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Wirtschaft: Insiderverfahren bei der Deutschen Börse könnte gegen Geldbuße enden

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Wirtschaft  

Insiderverfahren bei der Deutschen Börse könnte gegen Geldbuße enden

18.07.2017, 16:59 Uhr | dpa-AFX

(Überschrift und erster Absatz neu gefasst)

FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Insiderverfahren bei der Deutschen Börse könnte gegen Zahlung einer millionenschweren Geldbuße eingestellt werden. Konzernchef Carsten Kengeter selbst käme "ohne Auflagen" aus dem Verfahren - seine Zukunft als Börsenchef gilt als eng verknüpft mit dem Ausgang der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Kengeters Drei-Jahres-Vertrag, der am 31. März 2018 ausläuft, war vom Aufsichtsrat bislang nicht verlängert worden.

Eine solche einvernehmliche Beendigung des Verfahrens habe die Staatsanwaltschaft Frankfurt in Aussicht gestellt, teilte die Deutsche Börse am Dienstag mit. Im Gegenzug müsste der Dax-Konzern zwei Geldbußen in Höhe von 5,5 Millionen Euro sowie 5 Millionen Euro zahlen. Dabei geht es auch um einen möglichen Verstoß gegen Ad-hoc-Pflichten im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der - inzwischen gescheiterten - Fusion mit der Londoner Börse LSE.

Der Konzern werde das Anhörungsschreiben der Staatsanwaltschaft nun "pflichtgemäß und unter Abwägung aller relevanten Gesichtspunkte prüfen, insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Gesellschaft die gemachten Vorwürfe auch nach Hinzuziehung von Experten weiterhin in jeder Hinsicht für unbegründet hält", teilte die Deutsche Börse mit. Die Staatsanwaltschaft selbst äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht.

BRISANTES AKTIENGESCHÄFT

Gegen Kengeter wird wegen eines Aktiengeschäfts aus dem Dezember 2015 ermittelt: Der Vorwurf ist, dass der Manager bereits zuvor Gespräche über den möglichen Zusammenschluss mit der LSE geführt hatte und in diesem Wissen in großem Stil Aktien der Deutschen Börse kaufte. Konkret hatte Kengeter im Rahmen eines vom Aufsichtsrat für ihn maßgeschneiderten Vergütungsprogramms Deutsche-Börse-Anteile im Wert von 4,5 Millionen Euro gekauft, die er nicht vor Ende 2019 veräußern darf. Zehn Wochen später, am 23. Februar 2016, machten Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) die Fusionsgespräche öffentlich. Die Aktienkurse beider Unternehmen legten in der Folge zu.

Überdies wurde in dem Zusammenhang untersucht, ob die Firmen die Fusionsgespräche nicht früher hätten öffentlich machen müssen - also vor der Mitteilung vom 23. Februar 2016. Durch die sogenannte Ad-hoc-Pflicht soll sichergestellt werden, dass alle Anleger gleich gut informiert sind. Die Finanzaufsicht Bafin hatte sich den Fall angeschaut und dann an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

FUSION AUCH WEGEN BREXIT GEPLATZT

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange hatten einen europäischen Börsenriesen schmieden wollen. Letztlich kam ihnen die Entscheidung der britischen Bevölkerung in die Quere, aus der Europäischen Union austreten zu wollen. Es folgte eine Diskussion über den richtigen Standort für die Dachgesellschaft der neuen Megabörse. Dass der rechtliche Sitz in London sein sollte, hatte in Hessen für heftige Kritik gesorgt. Letztlich scheiterte die Fusion daran, dass die LSE nicht bereit war, eine Auflage der EU-Wettbewerbshüter zu erfüllen, die das Unterfangen daraufhin untersagten.

Während der ganzen Zeit hatte sich der Aufsichtsrat der Deutschen Börse demonstrativ hinter Kengeter gestellt. Auf der Hauptversammlung im Mai konnte Kengeter auch die Mehrheit der Aktionäre hinter sich versammeln. Die Deutsche Börse will jetzt im Alleingang durch eine Ausweitung ihrer Geschäfte und kleinere Zukäufe wachsen.

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