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Wirtschaft: Dax klettert über 13 000 Punkte - und nun?

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Wirtschaft  

Dax klettert über 13 000 Punkte - und nun?

12.10.2017, 16:56 Uhr | dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Auf dem Frankfurter Börsenparkett steppt derzeit nicht der Bär, sondern der Bulle. Das Tier symbolisiert im Anlegerjargon steigende Aktienkurse. Und wie sie steigen: Am Donnerstag schaffte es der Dax erstmals in seiner Geschichte über die 13 000 Punkte. Seit Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex, in dem die 30 größten börsennotierten Konzerne des Landes versammelt sind, nun um insgesamt über 13 Prozent zugelegt. Die spannende Frage ist aber jetzt: Wie geht es weiter? Und lohnt sich für Privatanleger noch ein Einstieg?

Warum sind die Kurse so stark gestiegen?

Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen läuft die deutsche Wirtschaft rund. Und das schon seit Jahren. Entsprechend sprudeln die Gewinne - Anleger erhoffen sich ihren Anteil daran, etwa durch Dividenden. Zum anderen ist der Dax-Rekord auch der aktuellen Entwicklung in den USA zu verdanken, wo an der Wall Street schon seit Monaten eine Bestmarke nach der anderen erklommen wird. Hier hoffen Anleger unter anderem auf die Umsetzung der von Präsident Donald Trump versprochenen Steuerreform, welche vor allem mittelständische US-Unternehmen entlasten soll.

Und das reicht, um die Kurse in derartige Höhen zu treiben?

Es kommt noch mehr hinzu. Seitdem die Finanzkrise vor zehn Jahren um ein Haar zu einer Kernschmelze der Wirtschaft geführt hätte, fluten die Notenbanken die Finanzmärkte mit billigem Geld. Das müssen die Investoren irgendwo anlegen - und weil die Zinsen immer noch so niedrig sind, setzen sie häufig auf Aktien. Erst langsam ebbt die Geldflut ab, wobei die US-Notenbank Fed der Vorreiter ist, während in der Eurozone kein Ende der lockeren Geldpolitik abzusehen ist.

Steigen die Kurse gegen Jahresende nicht grundsätzlich?

Nicht immer, aber oft. Eine gern zitierte Börsenweisheit lautet "Sell in May and go away, but remember to come back in September". Etwas holprig ins Deutsche übersetzt heißt das: "Verkaufe im Mai und wende Dich ab, aber denke daran, im September zurückzukommen" Tatsächlich gilt der September in der Börsenwelt als schwächster Monat des Jahres, in dem viele Aktien besonders günstig zu haben sind. Von da an greifen Anleger verstärkt bei den Papieren zu - der Beginn der viel zitierten Jahresendrally. Die Erwartung auf Kursgewinne erfüllt sich so gesehen quasi von selbst. Allerdings ist das alles nicht in Stein gemeißelt. So war der September 2017 ein außergewöhnlich guter Börsenmonat; der Dax hat hier die Hälfte seines bisherigen Jahresgewinns eingefahren.

Steigen alle Aktien wenn der Dax zulegt?

Nein, so haben bestimmte Bankaktien bis heute noch nicht ansatzweise den Wert erlangt, den sie vor Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise vor zehn Jahren hatten. Andere Anleger sind mit Solaraktien - einstmals Stars der Börse - auf die Nase gefallen. Deshalb raten Experten immer wieder, nicht nur auf ein Pferd zu setzen. Wer beispielsweise alle 30 Dax-Aktien im Depot haben will, kann einen sogenannten ETF kaufen - das ist ein börsengehandelter Fonds, der den deutschen Leitindex eins zu eins abbilden soll und in der Regel geringe Gebühren fordert.

Was macht Experten so sicher, dass der Dax auf lange Sicht weiter steigt?

Tatsächlich ist und war wirtschaftliches Wachstum bislang immer inhärenter Bestandteil der industrialisierten Gesellschaft. Das ist nicht nur politisch gewollt, es geht auch mit dem technischen Fortschritt einher. Natürlich ist diese Maxime nicht frei von Kritik - sogenannte Postwachstumsökonomen sagen, dass es uns ohne ständige Produktivitätssteigerungen besser gehen würde. Noch aber steigt der Wert, den Unternehmen Jahr für Jahr schaffen. Daran werden auch die Aktionäre beteiligt. Besitzer von Sparbüchern hängen dagegen bei ihren Zinsen vom Wohl und Wehe der Notenbanken und deren Geldpolitik ab.

Und warum wird dann so selten in Aktien investiert?

Die Deutschen sind einfach Börsenmuffel und scheuen das Risiko, was sicherlich zum Teil in ihrer Geschichte begründet liegt. Zwei Weltkriege, mehrere Börsencrashs und Hyperinflation haben ihren Tribut gefordert. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts hält gerade einmal jeder siebte Bundesbürger Aktien und/oder Aktienfonds. Das Ergebnis: Während die Deutschen im europäischen Vergleich relativ viel Geld zur Seite legen, kommt am Ende relativ wenig dabei heraus. Laut Berechnungen der Allianz Versicherung brachten es die Deutschen zwischen 2012 und 2015 gerade mal auf 2,3 Prozent Rendite. Bei den Finnen, die vier Mal so viel in Aktien investieren wie der Durchschnitts-Deutsche, waren es 6,9 Prozent.

Und wem gehören dann die Aktien deutscher Firmen?

Die Antwort an dieser Stelle dürfte jetzt nicht verwundern: Zum großen Teil ausländischen Investoren, etwa amerikanischen Pensionsfonds oder Beteiligungsgesellschaften. Die Zeiten der Deutschland-AG, bei der hiesige Konzerne gegenseitig aneinander beteiligt waren, sind vorbei./kro/das/mis/tih/he

--- Von Karolin Rothbart, dpa-AFX ---

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