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Wirtschaft: Übernahmepläne von Fortum für Uniper nehmen Fahrt auf

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Wirtschaft  

Übernahmepläne von Fortum für Uniper nehmen Fahrt auf

07.11.2017, 11:37 Uhr | dpa-AFX

(neu: mehr Details und Hintergrund, Aktienkurs)

DÜSSELDORF/HELSINKI (dpa-AFX) - Der finnische Energiekonzern Fortum treibt seine Übernahmepläne für den Kraftwerksbetreiber Uniper voran. Das Unternehmen legte am Dienstag das offizielle Angebot vor. Wie bereits bekannt will der Konzern insgesamt 22 Euro je Aktie zahlen, wie es in einer Mitteilung von Fortum hieß. Dabei bekräftigten die Finnen, das Angebot nicht erhöhen zu wollen. Uniper-Aktionäre können ab sofort ihre Aktien bis zum 16. Januar 2018 andienen. Die Aktie verliert am Vormittag 0,4 Prozent auf 23,80 Euro, was immer noch deutlich über der Offerte Fortums liegt.

Eine Mindestannahmeschwelle gibt es nicht. Fortum wolle sich vor allem auf die Anteile des Energiekonzerns Eon konzentrieren, der noch knapp 47 Prozent an Uniper hält. Fortum hatte sich bereits vor einigen Monaten mit Eon über eine Übernahme der Anteile im kommenden Jahr geeinigt. Sollte es dazu kommen, würde Eon ein Gesamterlös von 3,8 Milliarden Euro zufließen. Die Transaktion gilt jedoch als so gut wie sicher: Platzt die Übernahme, kommen auf Eon hohe Strafzahlungen von 750 Millionen Euro zu, die sich unter bestimmten Bedingungen auf bis zu 1,5 Milliarden Euro erhöhen könnten, wie Fortum-Vorstandsvorsitzender Pekka Lundmark in einer Telefonkonferenz erläuterte.

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Uniper-Chef Klaus Schäfer kündigte an, das Angebot prüfen zu wollen. Innerhalb von 14 Tagen muss das Management eine begründete Stellungnahme veröffentlichen, in dem es den Aktionären eine Annahme des Angebots zu- oder abrät. Bis dahin rate er den Aktionären, nicht auf das Angebot einzugehen, so Schäfer. Bislang hatte sich das Uniper-Management seit Bekanntwerden der Pläne stetig dagegen ausgesprochen. Es sieht die Übernahme als feindlich an, fürchtet eine Zerschlagung des Unternehmens sowie den Verlust tausender Arbeitsplätze.

Zuletzt wurden Anfang November sogar Anzeigen in finnischen Tageszeitungen geschaltet, die das Angebot madig zu machen versuchten. Unter anderem würde sich Fortum zu stark verschulden, die konventionellen Kohle- und Gaskraftwerke von Uniper würden nicht zum strategischen Ansatz der vermehrt auf "saubere" Energie setzenden Fortum passen, was einen Wertverlust für alle Beteiligten bedeute.

Fortum zeigte sich darüber irritiert. Man sei ein wenig "verwirrt" ob der Aktionen gewesen, es gelte nun, "Missverständnisse" auszuräumen, erklärte Lundmark. Der Fortum-Chef bekräftigte am Dienstag, dass Fortum keine Teile von Uniper verkaufen wolle. Man sei bereit, auch die Kohle-Aktivitäten in Deutschland zu übernehmen. Zuletzt hatte es Spekulationen gegeben, Fortum habe kein Interesse an den deutschen Kohlekraftwerken und könne diese womöglich an den Konkurrenten RWE weiterreichen. Zudem sei Fortum bereit, erhebliche Zusagen zu machen und forderte das Uniper-Management zu Verhandlungen auf.

Fortum wolle ein langfristiger strategischer und konstruktiver Partner sein, so Lundmark. Es gebe keine Intention von Fortum, das Management unter Schäfer auszutauschen. Wechsel seien eine Sache des Uniper-Aufsichtsrates, in dem Fortum nach der Übernahme allerdings adäquat vertreten sein will.

Uniper-Finanzvorstand Christian Delbrück erklärte in einer Telefonkonferenz, man werde sich Gesprächen nicht verschließen. Allerdings zeigte er sich immer noch verschnupft. Er hätte sich gewünscht, dass Fortum zuerst mit Uniper darüber gesprochen hätte, anstatt das Unternehmen im Unklaren zu lassen. Die Strafzahlung Eons bei Platzen der Übernahme nannte er "ungewöhnlich hoch". Er vermutet, dass diese weitere Angebote verhindern solle - was für die Investoren nachteilig wäre. Uniper werde geeignete Maßnahme dazu prüfen - ob auch ein juristischer Weg dazu gehöre, wollte er nicht ausdrücklich bestätigen.

Delbrück kündigte ein Strategie-Update für Investoren am 7. Dezember an - was mitten in der Übernahmefrist liegt. Damit soll Investoren auch die Werthaftigkeit ihres Engagements gezeigt werden, wenn sie bei Uniper investiert blieben, so Delbrück.

Völlig in den Hintergrund rückten angesichts der Übernahme die Zahlen. Das dritte Quartal war saisonal geprägt: In den Sommermonaten wird generell weniger Strom verbraucht, zudem geht der Anteil an Kohle im Strommix zurück. Das Nettoergebnis betrug in den ersten neun Monaten 683 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war wegen hoher Abschreibungen ein Verlust von 4,2 Milliarden Euro angefallen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sank hingegen von 1,3 Milliarden auf 952 Millionen Euro. Hier hatte Uniper im Vorjahr unter anderem von einem positiven Effekt aus verbesserten Lieferkonditionen mit der russischen Gazprom profitiert.

Den Ausblick auf das Gesamtjahr bekräftigte Uniper. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro betragen, die Dividende um 25 Prozent erhöht werden. Für die weitere Entwicklung zeigte sich Delbrück "vorsichtig optimistisch": In West- und Nordeuropa zeichne sich auf den Strommärkten eine deutliche Verknappung in den kommenden Jahren ab. Als wesentliche Treiber nannte er die Stilllegung von älteren Kraftwerken und der Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass dies über die Zeit, doch besonders ersichtlich für die Jahre nach 2019, zu einer Erholung der Strompreise und zu einer Neubewertung von Versorgungssicherheit führen wird", sagte er. Auf diesem Feld hat sich Uniper insbesondere positioniert.

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