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Energiewende: Hier stehen die Kraftwerksruinen

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Großbaustelle Energiewende  

Hier stehen die Kraftwerksruinen

25.07.2013, 08:25 Uhr | Johannes Büchl, t-online.de, mit rtr

Energiewende: Hier stehen die Kraftwerksruinen. Das modernste Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk weltweit: Irsching 4 bei Ingolstadt. Leider lässt es sich derzeit nicht wirtschaftlich betreiben (Quelle: dpa)

Das modernste Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk weltweit: Irsching 4 bei Ingolstadt. Leider lässt es sich derzeit nicht wirtschaftlich betreiben (Quelle: dpa)

Große Kraftwerke kosten fast immer Milliarden. Zu erwarten wäre, dass die Bauherren also nur investieren, wenn sie irgendwann auch Gewinne erzielen können. Stattdessen häufen sich Meldungen über Abschreibungen, Stilllegungen direkt nach Fertigstellung, unrentable Riesenklötze trotz modernster Technik. Jüngste Beispiele liefern der Versorger RWE mit seinem Sparkurs und Vattenfall mit europaweiten Abschreibungen. Oft hat die Misere damit zu tun, dass sich die Pläne der Großbaustelle Energiewende mal wieder ändern – aber nicht immer. Wir zeigen einige besonders prominente Kraftwerksruinen.

Gaskraftwerke ohne Gewinnchance

Gaskraftwerke müssten eigentlich der Star sein auf dem Weg von schmutziger und fossiler Energie hin zur Vollversorgung aus erneuerbaren Quellen. Sie lassen sich schnell hoch- und runterfahren - perfekt als Ausgleich für schwankende Stromlieferungen aus Wind und Sonne. Sie nutzen Energie hocheffizient aus und sind damit viel sauberer als Kohlekraftwerke.

Das dachten sich auch die Versorger und stellten Schmuckstücke der Kraftwerkstechnik in die Landschaft. In Hürth (Rhein-Erfft-Kreis) gibt es eine 350 Millionen Euro teure Anlage, sie zählt zu den modernsten weltweit. Das Kraftwerk Irsching 4 bei Ingolstadt hält seit zwei Jahren sogar einen Weltrekord: Dank cleverer Kombination von Gas- und Dampfturbine ist der Wirkungsgrad unerreicht, er liegt bei 60,75 Prozent. Bisher lag der Spitzenwert dieser Kombi-Kraftwerke bei 58,4 Prozent, reiner Gasbetrieb erreicht nur um die 40 Prozent.

Trotzdem legt Statkraft, Besitzer der Anlage in Hürth, diese vorerst auf Eis. E.ON, der Betreiber in Irsching, schaltet nur deshalb nicht ab, weil der Stand-by-Betrieb von den Stromkunden entschädigt wird. Der Verbrauch von Kraftwerkskohle ist dagegen 2012 gestiegen. Woher dieser Irrsinn?

CO2-Ausstoß ist derzeit spottbillig

Ganz einfach: Es ist günstig wie lange nicht, CO2 in die Luft zu blasen. Wer das tut, muss Emissionszertifikate kaufen. Deren Preis fiel von 28 Euro pro Tonne CO2 im Jahr 2008 auf gerade mal fünf Euro im Jahr 2013. Das zweite Problem ist die Einspeise-Reihenfolge beim Strom: Öko-Energie kommt zuerst - danach zählt nur die Rentabilität. Schmutzige Kohle gewinnt hier gegen das umweltfreundlichere Gas.

Ein drittes Problem belastet schließlich selbst konventionelle Energie, wenn auch weniger hart als Gasanlagen: Gerade im Sommer schicken Solaranlagen riesige Strommengen ins Netz, andererseits verbrauchen die Haushalte viel weniger als im Winter. In der Folge wollen die großen Versorger wie RWE und E.ON unrentable Kraftwerke abschalten, darunter auch Kohlekraftwerke. EnBW plant, am Standort Walheim zwei Steinkohleblöcke außer Betrieb zu nehmen.

Paradox: Sinkender Börsenstrompreis erhöht Verbraucherkosten

Der Verbraucher profitiert übrigens nicht vom Preisverfall - im Gegenteil. Paradoxerweise steigen die Preise, weil sich der Abstand zwischen Börsenpreis und garantierter Vergütung für Öko-Strom immer mehr vergrößert.

Ein anderes Kohlekraftwerk wackelt dagegen wegen geradezu peinlicher Planungsfehler: In Datteln hat E.ON bereits mehr als eine Milliarde in einen Steinkohlemeiler gesteckt. Am Standort direkt neben dem Dortmund-Ems-Kanal hätte der aber gar nicht gebaut werden dürfen. Jüngst beantragte die Verbandsversammlung des Ruhrgebiets nun ein "Zielabweichungsverfahren", um das Projekt nachträglich zu legalisieren. Gegner, vor allem Umweltschützer, empören sich über die "Lex E.ON" und wollen erneut klagen. Vor dem Oberverwaltungsgericht Münster bekamen sie bereits einmal Recht.

Millionen abschreiben mit grüner Energie - das geht auch

Dass sich mit grüner Energie genauso Millionen verbrennen lassen, zeigt ein Beispiel aus Spanien: Das Parabolrinnenkraftwerk Andasol 3 kann Sonnenstrahlen viel besser in Energie umwandeln als herkömmliche Photovoltaik-Anlagen. Allerdings sind die Bauteile der Nischentechnologie ungleich teurer, Investoren verlangen daher Anschub-Subventionen.

Die hat Spaniens Regierung erst zugesagt, angesichts der Krise aber ebenso plötzlich wie drastisch gekürzt. Konsequenz: Die Stadtwerke München als größter Anteilseigner schreiben 64 Millionen Euro ab, der Versorger Rheinenergie 17 Millionen. RWE und der Anlagenbauer Ferrostaal nennen keine Summen, müssen aber wohl auch Millionen abhaken.

Ungewisse Zukunft beim 400-Milliarden-Projekt

Stillstand, zumindest Verzögerung, droht auch beim Solarprojekt Desertec. Sonne sammeln in der afrikanischen Wüste, das klang bezaubernd. Offenbar können sich die vielen Köche des Riesenprojekts (geplant sind 400 Milliarden Euro Investitionen bis 2050) aber nicht einigen, wer letztlich ihren Strom kaufen soll. Ein Pilotkraftwerk ist mittlerweile im Bau. Wann Strom von dort nach Europa fließt, ist aber derzeit ungewiss.

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