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Gigantischer Betrugsfall  

Erfundene Briefe kosten Post bis zu 100 Millionen Euro

18.11.2017, 22:06 Uhr | AFP, t-online.de

Erfundene Briefe kosten Post bis zu 100 Millionen Euro. Briefzusteller bei der Arbeit: Eine Gruppe von Betrügern soll der Deutschen Post einen Millionenschaden zugefügt haben. (Quelle: dpa/Symbolbild/Sebastian Kahnert)

Briefzusteller bei der Arbeit: Eine Gruppe von Betrügern soll der Deutschen Post einen Millionenschaden zugefügt haben. (Quelle: Symbolbild/Sebastian Kahnert/dpa)

Der Fall ist gigantisch: Ein kriminelles Netzwerk kassiert Prämien für Massen von Briefen, die es nie gab. Nur durch einen Zufall fliegt der organisierte Betrug auf. 

Ein Netz von Kriminellen soll mit erfundenen Briefen etliche Millionen Euro erbeutet haben. Die Betrüger rechneten offenbar bei der Deutschen Post hunderte Millionen Briefe ab, die es nie gegeben hatte, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). 

"Der Betrug ist kinderleicht"

Der Schaden belaufe sich nach Schätzungen in der Branche auf 50 bis 100 Millionen Euro. Das Geld zahlte die Deutsche Post an Zulieferfirmen für Ware, die es nicht gab.

Der Schwindel funktioniert demnach so: Private Post-Dienstleister erhalten von der Deutschen Post für jeden angelieferten Brief eine Prämie, die bis zu 44 Prozent des Portos beträgt: Je mehr Briefe abgegeben werden, desto mehr Prämie gibt es. Überprüft werde die Zahl nur in Stichproben. "Der Betrug ist kinderleicht", zitierte die Zeitung einen Unternehmer.

Am schlimmsten war der Betrug am Samstag

Daraus entwickelte sich offenbar ein großangelegtes kriminelles System, mutmaßlich mit Komplizen in der Deutschen Post, wie die "FAS" berichtete. Ein wichtiger Tatort sei das Briefzentrum in Frankfurt. Vor allem samstags, wenn die Kontrolle dort schlecht oder gar nicht besetzt sei, wurden demnach Briefe registriert, die nie eingegangen sind. Die "Samstagsmengen sind zum größten Teil nicht existente Sendungsmengen", zitierte die Zeitung aus den Akten der Ermittler.

In den Akten sei von massenhaft "fingierten" und "nicht existenten Briefen" die Rede. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittele. Das Landeskriminalamt sei eingeschaltet, die Bundesnetzagentur ebenso. 14 Verdächtige im Alter von 39 bis 58 Jahren würden als Beschuldigte geführt, bestätigte der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen der Zeitung. Drei Beschuldigte sitzen demnach in Untersuchungshaft.

Briefverkehr lag zeitweise lahm

Aufgeflogen sei der Schwindel im Frühjahr durch Zufall, im Zuge von Ermittlungen in einer Steuersache. Seither gab es dem Bericht zufolge mehrere Razzien, zeitweise lag der Briefverkehr vorübergehend lahm, weil die Deutsche Post wenigstens einmal genau in Briefzentren nachzählen wollte, wie viele Briefe tatsächlich ein- und ausgingen, und nicht nur auf dem Papier.

Die Deutsche Post bestätigte der Zeitung den groß angelegten Schwindel, wollte sich wegen des laufenden Verfahrens aber zu den Details nicht äußern. Ab 1. Januar 2018 sollen dem Bericht zufolge deutlich schärfere Regeln in den Briefzentren gelten.

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