Arbeitslosengeld II

Auch steigender Hartz-IV-Satz ab 2018 deckt Stromkosten nicht

21.09.2017, 13:04 Uhr | ron, t-online.de

Trotz Stromsparen: Der neue Hartz-IV-Satz deckt die Stromkosten weiterhin nicht.

Hartz-IV-Empfänger müssen deutlich mehr für Strom bezahlen als staatlich eingeplant. Zwar steigt am 1. Januar 2018 der Hartz-IV-Satz um rund 1,7 Prozent, doch reicht das nicht, um die durchschnittlichen Stromkosten zu decken, rechnet das Vergleichsportal Verivox vor.

Der Hartz-IV-Regelsatz für Alleinstehende steigt im kommenden Jahr um sieben Euro auf 416 Euro pro Monat. 35,09 Euro davon sind rein rechnerisch für die Stromrechnung vorgesehen. Tatsächlich belaufen sich die Stromkosten eines Singlehaushalts mit einem Verbrauch von 1500 Kilowattstunden im bundesweiten Durchschnitt auf monatlich 40,50 Euro – das sind 15 Prozent mehr als im Regelsatz festgelegt.

Grundversorgung: tatsächliche Stromkosten sind um 26 Prozent höher

Laut Bundesnetzagentur befinden sich noch immer ein Drittel aller Verbraucher im meist teuren Grundversorgungsvertrag. Hier übersteigen die tatsächlichen Stromkosten von 44,33 Euro monatlich den Regelsatz sogar um 26 Prozent. Seit der Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 wurde der Regelsatz schrittweise um rund 21 Prozent angehoben. Die Strompreise haben sich im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 51 Prozent verteuert, in der Grundversorgung sogar um 65 Prozent.

Info: Die Grundversorgung beim Strom ist der Tarif, in den jeder Stromkunde automatisch eingestuft wird. Der Grundversorgungstarif ist meist teurer.

Eine "besonders große Versorgungslücke klafft in Ostdeutschland", sagt Verivox. In den neuen Bundesländern zahlen allein lebende Hartz-IV-Empfänger in der Grundversorgung jeden Monat fast 40 Prozent mehr für Strom als im Hartz-IV-Satz vorgesehen:

  1. Brandenburg: 48,66 Euro (+ 39 Prozent)
  2. Mecklenburg-Vorpommern: 47,25 Euro (+ 35 Prozent)
  3. Thüringen: 46,08 Euro (+ 31 Prozent).

Am wenigsten zahlen Hartz-IV-Empfänger in Bremen drauf. Der Fehlbetrag beträgt hier knapp 17 Prozent.

Stromanbieterwechsel für Hartz-IV-Empfänger schwierig

"Durchschnittlich 9,25 Euro im Monat müssen Hartz-IV-Empfänger, die noch nie ihren Anbieter gewechselt haben, an anderer Stelle einsparen, um ihre Stromkosten begleichen zu können. Da Strom im Osten gut vier Prozent teuer ist, steigt das Minus hier auf 11,08 Euro", sagt Mathias Köster-Niechziol von Verivox. Hartz-IV-Empfänger sind besonders betroffen, weil sie meist eine geringere Bonität haben und ihnen so der Wechsel zu einem günstigen Anbieter versperrt bleiben kann.

Info: Die Bonität einer Person meint, ob sie ihre zukünftigen Zahlungsverpflichtungen vollständig und fristgerecht erfüllen kann.

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