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Wirtschaft: Hurrikan 'Irma' bringt Tod und Zerstörung in die Karibik

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Wirtschaft  

Hurrikan 'Irma' bringt Tod und Zerstörung in die Karibik

07.09.2017, 16:09 Uhr | dpa-AFX

SAN JUAN (dpa-AFX) - Der Hurrikan "Irma" hat in der Karibik schwere Verwüstungen angerichtet und mehrere Menschen das Leben gekostet. Die Schäden auf den Inseln Barbuda, Anguilla und Saint Martin wurden als katastrophal beschrieben. Einige Gegenden gelten als unbewohnbar. Häuser wurden zerstört, die Infrastruktur schwer beschädigt, Straßen überflutet. Mindestens zehn Menschen starben. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Sturms betroffen sein. Der Hurrikan der höchsten Kategorie 5 bewegte sich am Donnerstag in Richtung der Dominikanischen Republik, Haiti und der Bahamas.

"Irma" ist der schwerste jemals in der Region registrierte Tropensturm mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde. Der Hurrikan war am Mittwochmorgen auf der kleinen Karibikinsel Barbuda erstmals auf Land getroffen.

Allein in den französischen Überseegebieten Saint-Barthélemy und Saint-Martin starben nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb mindestens acht Menschen. Verlässliche Zahlen über die Gesamtzahl der Opfer lagen aber zunächst nicht vor. Collomb sprach zunächst auch von 23 Verletzten, schränkte die Zahl aber später wieder ein.

Nach Angaben der Pariser Regierung hatten sich rund 7000 Menschen geweigert, die Küste zu verlassen und im Inselinneren Schutz zu suchen. Der Präsident des Territorialrats von Saint-Martin, Daniel Gibbs, sagte dem Radiosender RCI: "Es ist eine große Katastrophe. 95 Prozent der Insel sind zerstört."

Auch der Inselteil Sint Maarten wurde schwer getroffen. Flughafen und Hafen seien nicht zugänglich, sagte ein Sprecher der Marine am Donnerstag im niederländischen Radio. Sint Maarten ist ein autonomes Gebiet und frühere Kolonie der Niederlande. Die Niederlande starteten eine umfangreiche Hilfsaktion. Ministerpräsident Mark Rutte sagte, es gebe weder Strom noch fließendes Wasser und kein Benzin.

Zur Lage auf Saint-Barthélemy hatten die französischen Behörden zunächst nur wenige Informationen.

Nach Angaben des französischen Regierungssprechers Christophe Castaner waren am Donnerstag zwei Marine-Fregatten, drei Flugzeuge und fünf Helikopter in der Region im Einsatz. 200 Gendarmen seien bereits vor Ort, 100 weitere sollten im Laufe des Tages eintreffen. Die Behörden wollten auch Trinkwasser und Lebensmittel auf die Inseln bringen. Präsident Emmanuel Macron kündigte an, bald in die Überseegebiete reisen zu wollen.

Auch auf der Insel Barbuda waren die Auswirkungen verheerend. Ein Baby sei ums Lebne gekommen, sagte der Regierungschef von Antigua und Barbuda, Gaston Browne, dem Sender ABS. Barbuda sei praktisch unbewohnbar geworden, "Irma" habe dort 95 Prozent aller Häuser zerstört oder beschädigt. "Es ist herzzerreißend. Die ganze Insel steht unter Wasser", erklärte Browne. Auf Barbuda leben knapp 2000 Menschen. Die Insel war von dem Hurrikan der höchsten Kategorie fünf direkt getroffen worden.

Im britischen Überseegebiet Anguilla kam ebenfalls ein Mensch ums Leben. Die britische Regierung sprach von schweren Verwüstungen auf der Insel, die etwa 15 000 Einwohner hat. Sowohl der Hafen als auch der Flughafen der Insel blieben geschlossen. Auch auf den britischen Jungferninseln seien die Schäden "erheblich", sagte der britische Staatssekretär im Außenministerium, Alan Duncan. Weniger stark waren die Auswirkungen auf Montserrat.

Das US-Außengebiet Puerto Rico kam wohl vergleichsweise glimpflich davon, dennoch: In der Nacht auf Donnerstag waren fast eine Million Menschen ohne Strom, 80 000 ohne Wasser, wie die Zeitung "El Nuevo Dia" berichtete. Obwohl der Sturm nicht direkt über die Insel zog, war Puerto Rico Sturmböen von mehr als 150 Kilometern pro Stunde ausgesetzt. Bäume wurden umgerissen, es gab Schäden durch Überschwemmungen.

Als nächstes sollte "Irma" nach Angaben des US-Hurrikanzentrums nördlich der Insel Hispaniola vorbeiziehen und dabei die Dominikanische Republik und Haiti passieren. Haiti, eines der ärmsten Länder der Welt, leidet noch immer unter den Folgen von Hurrikan "Matthew" im Oktober 2016, bei dem etwa 1000 Menschen umkamen.

Gegen 20.00 Uhr Ortszeit (2.00 Uhr Freitag MESZ) könnte "Irma" auf die Turks- und Caicos-Inseln, ein britisches Überseegebiet, und danach auf die südlichen Bahamas treffen. Das Hurrikan-Zentrum warnte vor Sturmfluten. Die Regierung der Bahamas ordnete die Evakuierung mehrerer Inseln im Süden der Inselkette an.

Es gilt als wahrscheinlich, dass "Irma" am Samstagabend (Ortszeit) auf den US-Staat Florida trifft. Floridas Gouverneur Rick Scott rief die Einwohner des Bundesstaates zu äußerster Vorsicht auf. "Wartet nicht! Dies ist kein Sturm, den man aussitzen kann", sagte Scott. Man müsse davon ausgehen, dass große Teile Floridas und beide Küsten betroffen sein könnten.

In Teilen von Floridas Süden, etwa auf der Inselkette der Florida Keys, wurden Evakuierungen angeordnet. US-Fluglinien strichen bereits dutzende Flüge. Auch für Teile der Bundesstaaten Georgia, North Carolina und South Carolina riefen die Behörden als Vorsichtsmaßnahme den Notstand aus.

Auch nach "Irma" droht weitere Gefahr für die Region. Auf dem Atlantik formte sich bereits der nächste Hurrikan. "Jose" befand sich zwar zunächst noch mitten auf dem Meer und war verhältnismäßig schwach. Allerdings könnte er am Freitag deutlich an Stärke gewinnen und später auf den Bereich der nördlichen Antillen treffen, wo "Irma" bereits mehrere Menschen in den Tod riss.

Im Golf von Mexiko war der Hurrikan "Katia" unterwegs. Der Sturm sollte voraussichtlich weiter in Richtung der mexikanischen Küste ziehen, er könnte sich aber zu einem tropischen Tief abschwächen.

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