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Wegen Windenergie: Im Norden und Osten drohen angeblich Stromausfälle

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Netzüberlastung  

Wegen Windenergie: Im Norden und Osten drohen angeblich Stromausfälle

28.02.2011, 14:31 Uhr | mash, bv, t-online.de

Wegen Windenergie: Im Norden und Osten drohen angeblich Stromausfälle. Der rasante Ausbau der Windenergie im Osten wird zum Problem (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Der rasante Ausbau der Windenergie im Osten wird zum Problem (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Hamburg und Ostdeutschland droht angeblich der große Blackout. Schuld soll die Windenergie sein. Wird der durch Windräder produzierte Strom nicht genauso schnell verbraucht wie er entsteht, ist die Stromversorgung für 18 Millionen Menschen in Hamburg und in Ostdeutschland in Gefahr. Das berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Energieexperten widersprechen allerdings - zumindest teilweise. Demnach handelt es sich hauptsächlich um ein Regelungsproblem zwischen herkömmlichen Kraftwerken und den Erneuerbaren Energien Sonnen- und Windstrom.

Stromnetz im Dauerstress

Die Gefahr eines Blackouts steige von Woche zu Woche, denn das ostdeutsche Stromnetz stecke im Dauerstress, schreibt die Zeitung. "Es gibt zwei Regionen, in denen es mit großer Wahrscheinlichkeit zu Engpässen kommt: um Berlin und Hamburg", sagte der RWE-Manager Fritz Vahrenholt zur "FAZ".

Windstrom kann - abgesehen von kleineren Mengen in Pumpspeicherkraftwerken - nicht gespeichert werden. Das heißt: Alles, was an Strom hereinkommt, muss in derselben Sekunde weitergegeben werden. Früher war das kein Problem: Die Nachfrage bestimmte das Angebot. Benötigten die Kunden weniger Strom und kam es deshalb zu einem Überangebot im Netz, verbrannten die Kraftwerke einfach weniger Kohle und Gas. Gab es zu wenig Strom, wurde die Produktion hochgefahren.

Heute bestimme der Wind das Angebot, so die "FAZ". Das bringt die Betreiber der Netze in Bedrängnis. Vor allem in Ostdeutschland ist das Angebot reichlich vorhanden: Bei voller Leistung liefern die ostdeutschen Windräder und Photovoltaik mehr Strom als die Kohle- und Gaskraftwerke, nirgends auf der Welt gebe es so viel Ökostrom.

Netzbetreiber ständig in Alarmbereitschaft

Brisant werde es, wenn der Wind plötzlich heftig wehe. Zwölf Gigawatt Ökostrom müssen dann laut der Zeitung weg, das entspricht der Leistung von zwölf kleineren Atomkraftwerken. Vier Gigawatt verbrauchen die Ostdeutschen, maximal fünf Gigawatt passen durch drei Verbindungsleitungen, die die Hochspannungsnetze von Ost und West miteinander verknüpfen. Die übrigen drei Gigawatt brächten das Netz allerdings in höchste Gefahr, hieß es.

Spätestens dann schlägt Netz-Betreiber 50 Hertz Transmission Alarm: 1500 Ökostromlieferanten müssen sofort ihre Produktion drosseln. Sonst droht dem Hochspannungs-Netz das Durchschmoren. Ebenso gefährlich für die Netze ist jedoch auch das Ausbleiben des Windstroms. Dann müssten sofort konventionelle Kraftwerke einspringen, sonst könne es zu gefährlichen Durchhängern kommen. Jeden zweiten Tag müsse der Betreiber Alarm schlagen, so die Zeitung.

Bundesregierung fördert weiterhin Ausbau

Trotz des offenbar bereits vorhandenen Überangebots und der damit verbundenen Gefahr für die Netzstabilität fördert die Bundesregierung weiterhin den Ökostrom-Ausbau. Ostdeutschland bekomme jährlich gut ein Gigawatt Ökostrom dazu, schreibt die "FAZ". Rettung könnten nur zusätzliche Leitungen bringen, die das ostdeutsche mit dem westdeutschen Netz verknüpfen. Doch sobald solche Vorhaben bekannt werden, protestieren Bürgerinitiativen vor Ort und lokale Politiker.

Auch für den Wiesbadener Energieexperten Prof. Lorenz Jarass ist das Vorgehen der Bundesregierung in diesem Zusammenhang widersprüchlich. Im Gespräch mit t-online.de sagte er, einerseits fördere die Bundesregierung den Ausbau Erneuerbarer Energien, andererseits behindere sie aber die Einspeisung. Seit Ende 2009 gibt es keinen Vorrang mehr beim Verbrauch für die Erneuerbaren, deshalb können Betreiber herkömmlicher Kraftwerke weiter so viel Strom einspeisen wie sie wollen, sofern das Netz noch nicht an seine Grenze stößt.

Leitungen können noch besser ausgelastet werden

Dem Netzbetreiber 50 Hertz warf Jarass vor, bisher noch keine Lastflußdaten vorgelegt zu haben. "50 Hertz soll endlich mal belegen, warum neue Leitungen erforderlich sind", sagte er. Er plädierte dafür, bestehende Leitungen besser auszulasten und zunehmend auf herkömmliche Kraftwerke zu verzichten. Für die Grundlast, also den Stromverbrauch in ruhigen Zeiten, seien deutlich weniger Kohle- oder Atomkraftwerke nötig als heute noch vorhanden.

Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur (Dena), sieht die Einschätzung bezüglich der Grundlast ähnlich. Er sagte aber zu t-online.de, konventionelle Kraftwerke seien zur Überbrückung noch lange Zeit nötig. Seine Sorge gilt darüberhinaus nicht in erster Linie Überschüssen beim Windstrom, sondern bei der Sonnenenergie. Vor allem kleinere Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern seien an das Niederspannungsnetz angeschlossen und darüberhinaus nicht regelbar. Das werde auch in Zukunft so bleiben und zu Problemen in den Netzen führen - wenn auch nur regional. Dann könne sich schon mal ein örtlicher Trafo abschalten, das deutsche Verbundnetz sei dagegen nicht in Gefahr.

Zubau von Speichermöglichkeiten und bessere Regelung

Der Ausbau der Netze ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Jarass plädierte dafür, die Netze nicht für jede mögliche Spitzenlast auszulegen, die nur selten auftrete. Deshalb sei es billiger, die Windkraftanlagen dafür kurz herunterzuregeln. Nach Angaben von Kohler war ein Regelungseingriff bisher an 180 Tagen im Jahr notwendig. Er sprach sich für mehr Speicherkapazitäten aus. In Deutschland würden zurzeit 2000 MW Speicherkapazität zugebaut, das größte Projekt liege mit 1400 MW am Schluchsee.

Starkstromleitungen können besser ausgelastet werden, wenn man ihre Temperatur kontinuierlich misst (Leitungsmonitoring). Damit habe 50 Hertz gerade erst begonnen, sagte Jarass. Außerdem könnten die bestehenden Stahlkabel an besonders belasteten Stellen durch Hochtemperaturleiterseile ersetzt werden. Dies und die bessere Regelung der Strom produzierenden Anlagen sei eine kostengünstigere Maßnahme als der Bau neuer Leitungen. Sowohl Jarass als auch Kohler widersprachen dem Eindruck, dass großflächige Blackouts drohten. Kohler erklärte, er sehe das Problem zwar nicht gelassen, die aktuelle Darstellung sei aber dramatisiert und politisch zugespitzt.

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