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Wirtschaft: Reallöhne in Großbritannien sinken trotz geringer Arbeitslosigkeit

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Wirtschaft  

Reallöhne in Großbritannien sinken trotz geringer Arbeitslosigkeit

12.07.2017, 11:51 Uhr | dpa-AFX

LONDON (dpa-AFX) - Großbritanniens Arbeitsmarkt gibt ein zwiespältiges Bild ab: Einerseits ist die Arbeitslosenquote trotz der Unsicherheiten rund um den Brexit so niedrig wie seit über 40 Jahren nicht. Andererseits verdienen die britischen Arbeitnehmer Zahlen des nationalen Statistikamts ONS vom Mittwoch zufolge real immer weniger. "Trotz der starken Beschäftigung hat es einen weiteren Rückgang der realen Einkommen gegeben, weil das Lohnwachstum schwach ist und die Inflation immer noch steigt", sagte ONS-Experte Matt Hughes. Inzwischen warnen führende Ratingagenturen vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexits für den Inselstaat.

Das Lohnwachstum (ohne Bonuszahlungen) in den drei Monaten bis Mai lag laut den Statistikern bei 2,0 Prozent und hinkt damit deutlich der Teuerung hinterher. Abzüglich der Inflationsrate in diesem Zeitraum ergibt sich ein Rückgang der Reallöhne um 0,7 Prozent. Damit setzt sich die Entwicklung rückläufiger Kaufkraft vom ersten Quartal nach einer Beschleunigung im April abermals in erhöhtem Tempo fort.

Besserung ist Experten zufolge kaum in Sicht. "Wir erwarten, dass ein Rückgang der Reallöhne dieses Jahr, gefolgt von bestenfalls einem moderaten Anstieg nächstes Jahr, das Wachstum der Konsumausgaben dämpfen wird", heißt es von der US-Ratingagentur Standard & Poor's. Auch die Bank of England könne dagegen kaum etwas unternehmen. Ob sie den Leitzins anhebe oder nicht: Der Einfluss auf das Wachstum wäre schädlich, denn sowohl höhere Zinsen als auch eine ungezähmte Inflation würden die Wirtschaft schwächen, so die Analysten.

Die Bonitätswächter von Moody's warnten am Mittwoch gar vor einer möglichen Abstufung der Kreditwürdigkeit Großbritanniens, falls es zu einem "harten" Brexit ohne Zugang der Insel zum EU-Binnenmarkt kommen sollte. Die Wahrscheinlichkeit dafür habe seit dem Referendum zugenommen und nach der Schlappe von Premierministerin Theresa May bei den Parlamentswahlen im Juni seien die Risiken bezüglich Politik und Staatsfinanzen noch gestiegen.

Ungeachtet der schwachen Lohnentwicklung bleibt die Beschäftigung in Großbritannien aber auf sehr hohem Niveau. Die Arbeitslosenquote lag laut ONS im Zeitraum März bis Mai bei 4,5 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit 1975. Volkswirte hatten mit einem unveränderten Wert von 4,6 Prozent gerechnet. Die Beschäftigung stieg in den drei Monaten bis Mai um 175 000 Stellen.

Neben den Zahlen nach internationalen Standards veröffentlicht das ONS auch eine nationale Berechnung. Diese läuft den Zahlen nach internationaler Methode um einen Monat voraus. Demnach ist die Zahl der Menschen mit Anspruch auf Arbeitslosenhilfe ("Claimant Count") im Juni um 6000 gestiegen. Der Anstieg im Vormonat wurde von 7300 auf 7500 nach oben korrigiert.

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