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Solarenergie: China-Konkurrenz bedrängt deutsche Solarriesen

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Energie  

China-Konkurrenz bedrängt deutsche Solarriesen

12.06.2010, 13:44 Uhr | von Stefan Schultz / Spiegel Online, Spiegel Online

Solarenergie: China-Konkurrenz bedrängt deutsche Solarriesen. Deutschlands Solarbranche drohen düstere Zeiten (Foto: imago)

Deutschlands Solarbranche drohen düstere Zeiten (Foto: imago)

Für Deutschlands Solarriesen sind die fetten Jahre vorbei - zu diesem Ergebnis kommt die Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer Marktanalyse. Laut dem am Freitag veröffentlichten Expertenpapier hat sich der globale Wettbewerb in der Branche drastisch verschärft. Führende Player aus Asien und den USA könnten den deutschen Unternehmen bald ihre Branchenführerschaft streitig machen.

Börsenkurse als Indikator

Die Börsenkurse spiegeln das Dilemma der deutschen Firmen wider. Zwar notieren viele Solarwerte am Freitag aufgrund von kurzfristigen Branchenausblicken im Plus. Der Langfristwert dagegen ist unterdurchschnittlich. Der Studie zufolge ist die Aktien-Performance deutscher Solarkonzerne deutlich schlechter als der TecDax.

Investoren glauben nicht an Wettbewerbsfähigkeit

"Die institutionellen Investoren und Privatanleger glauben nicht mehr an die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Photovoltaik-Unternehmen", sagt Jens Milnikel, Partner bei Oliver Wyman. Zahlreiche Unternehmen kämpften im Vergleich zum Boomjahr 2008 mit massiven Umsatz- und Gewinneinbrüchen und mit Finanzierungsproblemen, heißt es in der Studie. Vor allem zwei Entwicklungen setzen die deutschen Solarhersteller unter Druck:

  • Auf dem deutschen Markt sinken die Margen: Das Wachstum der Neuaufträge stagniert, und asiatische Hersteller machen heimischen Unternehmen immer mehr Konkurrenz.
  • Auf den Wachstumsmärkten Amerika und Asien treten die deutschen Solarfirmen gegen immer mächtigere Gegner an.

Purzelnde Preise auf dem deutschen Markt

In Deutschland, dem mit Abstand stärksten Photovoltaik-Markt, sind schon jetzt Anlagen mit rund 10.000 Megawatt Leistung am Netz. Allein 2009 wurden Anlagen mit einer Leistung von gut 3800 Megawatt installiert; für die kommenden vier Jahre erwartet Oliver Wyman Neuaufträge in ähnlichem Umfang.

Zwei von drei Modulen kommen aus dem Ausland

Noch immer ist die Wachstumsrate auf dem deutschen Markt vergleichsweise hoch - doch die erfolgsverwöhnte deutsche Photovoltaik-Branche profitiert zusehends weniger davon. Zwei von drei in Deutschland installierten Modulen kamen 2008 aus dem Ausland - sie finden in der Bundesrepublik aufgrund ihrer niedrigeren Preise reißenden Absatz. "Deutsche Hersteller bieten ihre Solarmodule für 1,60 Euro pro Watt an. Chinesische kosten 1,30 bis 1,40 Euro", sagte Stuart Brannigan, Europa-Chef des chinesischen Herstellers Yingli Green Energy, im Dezember in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE.

Preisverfall um 20-30 Prozent

Die deutschen Hersteller müssen mitziehen - entsprechend sind die Preise für Solarmodule im vergangenen Jahr um 20 bis 30 Prozent gefallen. Der Preisdruck dürfte weiter anhalten. Immer neue asiatische Großkonzerne drängen in den Photovoltaikmarkt hinein. So beabsichtigt etwa Samsung, vier Milliarden Euro in die Photovoltaikproduktion zu investieren.

Harter Konkurrenzkampf im Ausland

Die deutschen Solarfirmen stehen dadurch vor zwei Herausforderungen: Sie müssen rasch die Kosten senken - und sich globaler ausrichten. Der Studie zufolge werden in den kommenden Jahren vor allem die Photovoltaik-Märkte außerhalb Europas rasch wachsen. Für die USA etwa erwartet die Unternehmensberatung bis 2014 ein Wachstum von 44 Prozent beim Zubau von Solaranlagen. 2009 seien in den USA Anlagen mit insgesamt 477 Megawatt am Netz gewesen, bis 2014 sollen es 3000 Megawatt sein.

Zu wenig Geld wegen Solar-Hype

Für Japan erwartet Oliver Wyman bis 2014 eine jährliche Zubaurate von 20 Prozent - von zuletzt 484 Megawatt auf 1,2 Gigawatt. Für China wird ein Anstieg um jährlich 30 Prozent von 160 auf 600 Megawatt im Jahr 2014 erwartet. Die deutschen Solarfirmen aber sind nach Milnikels Einschätzung sowohl bei der Kostensenkung als auch bei der Expansion ins Ausland in einer schlechten Ausgangsposition. Ihnen fehle das nötige Geld - und das liege ausgerechnet am Solar-Hype der vergangenen Jahre. In Boomzeiten haben die Unternehmen zahlreiche Mitarbeiter eingestellt und die Produktionskapazitäten ausgebaut. Die Kosten sind dadurch massiv gestiegen, wichtige Technologien dagegen wurden nur sehr langsam weiterentwickelt.

Probleme durch zu langsame Forschung

CDU-Energieexperte Joachim Pfeiffer hatte diesen Punkt im März im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE scharf kritisiert. "Der Bundesverband der Solarwirtschaft beziffert die Aufwendungen seiner Unternehmen für Forschung und Entwicklung mit gerade 1,7 Prozent des Umsatzes", monierte er. In Hightech-Unternehmen liege der Anteil bei bis zu zwölf Prozent, in der traditionellen Elektroindustrie bei fünf Prozent. Um gegen die Billigkonkurrenz zu bestehen, "sollte die deutschen Solarindustrie mehr Geld in Forschung investieren".

Geschwindigkeit, Kostensenkung und Internationalität

Die Versäumnisse in der Forschung rächen sich jetzt. "Photovoltaik wird immer mehr zu einem reifen Markt, in dem sich alles um Geschwindigkeit, Kostensenkung und Internationalität dreht", sagt Milnikel. "Darin sind speziell asiatische Wettbewerber sehr aggressiv. Im Gegensatz zu deutschen Unternehmen haben sie keine Altlasten aus der expansiven Phase."

Euro-Schwäche hilft

Angesichts der wachsenden Konkurrenz ist eine rasche Restrukturierung für die deutschen Firmen überlebenswichtig. Zwar hilft die Euro-Schwäche ihnen etwas. Durch den niedrigen Wechselkurs "wird das Preisdumping aus China abgeschwächt", schriebt die DZ Bank in einer Studie.

Hilfe von Kooperationspartnern

Mittelfristig wird das aber nichts nützen: Für die strategische Neuausrichtung gibt Milnikel den deutschen Firmen noch ein bis zwei Jahre. Und er ist skeptisch, dass die Unternehmen für die bevorstehenden Investitionen das nötige Kapital haben. Er glaubt, dass viele sich nur noch mit Hilfe von Kooperationspartnern fit für die Zukunft machen können.

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