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Piloten greifen Air-Berlin-Bosse an: "Management trägt Schuld an Misere"

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Piloten greifen Bosse an  

"Management trägt Schuld an Misere der Air Berlin"

12.09.2017, 21:39 Uhr | David Ruch, t-online.de, dpa, AFP

Piloten greifen Air-Berlin-Bosse an: "Management trägt Schuld an Misere". Viele Flugzeuge der Air Berlin blieben am Dienstag wie hier in Düsseldorf wegen des Pilotenstreiks am Boden. (Quelle: dpa/Bernd Thissen)

Viele Flugzeuge der Air Berlin blieben am Dienstag wie hier in Düsseldorf wegen des Pilotenstreiks am Boden. (Quelle: Bernd Thissen/dpa)

Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin ist ein offener Konflikt zwischen Geschäftsführung und Piloten ausgebrochen. In einem Offenen Brief greifen die Besatzungen das Management der Airline scharf an. Dieses hatte den Piloten zuvor vorgeworfen, mit ihrem wilden Streik "die Existenz der Air Berlin" zu bedrohen.

Das Schreiben, das t-online.de vorliegt, ist von dem Kapitän Hans Albrecht unterzeichnet. Der frühere Betriebsrat wehrt sich unter anderem dagegen, dass den Piloten nun der schwarze Peter für den Niedergang der Airline zugeschoben wird. "Nein, es ist nicht der heutige Tag, der ein schlechtes Licht auf das Unternehmen wirft." Es bestehe kein Zweifel mehr daran, dass die jahrelange Misere der Air Berlin nicht die Beschäftigten zu verantworten hätten, "sondern einzig und allein der unterirdischen Leistung des Managements geschuldet war". Wer jetzt mit dem Finger auf das Cockpitpersonal zeige, versuche nur vom eigenen Versagen abzulenken.

Flugbetriebs-Chef Oliver Iffert hatte zuvor in einer internen Mitteilung, die t-online.de ebenfalls vorliegt, erklärt: "In einem schlechteren Licht kann ein Unternehmen gar nicht dastehen als die Air Berlin am heutigen Tage." In einem spontanen Streik hatten sich am Dienstag rund 250 der 1500 Piloten der Airline kurzfristig krank gemeldet, viele nach Unternehmensangaben erst unmittelbar vor dem Flug.

In der Folge fielen rund 300 Flüge aus: 167 bei Air Berlin, sowie 133 bei Eurowings und 14 bei  Austrian Airways. Die Strecken der Lufthansa-Töchter werden zum Teil von Air Berlin bedient. Mehrere zehntausend Fluggäste waren betroffen. Das Unternehmen schätzte den Schaden auf rund fünf Millionen Euro.

"Ereignisse sind pures Gift"

Iffert warnte daraufhin vor einer Gefährdung der Sanierungschancen durch den Streik. "Gerade in dieser angespannten Situation sind die heutigen Ereignisse pures Gift", erklärte der Flugbetriebs-Chef in der internen Mitteilung und mahnte ein zügige Rückkehr zu einem stabilen Flugbetrieb an. "Alles andere gefährdet das Ziel, an dem wir alle mit Hochdruck arbeiten: so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten."

In dem Offenen Brief betont Albrecht, die Mitarbeiter hätten jahrelang unpopuläre Maßnahmen zur Restrukturierung des Unternehmens mitgetragen, in der Hoffnung, so zur Gesundung der Airline beizutragen. Im Insolvenzprozess zählten nun aber einzig die Interessen der Bieter der Air Berlin. "Die Belegschaft lässt man im Unklaren über ihre wirtschaftliche und berufliche Zukunft." Ziel dieser Vorgehensweise sei offensichtlich, sich vertraglicher "Altlasten" zu entledigen.

Streik gingen offenbar gescheiterte Verhandlungen voraus

Der "Bild"-Zeitung zufolge war der Streik eine koordinierte Aktion der Piloten. Demnach gingen den Krankmeldungen gescheiterte Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) und der Air-Berlin-Geschäftsleitung voraus: In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass die Bemühungen, einen Tarifvertrag zur Ermöglichung eines geordneten Übergangs auszuhandeln, am Montag "abgewiesen" worden seien. Zur Begründung hieß es, dass durch einen Sozialplan "mögliche Investoren abgeschreckt" werden könnten.

"Für uns ist diese Haltung nicht tragbar", schreibt VC der "Bild" zufolge. Ein reine Übernahme von Flugzeugen ohne die Übernahme des Personals sei für die Gewerkschaft "kein akzeptabler Weg". Cockpit zeigte sich dennoch am Dienstag "überrascht" von den vielen Krankmeldungen. "Zu keinem Zeitpunkt hat die VC dazu aufgerufen, sich krank zu melden", stellte die Gewerkschaft klar.

Gewerkschaften rufen zu Aufrechterhaltung des Flugbetriebs auf

Zugleich appellierte Cockpit-Sprecher Markus Wahl an die Mitarbeiter, den Flugbetrieb aufrechtzuerhalten. Das sei "extrem wichtig", andernfalls sei ein Lösungsweg am Verhandlungstisch "unmöglich", sagte er. Es müsse vermieden werden, dass die Flugzeuge von Air Berlin am Boden bleiben.

Verdi rief die Beschäftigten ebenfalls auf, den Flugbetrieb weiter aufrecht zu erhalten, "um ihre Arbeitsplätze nicht zu gefährden". Zugleich erklärte die Gewerkschaft, die Krankmeldungen seien "keinesfalls verwunderlich". Es sei nicht auszuschließen, dass es auch bei anderen Beschäftigten dazu kommen könne. In allen Gesprächen rund um die insolvente Fluggesellschaft gehe es um wirtschaftliche Interessen, aber nicht um die Arbeitsplätze von mehr als 8000 Beschäftigten, kritisierte Verdi.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. An diesem Freitag endet die Frist für interessierte Käufer.

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