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Wirtschaft  

Nordkorea feuert erneut Rakete über Japan hinweg

15.09.2017, 13:15 Uhr | dpa-AFX

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SEOUL/TOKIO (dpa-AFX) - Nach der Verschärfung der UN-Sanktionen wegen seines jüngsten Atomtests hat Nordkorea erneut eine Rakete von mehreren tausend Kilometern Reichweite über Japan hinweg gefeuert. Die Rakete flog nach Angaben des südkoreanischen Militärs nach dem Start am Freitagmorgen nahe der Hauptstadt Pjöngjang 3700 Kilometer weit - die bisher größte Flugdistanz beim Test einer militärischen Rakete des Landes. Der Flugkörper stürzte nach dem Flug über die nördliche japanische Insel Hokkaido in den Pazifik. Nach ersten Angaben des US-Pazifikkommandos handelte es sich um eine Mittelstreckenrakete, wie sie Nordkorea bereits Ende Juli über Japan hinweg geschossen hatte.

Mit dem Test macht Nordkorea nach Meinung von Beobachtern deutlich, dass das Land trotz des wachsenden internationalen Drucks im verschärften Konflikt um sein Atom- und Raketenprogramm nicht nachgeben will. Der UN-Sicherheitsrat wollte sich nach Angaben der Vereinten Nationen noch am Freitag in einer Dringlichkeitssitzung mit dem neuen Waffentest beraten.

Die USA, Japan und Südkorea reagierten empört und warfen der Führung in Pjöngjang eine erneute Provokation und Bedrohung der Nachbarländer vor. Südkoreas Streitkräfte reagierten mit einer eigenen Raketenübung, bei der ballistische Raketen ins Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer) geschossen wurden. Präsident Moon Jae In warnte zu Beginn einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats, ein Dialog mit der kommunistischen Führung in Pjöngjang sei in der jetzigen Situation nicht möglich.

Neben Japans Ministerpräsident Shinzo Abe mahnte auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg eine "globale Antwort" auf den jüngsten Raketenstart Nordkoreas an. Dieser sei ein weiterer rücksichtsloser Bruch von UN-Resolutionen und eine große Bedrohung für den internationale Frieden und die Sicherheit, erklärte er auf Twitter.

"Das ist das zweite Mal binnen weniger Wochen, dass mit Japan ein Vertragspartner der USA direkt bedroht wurde", hieß es in einer Mitteilung von US-Außenminister Rex Tillerson. "Diese fortgesetzten Provokationen führen dazu, dass Nordkoreas diplomatische und wirtschaftliche Isolation nur noch vertieft wird."

China verurteilte Nordkorea für den Raketentest und rief gleichzeitig alle Parteien zur Zurückhaltung auf.

Erst am Montag hatte der UN-Sicherheitsrat den sechsten und bisher größten Atomtest Nordkoreas vom 3. September mit neuen Sanktionen bestraft, ohne dass diese jedoch ein von den USA ursprünglich gefordertes Ölembargo umfassen. Nordkorea hatte nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe getestet, mit der Interkontinentalraketen bestückt werden sollen.

Die neue UN-Resolution sieht eine Deckelung von Öllieferungen an das Land und den Verbot von Textilexporten vor. Pjöngjang erklärte, den Sanktionsbeschluss kategorisch abzulehnen und von seinen Waffenprogrammen nicht abrücken zu wollen.

"China liefert Nordkorea den größten Teil ihres Öls", schrieb Tillerson nach dem jüngsten Raketentest. "Russland ist der größte Arbeitgeber für nordkoreanische Zwangsarbeiter." Tillerson forderte China und Russland auf, ihrerseits Maßnahmen zu ergreifen.

Abe verurteilte den Raketenstart als "ungeheuerliche" Handlung, die nicht toleriert werden könne. Nordkorea bedrohe durch seine Provokationen den Weltfrieden, sagte der Regierungschef laut Medien in Tokio.

Bei dem Test sei die Rakete 2200 Kilometer östlich der Insel Hokkaido in den Pazifik gestürzt, teilte die Regierung in Tokio mit. Nach Angaben Südkoreas hatte der Flugkörper zuvor eine Höhe von 770 Kilometern erreicht. Experten in den USA vermuten, dass es sich wie schon beim Test Ende August um eine Rakete des Typs Hwasong-12 handelte.

UN-Resolutionen verbieten Nordkorea sowohl Atomwaffenversuche als auch Tests von ballistischen Raketen. Dabei handelt es sich in der Regel um Boden-Boden-Raketen, die je nach Bauart einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern könne. Nordkorea arbeitet an Langstreckenraketen, die einen Atomgefechtskopf bis in die USA tragen können.

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