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Blockaden geplant: Nachbarländer wollen gegen deutschen Strom vorgehen

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Blockaden gegen deutschen Strom  

Wie Deutschlands Energiewende die Nachbarn verärgert

03.08.2015, 19:04 Uhr | t-online.de

Blockaden geplant: Nachbarländer wollen gegen deutschen Strom vorgehen. Deutschland erzeugt manchmal zu viel Strom durch Solar und Wind - die Nachbarländer leiden unter den Schwankungen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Deutschland erzeugt manchmal zu viel Strom durch Solar und Wind - die Nachbarländer leiden unter den Schwankungen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Deutschlands Energiewende stößt in den Nachbarländern immer stärker auf Unmut. Bei sonnigem oder windigem Wetter wird hierzulande so viel Strom produziert, dass er nicht im Inland bleiben kann. Die Überschüsse müssen die Nachbarn in ihren Netzen auffangen. Tschechien, Polen, die Niederlande, Belgien und Frankreich leiden darunter - und wehren sich nun mit Strom-Blockaden.

Deutschland hat zu wenig Leitungskapazitäten, den erzeugten Strom zu den Verbrauchern zu transportieren. Vor allem fehlt der Netzausbau für Strom aus dem Norden in den Süden. Immer häufiger kommt es mit dem Ausstieg aus der Atomkraft wetterbedingt zu unerwarteten Stromüberschüssen, die in Deutschlands Nachbarländer abgeleitet werden müssen. Dort kommt es wiederum zu gefährlichen Staus, die sogar zu Blackouts - weitreichenden Stromausfällen - führen können. Es gilt, plötzliche hohe Schwankungen in der Stromproduktion (oder beim Verbrauch) zu vermeiden.

EU-Diplomat: "Oder wir sperren euch aus"

Die Länder nehmen das Problem nun selbst in die Hand, schreibt die belgische Seite "Politico.eu". Aus Sorge um die Stabilität der eigenen Stromnetze und um Strom exportieren zu können, installiert beispielsweise Tschechien derzeit Blockadevorrichtungen, die 2016 in Gebrauch genommen werden sollen.

Auch Polen arbeitet an sogenannten Phasenschiebern, die noch in diesem Jahr nutzbar sein könnten. Im Westen haben die Niederlande, Belgien und Frankreich unabhängig voneinander ebenfalls solche Leistungstransformatoren installiert. "Wir haben den Deutschen gesagt, entweder ihr baut euer Stromnetz aus, oder wir sperren euch aus", sagte ein EU-Diplomat vor Journalisten in Brüssel.

Deutschland soll mehr Leitungen bauen

Der Druck auf Deutschland steigt. "Wenn wir mehr erneuerbare Energie nutzen wollen, müssen wir das Netz ausbauen", sagt auch Walter Boltz, Vizepräsident der Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER), im Gespräch mit "Politico".

Die einfachste Lösung für Deutschland sei es, die Leitungen einfach zu bauen. Das nimmt jedoch viel Zeit in Anspruch. Alternativ könnten Betreiber die Windenergie-Produktion an sehr windreichen Tagen herunterfahren. Dem steht aber die Politik im Weg. "Es ist ein unangenehmes Problem, das durch eine irrationale Politik verursacht wird, die es Deutschland verbietet, Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie herunterzufahren", sagt Boltz.

Kritik an Polen

Boltz kritisiert aber auch Deutschlands Nachbarn. Polen könnte zum Beispiel die aus Deutschland kommende Energie verbrauchen, statt sie nur durchzuleiten oder zu blockieren. Dagegen wehre sich das Land jedoch, um seine eigene Industrie zu schützen, sagt Boltz.

Deutschland wiederum bleibt nicht untätig. Beispielsweise hat die Bundesrepublik 2014 ein Abkommen mit Tschechien getroffen, um Ländergrenzen überschreitende Energieströme zu regulieren, das tschechische System vor Überladung zu schützen und die Blackout-Gefahr zu begrenzen. Ein ähnliches Abkommen wurde zwischen Polen und Deutschland vereinbart.

Außerdem hat Deutschland im Juni einen Pakt mit elf Nachbarn geschlossen, darunter auch Frankreich, Polen und Tschechien. Dadurch soll die Integration der jeweiligen Energiemärkte vorangebracht und Überproduktion vorgebeugt werden, sodass am Ende der Markt über die Preise entscheidet.

EU dringt auf mehr Integration

Die EU-Kommission dringt auf eine Verknüpfung der europäischen Energiemärkte. Sie betont in einem Bericht, "die gegenseitige Verbindung von Elektrizitätsmärkten muss eine politische Priorität sein". Mitte Juli hat die Kommission einen vorläufigen Plan darüber veröffentlicht, wie ein grenzenloser Energiemarkt aussehen könnte, der mit einem Anstieg erneuerbarer Energiequellen umgehen kann. Ein Gesetzesentwurf hierzu wird für 2016 erwartet.

Wie könnte er aussehen? Viel werde in erneuerbare Energien investiert, während die Netze vernachlässigt wurden, kritisiert EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete bei "Politico". Deswegen sei Brüssel daran interessiert, grenzüberschreitende Verbindungen besser auszubauen.

Die Kommission unternimmt finanzielle und politische Anstrengungen, um zumindest zehn Prozent der in der EU installierten Stromerzeugungskapazitäten bis 2020 miteinander zu verbinden. Dafür muss aber noch einiges geschehen: Ursprünglich hatten sich die Mitgliedsstaaten schon für 2002 auf dieses Ziel geeinigt.

Der Grünen-Politiker Franz Untersteller glaubt, dass es im Süden Deutschlands innerhalb der nächsten zehn Jahre zu Stromengpässen kommen wird, da der Netzausbau nicht rechtzeitig fertig wird: "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass bis 2022 die geplanten Stromautobahnen schon komplett fertig sind, dass also dann schon ausreichend Windstrom aus Norddeutschland in den Süden gelangt", zitierte ihn die "Zeit".

Energiesystem wird unberechenbarer

Derzeit wird deutlich, welch unerwartete Konsequenzen der Boom erneuerbarer Energien bei anfälliger Infrastruktur und inkonsistenter Zusammenarbeit innerhalb der EU haben kann. Joanna Mackowiak Pandera von der deutschen Online-Plattform "Agora Energiewende" sagte bei "Politico": "Als es nur Kohle- und Kernkraftwerke gab, war das Energiesystem sehr berechenbar. Nun wird es immer weniger berechenbar, da mehr und mehr alternative Energiequellen ans Netz gehen. Dies kann zu einer Herausforderung in der Binnenmarktdebatte werden."

Den "Politico"-Originaltext in englischer Sprache lesen Sie hier.

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