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Wirtschaft: Euronext wildert im Stammland der Deutschen Börse

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Euronext wildert im Stammland der Deutschen Börse

08.10.2017, 14:13 Uhr | dpa-AFX

FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) - Mitten in der Neusortierung der Deutschen Börse buhlt die Konkurrentin Euronext um Kunden in Deutschland. "Unser Ziel ist, der Haupttechnologiemarkt in Europa zu werden", sagte Euronext-Vorstandsmitglied Anthony Attia, der das Thema Börsengänge verantwortet, den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX in Frankfurt. "Wir wollen die europäische Nasdaq werden."

Im Herbst eröffnete die Vierländerbörse Niederlassungen in Frankfurt und München, um den deutschen Markt besser bearbeiten zu können. Ziel sei, insbesondere junge Technologie-Unternehmen bei der Finanzierung ihres Wachstums über den Kapitalmarkt zu unterstützen.

"Es gibt in Deutschland inzwischen viele Tech-Initiativen - das Problem fängt an, wenn ein Unternehmen der Gründungsphase entwachsen ist. Dann stehen Start-ups in Deutschland vor einer Wüste, was die Finanzierung des weiteren Wachstums angeht", erklärte der Euronext-Repräsentant für Deutschland, Michael Schatzschneider.

Börsen seien jungen Firmen, die in der Regel noch Verluste machten, bislang verschlossen geblieben. "Wir setzen die Hürden für Unternehmen niedriger an, sorgen aber dennoch dafür, dass nicht getrickst wird", erklärte der ehemalige Investmentbanker Schatzschneider im Hinblick auf die Exzesse zu Zeiten des Neuen Markts um die Jahrtausendwende.

"Wir wissen um die Gefahren einer Blase", bekräftigte Vorstandsmitglied Attia. Entsprechend genau überwache die Euronext die Einhaltung der Vorschriften und schule die jungen Unternehmen.

Schatzschneider äußerte sich zuversichtlich, dass die neue Strategie bald erste Früchte tragen wird: "Wir haben bereits deutsche Unternehmen in der Pipeline, die im nächsten Jahr ein Listing an der Euronext anstreben." Auf Messen und Konferenzen habe er auch Start-ups angesprochen, die sich bislang gar nicht als börsenreif betrachtet hätten.

Von den bislang 20 Börsengängen an der Euronext in diesem Jahr seien 17 Kandidaten junge Tech-Firmen gewesen: Hersteller von 3D-Druckern, Life-Science-Spezialisten oder Software-Firmen. Auch wenn die Volumen der Tech-Börsengänge vergleichsweise klein gewesen seien, so zeige dies doch den Bedarf nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups, sagte Schatzschneider.

Attia betonte, die Entscheidung für den deutschen Markt und insbesondere für Frankfurt habe nichts mit dem Votum der Briten zum EU-Austritt oder der Lage der Deutschen Börse zu tun: "Wir haben die neue Strategie im Mai 2016 aufgesetzt, also vor dem Brexit-Votum."

Bei der Deutschen Börse war im Frühjahr der Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) geplatzt. Zudem wird das Unternehmen von staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Vorstandschef Carsten Kengeter wegen möglichen Insiderhandels belastet.

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