsidenten Mauricio Macri in Buenos Aires. Sie sieht Argentinien beim kommenden G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg als wichtigen Partner im Kampf gegen Protektionismus und neue Zollschranken.

"Wir müssen alle zusammenarbeiten und wir setzen uns beide (...) für eine freie offene Welt ein, bei der wir die Globalisierung menschlich gestalten wollen", sagte Merkel bei dem Besuch im fast 12 000 Kilometer von Berlin entfernten Buenos Aires. Macri verfolge eine Politik, "die das Land wieder geöffnet hat".

Deutschland suche Verbündete für seine Anliegen, sagte Merkel vor dem Hintergrund von Spekulationen, sie wolle eine "Allianz gegen Trump" schmieden. So betonte sie angesichts der protektionistischen Politik Trumps: "Man kann vielleicht durch Abschottung für kurze Zeit einen kleinen Vorteil herausholen." Dies sei aber auf Dauer für die Menschen nicht gut. Trump gefährdet wesentliche Ziele Merkels beim G20-Treffen der großen Industrie- und Schwellenländer Anfang Juli in Hamburg. Neben der Handelspolitik stellt sich Trump mit dem Ausstieg aus dem Paris-Abkommen auch beim Klimaschutz quer.

Deutsche Unternehmen setzen auf Milliardenaufträge in Südamerikas zweitgrößter Volkswirtschaft. Unter der linken Vorgängerregierung von Cristina Kirchner war es zu einem erbittertem Streit mit ausländischen Hedge-Fonds und zu einer Abschottung der Wirtschaft gekommen - das Land hatte keinen Zugang mehr zu internationalen Finanzmärkten. Argentinien brauche eine moderne Infrastruktur, dabei könne Deutschland ein guter Partner sein, sagte Merkel.

Merkel äußerte die Hoffnung auf einen baldigen Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen Europa und dem südamerikanischen Wirtschaftsbund Mercosur, mit den beiden Schwergewichten Brasilien und Argentinien. Dadurch würde eine zollfreie Zone mit über 800 Millionen Menschen entstehen. Durch die Unsicherheit wegen der US-Handelspolitik unter Präsident Trump könnte gerade der Handel mit Südamerika einen neuen Aufschwung erfahren.

Eine Wirtschaftsdelegation mit Vertretern zehn führender deutscher Unternehmen begleitete Merkel auf der Reise. Die bereits ansässigen deutschen Unternehmen wollen ihre Geschäfte ausbauen. Die meisten von ihnen planen mehr Investitionen und mehr Personal, wie aus einer Umfrage der Deutsch-Argentinischen Industrie- und Handelskammer hervorgeht. Der Vorsitzende, Pablo Di Si, betonte, dass die liberale Ausrichtung der Regierung Macri ein positives Geschäftsklima fördere. Er kritisierte aber bürokratische Hürden, hohe Steuern und schlechte Infrastruktur.

"Wir können an einem Tag 5000 Wagen aus einem Schiff ausladen, brauchen aber dann 15 Tage, um sie in unser nur 40 Kilometer entferntes Betriebsgelände zu bringen", sagt Di Si, der zugleich Chef von Volkswagen in Argentinien ist. Seine Kollegen in Mexiko schafften denselben Vorgang an einem einzigen Tag.

Die Bundeskanzlerin besuchte in Buenos Aires auch die älteste Synagoge von Buenos Aires und beschwor dabei die Verantwortung im Kampf gegen Antisemitismus weltweit. Die Synagoge beheimatet eine vor 1933 in Deutschland hergestellte Orgel, die mit Unterstützung der Bundesregierung restauriert wurde. In Argentinien lebt die mit mehr als 250 000 Menschen größte jüdische Gemeinschaft in Lateinamerika. Außerdem stand eine Gedenkzeremonie für die Opfer der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 auf dem Programm. Unter den damals Verschwundenen sind mehrere Deutsche.

Die Lateinamerika-Reise führt Merkel am Freitag nach Mexiko, wo sie mit Staatschef Enrique Peña Nieto zusammenkommen wird. Mexiko steht besonders unter Druck durch Trump - er will eine tausende Kilometer lange Grenzmauer bauen lassen. Zudem droht er mit Strafzöllen, auch für in Mexiko produzierende deutsche Autobauer.

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