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Wirtschaft: MONTE CARLO/ Rückversicherer setzen auf Preiswende wegen 'Irma'

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Wirtschaft  

MONTE CARLO/ Rückversicherer setzen auf Preiswende wegen 'Irma'

11.09.2017, 08:44 Uhr | dpa-AFX

MONTE CARLO/BOSTON (dpa-AFX) - Der über Florida hinweg rasende Hurrikan "Irma" könnte paradoxerweise zum Glücksfall für die Versicherungsbranche werden. Zwar werden die Schäden in die Milliarden gehen. Auf der anderen Seite nährt "Irma" die Hoffnung der großen Rückversicherer, dass der seit Jahren tobende Preiskampf in der Branche ein Ende findet.

So erwartet die Swiss Re, dass sich die Preise vor allem bei der Absicherung von Gebäuden und Autos zumindest stabilisieren. Dies teilte der Rivale der deutschen Rückversicherer Munich Re und Hannover Rück am Montag zum jährlichen Branchentreffen in Monte Carlo mit. Die Munich Re hatte sich bereits am Sonntag ähnlich geäußert. Die Aktien der Munich Re und der Hannover Rück zogen trotz der erwarteten Milliardenschäden durch "Irma" vorbörslich an.

VIEL KAPITAL IM MARKT - PREISE IM KELLER

Angesichts des weiter schweren Marktumfelds mit niedrigen Zinsen und zu viel Kapital, das auf die Preise drückt, will die Swiss Re weiter darauf achten, nicht jedes Risiko einzugehen. Die Swiss Re ist nach der Munich Re die Nummer zwei der Branche, gefolgt von der Hannover Rück. Klassische Rückversicherer wie diese drei übernehmen Risiken von Erstversicherern wie der Allianz <DE000840400>, Axa, Generali und Talanx, die damit einen Teil ihrer Geschäfte absichern.

Da die Zinsen zuletzt weltweit sehr niedrig waren und zum Teil noch sind, drängte viel Kapital in den Markt und drückte so auf die Preise. Viele Risiken wie Zerstörungen durch Erdbeben und Wirbelstürmen wurden zum Teil über spezielle Finanzprodukte wie Katastrophenanleihen abgesichert. So stieg das Volumen dieser Produkte in den vergangenen Jahren deutlich an. Zum Teil werden diese Instrumente auch von den Rückversicherern genutzt - vor allem ermöglichen sie aber branchenfremden Anlegern den schnellen Zugang zu diesem Markt.

Auch wegen der seit Jahren eher geringen Katastrophenschäden wuchs das weltweite Kapital in der klassischen Rückversicherung von 2011 bis 2016 von rund 350 Milliarden auf 443 Milliarden Dollar. Das alternative Rückversicherungskapital, wozu die Katastrophenanleihen zählen, schwoll von etwa 28 Milliarden auf 81 Milliarden Dollar an, wie aus Zahlen der Ratingagentur Standard & Poor's und des Versicherungsmaklers Aon hervorgeht.

WARTEN AUF "IRMA"

Dominiert wird das Treffen in Monte Carlo jedoch vom bangen Blick auf auf Hurrikan "Irma" über Florida. Die erwarteten Verwüstungen durch den Wirbelsturm könnten die Branche teuer zu stehen kommen. Die Risikoexperten des Versicherungsdienstleisters AIR Worldwide aus Boston schätzen die versicherten Schäden durch "Irma" in den USA und auf mehreren karibischen Inseln auf 20 bis 65 Milliarden US-Dollar (17 bis 54 Mrd Euro).

Der Großteil der von AIR Worldwide prognostizierten "Irma"-Schäden würde mit 15 bis 50 Milliarden Dollar auf die Vereinigten Staaten entfallen. Die Spanne ist noch ziemlich groß, denn zum Zeitpunkt der Schätzung hatte "Irma" Florida noch nicht erreicht. Der Hurrikan ist der schwerste jemals in der Region registrierte Tropensturm. Den Schätzungen zufolge würde "Irma" die Versicherungsbranche viel heftiger treffen als Hurrikan "Harvey" wenige Tage zuvor.

MUNICH RE HOFFT AUF MEHR GESCHÄFT

Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek schätzte die versicherten "Harvey"-Schäden am Sonntag in Monte Carlo auf 20 bis 30 Milliarden US-Dollar. Das wäre etwa so viel wie bei Wirbelsturm "Sandy" im Jahr 2012. Bei "Harvey" rechnet er auch Schäden mit ein, die von dem staatlichen Flutversicherungsprogramm NFIP abgedeckt werden.

Jeworrek rechnet damit, dass nach "Irma" die Nachfrage nach Ersatz-Versicherungsdeckungen steigt. Die bisher rückversicherten Schadensummen seien nach den Stürmen voraussichtlich aufgezehrt. Die Hurrikan-Saison sei aber noch nicht vorüber. Zudem rechnet der Manager damit, dass die Preise für Rückversicherungsschutz in den betroffenen Gebieten deutlich anziehen. Ob hohe Schäden den seit Jahren grassierenden Preiskampf in der Branche auch insgesamt beenden werden, wagte er indes nicht vorauszusagen.

Beim "Rendez-vous de Septembre" in Monte Carlo an der Côte d’Azur treffen sich Rückversicherer aus aller Welt seit dem Wochenende mit Erstversicherern sowie Maklern, um Preise und Konditionen für die Vertragserneuerung zum folgenden Jahreswechsel abzustecken. Die Erneuerung zum 1. Januar gilt in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung als die wichtigste eines jeden Jahres. Zuletzt hatten eher geringe Katastrophenschäden den Erstversicherern immer wieder Argumente gegeben, die Preise nach unten zu drücken.

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