Große Preisunterschiede

So viel teurer ist Strom in Neumünster als in Aschaffenburg

08.10.2017, 15:21 Uhr | Ron Schlesinger, t-online.de

Riesenunterschiede beim Strompreis in Deutschland – vor allem zwischen Ost und West.

Deutschland einig Stromland? Von wegen. Es gibt große Unterschiede bei den Energiepreisen zwischen den einzelnen Bundesländern und Städten. Das geht aus dem Stromatlas 2017 des Vergleichsportals Verivox hervor. Wir sagen Ihnen, wo die Verbraucher am meisten für Strom ausgeben – oder am wenigsten zahlen.

Ärgern Sie sich auch immer über die Höhe Ihrer monatlichen Stromabschlagszahlung? Dann leben Sie womöglich eher in den neuen Bundesländern. Der Grund: Ostdeutsche Haushalte müssen im Durchschnitt deutlich mehr für Energie bezahlen als Verbraucher im Westen. Das liegt vor allem an den regional unterschiedlich hohen Netzgebühren.

Günstige Strompreise: Bremen top, Brandenburg flop

So gibt eine dreiköpfige Familie mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4000 kWh in Bremen (1070 Euro) am wenigsten aus. Verhältnismäßig günstige Preise gibt es auch in Niedersachsen (1110 Euro), Hessen (1113 Euro), Bayern (1114 Euro) und Nordrhein-Westfalen (1115 Euro).

Ein hohes Preisniveau findet sich dagegen in Brandenburg. Die jährliche Stromrechnung eines vergleichbaren Haushalts beläuft sich hier auf 1208 Euro – damit müssen Brandenburger knapp 13 Prozent mehr für ihren Strom bezahlen als die Einwohner Bremens. Auch in Mecklenburg-Vorpommern (1185 Euro), Hamburg (1169 Euro) und Berlin (1167 Euro) werden überdurchschnittlich hohe Strompreise fällig.

Preisentwicklung: Strom kostet im Osten 4,2 Prozent mehr 

Auf Jahressicht (Stand: 01.09.2017) sind die Strompreise in den alten Bundesländern gegenüber 2016 um 3,8 Prozent auf durchschnittlich 1124 Euro gestiegen. In den neuen Bundesländern verteuerte sich Strom um 5,5 Prozent auf durchschnittlich 1171 Euro. Damit kostet Strom hier 4,2 Prozent mehr als im Westen des Landes.

Top-Listen: Die zehn günstigsten und teuersten deutschen Städte

Obgleich sich die Strompreise in den neuen Bundesländern auf einem hohen Preisniveau befinden, tummeln sich in der Liste der teuersten und günstigsten Städte sowohl westdeutsche als auch ostdeutsche Orte. Die Daten beruhen auf dem Verivox-Verbraucherpreisindex Strom und berücksichtigen die Preise der Grundversorger und der 30 wichtigsten überregionalen Stromanbieter. Die Strompreise (auf Monatsbasis) beziehen sich auf den Jahresverbrauch einer 3- bis 4-köpfigen Familie mit einem Stromverbrauch von 4000  kWh/Jahr:

Top-10-Städte: Die zehn günstigsten Orte in Deutschland

  • Aschaffenburg (Bayern): 83,61 Euro/Monat
  • Bonn (Nordrhein-Westfalen): 83,89 Euro
  • Sindelfingen (Baden-Württemberg): 85,52 Euro
  • Reutlingen (Baden-Württemberg): 85,86 Euro 
  • Langenhagen (Niedersachsen): 86,05 Euro
  • Herford (Nordrhein-Westfalen): 86,17 Euro
  • Ahlen (Nordrhein-Westfalen): 86,29 Euro
  • Lippstadt (Nordrhein-Westfalen): 86,31 Euro
  • Lingen (Niedersachsen): 86,51 Euro
  • Freiburg (Baden-Württemberg): 86,70 Euro

Flop-10-Städte: Die zehn teuersten Orte in Deutschland

  • Neumünster (Schleswig-Holstein): 105,43 Euro/Monat
  • Görlitz (Sachsen): 101,95 Euro
  • Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt): 101,37 Euro
  • Fürth (Bayern): 100,95 Euro
  • Schweinfurt (Bayern): 100,82 Euro
  • Flensburg (Schleswig-Holstein): 100,19 Euro
  • Bamberg (Bayern): 99,78 Euro
  • Kempten (Bayern): 99,37 Euro
  • Essen (Nordrhein-Westfalen): 99,33 Euro
  • Gotha (Thüringen): 99,23 Euro

Trotz höherer Energiepreise: Ostdeutsche wechseln weniger

Durch den Wechsel aus der Grundversorgung kann ein Musterhaushalt pro Jahr bei Strom 388 Euro und bei Gas rund 583 Euro im bundesweiten Durchschnitt einsparen. Die Bereitschaft zum Wechsel ist aber regional unterschiedlich stark ausgeprägt. Um die Häufigkeit der Anbieterwechsel abzubilden, hat Verivox einen Index erstellt, bei dem der Bundesdurchschnitt 100 Punkten entspricht.

In keinem anderen Bundesland wurde in den vergangenen zwölf Monaten so häufig der Stromanbieter gewechselt wie in Rheinland-Pfalz (123). Auf den Plätzen folgen Niedersachsen (122) und Brandenburg (113). Wechselmuffel sind die Bremer (70) vor den Saarländern und den Sachsen-Anhaltern (jeweils 83). Im Ost-West-Vergleich wechselten Verbraucher in den neuen Ländern (94) seltener den Stromanbieter als in den alten Ländern (101).

Tipp: Verbraucher können das regionale Gefälle beim Strompreis nicht verringern. Allerdings können sie sparen, wenn sie vom Grundversorger zu einem anderen Anbieter wechseln.

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