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Wirtschaft: IPO/ Delivery Hero meistert Milliarden-Börsengang

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IPO/ Delivery Hero meistert Milliarden-Börsengang

30.06.2017, 17:59 Uhr | dpa-AFX

(Neu: Schlusskurs)

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Der Essens-Lieferdienst Delivery Hero (Lieferheld, Pizza.de, Foodora) hat den größten deutschen Börsengang des Jahres hingelegt. Am Freitagmorgen startete die Aktie in Frankfurt mit 26,90 Euro und damit deutlich über dem Ausgabepreis von 25,50 Euro. "Ich bin super glücklich", sagte Firmenchef Niklas Östberg. "Es ist ein großartiger Moment für uns alle." Zwischenzeitlich geriet der Kurs zwar unter Druck, bis zum Handelsschluss ging es aber kräftig auf 27,80 Euro nach oben - ein Plus von rund 9 Prozent im Vergleich zum Emissionspreis.

Östberg läutete zum Handelsbeginn zusammen mit Börsenchef Carsten Kengeter die traditionelle Glocke - gebracht von einem Foodora-Fahrradkurier mit dem typischen großen Liefer-Rucksack. Über dem Börsenneuling ging dabei ein Konfettiregen nieder.

EINES DER SELTENEN EINHÖRNER

Das erst 2011 gegründete Unternehmen sammelte bei seinem Sprung aufs Parkett annähernd eine Milliarde Euro ein; insgesamt war die Berliner Firma zum Ausgabepreis 4,4 Milliarden Euro wert und damit deutlich mehr als ursprünglich erwartet. Davon profitiert nicht zuletzt Altaktionär Rocket Internet: Die Beteiligungsgesellschaft von Oliver Samwer hat im Zuge des Börsengangs Anteile im Wert von einer guten Viertelmilliarde Euro versilbert, wird aber Hauptaktionär bleiben.

Delivery Hero gehört zur seltenen Gattung der Einhörner - so nennt man junge Unternehmen mit einer Milliardenbewertung. Der gebürtige Schwede Östberg hat zusammen mit seinen Mitgründern binnen sechs Jahren aus dem Berliner Start-up ein Weltunternehmen gemacht: "Wir sind Marktführer in 35 Ländern."

HART UMKÄMPFTER MARKT

Allerdings ist der Markt der Bestell-Plattformen und Lieferdienste für Essen stark umkämpft. Mittlerweile mischen selbst Silicon-Valley-Schwergewichte wie Taxi-Schreck Uber und Online-Händler Amazon mit. In Deutschland gehören Deliveroo und Lieferando zu den großen Rivalen.

Die Unternehmen müssen viel Geld ins Marketing stecken, um nicht von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Auch die Tausenden Radkuriere, die Lieferungen ausfahren, wollen bezahlt werden. Bis zuletzt schrieb Delivery Hero deshalb hohe Verluste. Die 465 Millionen Euro aus dem Börsengang, die nach Abzug aller Kosten in der Kasse des Unternehmens verbleiben, kommen da gerade recht. "Es gibt noch viel zu tun", sagte Östberg beim Börsengang.

STARKES WACHSTUM DURCH ZUKÄUFE

Delivery Hero wächst stark - im vergangenen Jahre hatte das Unternehmen den Umsatz auf 297 Millionen Euro fast verdoppelt. Das Geheimnis ist, dass Östberg lokale Lieferdienste und Bestellplattformen aufgekauft hat. Nachteil dieser Strategie ist allerdings, dass sich unter dem Dach von Delivery Hero zahlreiche Marken angesammelt haben, die gepflegt und beworben werden wollen. Alleine in Deutschland sind das Lieferheld, Pizza.de, Foodora.

Viele Firmengründer aus den einzelnen Ländern waren beim Börsengang in Frankfurt dabei. Östberg hatte insgesamt rund 100 Leute im Schlepptau - ungewöhnlich viel für einen Börsengang. Auch Östbergs Frau und seine zwei Jungs waren dabei.

KRITIK AN ARBEITSBEDINGUNGEN

Einen der wichtigsten Jobs hatte Ayan Mahmood. Der 21-Jährige arbeitet als Radkurier bei Foodora und überreichte seinem Chef am Morgen die Börsenglocke. "Die Arbeitsbedingungen bei Fodoora sind überhaupt nicht schlecht", sagte er, angesprochen auf die immer wieder geäußerte Kritik, dass Fahrer von Essenslieferdiensten schlecht bezahlt würden und kaum planen könnten. "Es ist ein sehr entspanntes Arbeiten und wir haben im Team ein gutes Betriebsklima", versicherte Mahmood, der Teamleiter in Frankfurt ist.

Mehr als 6000 Menschen in mehr als 40 Ländern arbeiten inzwischen für Delivery Hero, vor allem Europa, Asien sowie dem Nahen Osten. Hinzu kommen die Radkuriere.

Für jede Bestellung, über die Plattformen von Delivery Hero bei einem lokalen Restaurant aufschlagen, erhält das Unternehmen eine Provision. Fürs Bestellen samt Ausliefern wird noch mehr fällig - bei Foodara um die 30 Prozent, die das Restaurant vom Bestellpreis abzwacken muss und die der Kunde am Ende mit zahlt.

HOFFNUNG AUF STARKES WACHSTUM

Die Hoffnung der Anleger ist, dass der Markt der Bestell- und Lieferdienste weiter wächst und am Ende nur wenige große Spieler übrig bleiben, die sich den Kuchen aufteilen - dann sollen die Gewinne sprudeln. Auch diese Hoffnung dürfte den Aktienkurs am Freitag angetrieben haben.

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