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Atomausstieg kostet die Industrie Milliarden

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Atomausstieg kostet die Industrie Milliarden

26.04.2011, 12:25 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online, t-online.de

Wie teuer wird der rasche Ausstieg aus der Atomenergie? Es kursieren viele Zahlen - jetzt haben erstmals die Energieversorger selbst nachgerechnet. Nach "Spiegel"-Informationen kommen auf Firmen der Chemie- und Metallbranche heftige Mehrkosten zu. Auf Verbraucher dagegen kaum.

Verbraucher kommen wohl ungeschoren davon

Der Umstieg von Atomkraft auf erneuerbare Energien kommt. Nur wann? Und was kostet er? Zum ersten Mal haben sich die großen Energieversorger dazu geäußert und eigene Berechnungen über die Kosten eines beschleunigten Atomausstiegs vorgelegt.

Nach "Spiegel"-Informationen erhöhen sich die Stromkosten demnach für die Verbraucher bis zum Jahr 2020 nur moderat um etwa ein bis eineinhalb Cent pro Kilowattstunde - selbst wenn die sieben vorübergehend abgeschalteten Meiler nicht mehr ans Netz gehen. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von circa 4000 Kilowattstunden im Jahr würden somit auf einen Vier-Personen-Haushalt zwischen 40 und 60 Euro Mehrkosten zukommen. Das entspricht maximal fünf Euro pro Monat.

Hohe Zusatzkosten für die Wirtschaft

Wesentlich stärker sind nach den Berechnungen der Energiebranche die Auswirkungen für die energieintensive Industrie. Sie hätte rund 1,5 Milliarden Euro Mehrkosten pro Jahr zu schultern.

  • Am stärksten betroffen sei dabei die Chemische Industrie, die den Hauptteil von rund 520 Millionen Euro tragen müsste.
  • Stahlunternehmen müssen den Berechnungen zufolge 210 Millionen Euro mehr für ihren Strom ausgeben.
  • Metallbetriebe, die wie Aluminiumhütten beispielsweise kein Eisen verarbeiten, müssen 300 Millionen Euro mehr zahlen.
  • In der Papierindustrie würde die Stromrechnung rund 260 Millionen Euro höher ausfallen.

Seehofer widerspricht Röttgen

Der beschleunigte Atomausstieg kostet also viel Geld. Nach Ansicht des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer bereitet er jedoch keine finanziellen Probleme. "Es wird dazu keine Steuererhöhungen geben", sagte Seehofer dem "Spiegel". Er widersprach damit Überlegungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, die Brennelementesteuer zu erhöhen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen schwört dagegen Unternehmen und Bürger auf höhere Kosten bei einer Abkehr von der Kernenergie ein. "Es gibt keinen goldenen Weg in die Energiezukunft, der nichts kostet und keinerlei Anstrengungen erfordert", schreibt der CDU-Politiker in einem Beitrag für den "Spiegel". "Jeder wird sich beteiligen müssen, die Industrie ebenso wie die Haushalte." Die Politik müsse dabei darauf achten, dass Energie nicht zum Luxusgut für wenige werde und die energieintensive Industrie in Deutschland wettbewerbsfähig bleibe.

Der Umstieg auf erneuerbare Energien kann nach Röttgens Ansicht schneller gehen als bisher geplant: "Ich bin überzeugt: Innerhalb einer Generation ist es gerade für ein Hochindustrieland wie Deutschland möglich, die Stromversorgung weitestgehend aus regenerativen Energien zu bestreiten - und dabei führendes Industrieland zu bleiben", resümiert er in seinem Beitrag.

Seehofer will raschen Ausstieg

Auch der bayerische Ministerpräsident Seehofer drängt auf einen raschen Ausstieg aus der Kernkraft - aus seiner Sicht bis zum Jahr 2020: "Ich glaube, dass es möglich ist, bis Ende dieses Jahrzehnts den wesentlichen Teil des Umstiegs geschafft zu haben", sagte Seehofer. "Bis dahin können wir im Wesentlichen raus aus der Kernenergie." Bundeskanzlerin Angela Merkel weigert sich bislang, ein konkretes Datum festzulegen.

Die Katastrophe im japanischen Fukushima habe Politiker wie ihn dazu gezwungen, seine Position zur Kernkraft zu überdenken, sagte Seehofer. Von nun an laute seine Devise: "Nicht berechnen, wie wahrscheinlich ist es, dass ein Großraumflugzeug exakt auf ein Kernkraftwerk fällt, sondern fragen, ob es möglich ist. Und wenn es möglich ist, dann müssen wir es dagegen absichern."

Röttgen schreibt in seinem Beitrag zum Jahrestag des Tschernobyl-Unfalls vor 25 Jahren, Kernenergie möge kurzfristig zwar als eine billige Energiequelle erscheinen, aber die ökologischen und wirtschaftlichen Kosten seien im Fall eines schweren Unfalls zu hoch. Es sei "bezeichnend, dass keine Versicherung der Welt bereit ist, diese Risiken abzudecken".

Warnung vor Folgekosten

Die gewaltigen Folgekosten trügen in erster Linie die Staaten und damit die Allgemeinheit der Steuerzahler - über nationale Grenzen hinweg. Erst jüngst habe die Bundesregierung auf einer Geberkonferenz in Kiew zugesagt, zu den schon geleisteten Zahlungen bis zu 42,4 Millionen Euro zusätzlich für die nächsten Jahre beizusteuern. "Auch die Folgekosten für den Reaktorunfall in Fukushima werden erheblich sein und die Volkswirtschaft Japans auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte belasten."

Kritikern der Atomwende hält Röttgen vor allem die humanitären Folgen entgegen. Tschernobyl habe "unermessliches Leid über die Menschen gebracht, das heute noch spürbar ist". Vor allem Kinder hätten furchtbar gelitten. "Kein wirtschaftliches Ziel ist es wert, das Wohl der Menschen fundamental zu gefährden - und das über Generationen hinweg", schreibt der Minister.

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