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Nachhaltige Geldanlage: Rendite für das gute Gewissen

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Rendite für das gute Gewissen  

So können Anleger Ihr Geld nachhaltig investieren

28.09.2017, 18:29 Uhr | Leonard Kehnscherper/ron, dpa

Nachhaltige Geldanlage: Rendite für das gute Gewissen. Anleger können Umweltprojekte mit ihren Investments fördern. Allerdings sollten sie bei bestimmten nachhaltigen Finanzprodukten vorsichtig sein. (Quelle: dpa/tmn/Oliver Berg)

Anleger können Umweltprojekte mit ihren Investments fördern. Allerdings sollten sie bei bestimmten nachhaltigen Finanzprodukten vorsichtig sein. (Quelle: Oliver Berg/dpa/tmn)

Immer mehr Anleger achten darauf, dass ihr Vermögen nicht nur gewinnbringend investiert ist – sondern auch nachhaltig und ressourcenschonend. Doch was verbirgt sich hinter nachhaltigen Anlagemöglichkeiten? Und worauf sollten Interessierte achten?

Wer mit seinem Geld nicht jede Industrie unterstützen will, kann in sogenannte nachhaltige Anlagen investieren. Damit können Anleger bedenkliche Geschäftspraktiken wie Kinderarbeit, Rüstungsdeals oder Massentierhaltung in ihrem Depot vermeiden, erklärt Annabel Oelmann, Vorstand der Verbraucherzentrale Bremen. Und woran erkennt man eine nachhaltige Anlage? 

Daran erkennen Sie nachhaltige Geldanlagen

Grundsätzlich sind drei Vorgehensweisen geläufig: Negativkriterien, Positivkriterien oder der Best-in-Class-Ansatz. "Bei Negativkriterien sind bestimmte Geschäftsfelder ausgeschlossen, zum Beispiel Atomenergie oder Waffenherstellung", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Bei Positivkriterien werden gezielt Investitionen in Geschäftsfelder und Unternehmen gelenkt, die ökologische, soziale und ethische Standards einhalten. "Nach dem Best-in-Class-Ansatz wird grundsätzlich in alle Branchen investiert, allerdings nur in Unternehmen, die innerhalb ihrer Branchen nach bestimmten Kriterien als besonders nachhaltig gelten", so Nauhauser.

Für Claudia Tober, Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), sollten nachhaltige Geldanlagen sogenannte ESG-Kriterien erfüllen. Übersetzt steht ESG für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Hierfür gibt es verschiedene Anlagestrategien: So schließen manche Fonds Investments in bestimmte Branchen aus.

FNG-Gütesiegel garantiert Qualitätsstandards

"Dennoch ist Nachhaltigkeit kein relativierbarer Begriff", stellt Tober klar. Deshalb habe ihr Verband mit dem FNG-Siegel vor gut zwei Jahren einen Qualitätsstandard für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum eingeführt. Um das Siegel zu erhalten, müssen Fonds Waffen und Kernkraft aus ihren Depots ausschließen.

Ebenso müssen sie die vier Bereiche des sogenannten Globalen Pakts zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen berücksichtigen. Dazu gehören Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie die Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Derzeit haben 39 Fonds das FNG-Siegel.

Performance: keine Nachteile, eher leichte Vorteile

"Nachhaltige Investitionsmöglichkeiten finden sich mittlerweile bei nahezu allen Finanzprodukten und Anlageklassen", sagt Tober. Anleger können in Fonds oder Anleihen, Lebensversicherungen, fondsgebundene Versicherungen oder Rentenversicherungen investieren. Doch ist die finanzielle Rendite dafür niedriger als bei herkömmlichen Anlagen?

Dies sei leider ein weit verbreitetes Vorurteil, so Tober. Zahlreiche Studien belegten, dass nachhaltige Investments keine Nachteile für die Performance bedeuten. "Aufgrund des guten Risikofilters von Nachhaltigkeit zeigen einige Studien sogar, dass nachhaltiges Investment leichte Vorteile bietet", erklärt Tober.

Direktbeteiligungen und Nachrangdarlehen meiden

Vorsichtig sollten Anleger bei Angeboten aus dem grauen Kapitalmarkt sein, warnt Oelmann. Dazu gehören Direktbeteiligungen und Nachrangdarlehen. "Das sind riskante Anlageformen, die für den Privatanleger in der Regel nicht geeignet sind", sagt Oelmann.

Nur weil ein Investment gut für den Klimaschutz ist, bedeute das nicht, dass der Anleger einen sicheren Ertrag erzielt. Bei diesen kaum regulierten Produkten könnten Anleger sogar ihr Geld verlieren. Zudem könnten bei Aktien kleinerer Unternehmen Liquiditätsengpässe an den Börsen entstehen, ergänzt Andreas Görler, Vermögensmanager bei der Pruschke & Kalm GmbH.

Fondshäuser mit Erfahrung sind vorteilhaft

Das werde regelmäßig problematisch, wenn Anleger ihr Investment wieder verkaufen wollen. "Bei Ökologiefonds, die zusätzlich einen Nachhaltigkeitsausschuss als Überwachungsgremium vorhalten oder externe Firmen beauftragen, entstehen ebenfalls zusätzliche Kosten", sagt Görler. Langfristige Vergleiche seien jedoch nur selten möglich.

Denn viele Anlageprodukte wurden erst in den letzten Jahren aufgelegt. Grundsätzlich sollten Anleger Produkte vorziehen, die schon etwas länger am Markt sind, oder Fondshäuser wählen, die sich auf das Thema spezialisiert haben, empfiehlt Görler. "Bei größeren Fondsgesellschaften sollten Anleger prüfen, ob der verantwortliche Manager zumindest schon länger in diesem Bereich unterwegs ist."

Nachhaltige Geldanlagen bergen Chancen und Risiken

Da das Heraussuchen guter Aktien in diesem Segment noch schwieriger sei als gewöhnlich, rät Görler zudem zu einem aktiven Managementansatz, das heißt, der Fondsmanager nimmt bewusst Abweichungen vom Vergleichsmaßstab in Kauf, um die Performance zu verbessern. "Dann muss der Privatanleger nicht auch noch das Timing für die Investition berücksichtigen." Die meisten Portfolios bestünden allerdings aus Aktien.

Grundsätzlich gilt: Als nachhaltige beworbene Geldanlagen bergen ähnliche Chancen und Risiken wie konventionelle Anlagen. Eine höhere Risikobereitschaft ist grundsätzlich mit einem höheren Verlustrisiko, aber auch höheren Rendite-Chancen verbunden. Abgesehen von Aspekten der Nachhaltigkeit ist vor jeder Anlageentscheidung zu prüfen, ob die Anlageform den persönlichen Bedürfnissen an Sicherheit, Rentabilität und Liquidität entspricht.

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