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Schuldneratlas 2017: Mittelschicht rutscht immer öfter in die Miesen

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Schuldneratlas Deutschland  

Warum die Mittelschicht immer öfter in die Miesen rutscht

09.11.2017, 21:29 Uhr | Erich Reimann, David Ruch, dpa, t-online.de

Schuldneratlas 2017: Mittelschicht rutscht immer öfter in die Miesen. Tief in den Miesen: Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland ist erneut gestiegen. (Quelle: dpa/Jens Büttner/dpa-Zentralbild)

Tief in den Miesen: Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland ist erneut gestiegen. (Quelle: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Trotz der guten Konjunktur wächst die Zahl der überschuldeten Verbraucher in Deutschland. Und längst ist Überschuldung nicht mehr allein ein Problem der einkommensschwachen Schichten.

Die Konjunktur brummt, die Zahl der Arbeitslosen ist auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken – und dennoch können immer mehr Menschen in Deutschland ihre Schulden nicht mehr bezahlen. Nach dem am Donnerstag veröffentlichten "Schuldneratlas Deutschland" der Wirtschaftsauskunftei Creditreform stieg die Zahl der überschuldeten Personen in der Bundesrepublik in diesem Jahr um rund 65.000 auf über 6,9 Millionen. Als überschuldet gilt, wer dauerhaft mehr ausgibt, als er einnimmt, und seinen Zahlungsverpflichtungen schon länger nicht nachkommt.

Dabei ist Überschuldung längst nicht mehr allein ein Problem der Bundesbürger mit geringem Einkommen. Im Gegenteil: In diesem Jahr stammten laut Creditreform praktisch alle neuen Überschuldungsfälle aus der Mittelschicht.

Steigende Mieten als Schuldenfalle

In Berlin wird diese Entwicklung vor allem von den steigenden Mieten befeuert, meint der Schuldnerberater Carlo Wahrmann von der Caritas Berlin-Mitte. "Die Mieten steigen wie irre, selbst Menschen aus der Mittelschicht können das oft nicht mehr bezahlen. Wenn die Kinder ausziehen, finden auch sie keine Wohnung mehr zu einem angemessenen Preis. Das belastet die Eltern zusätzlich."

Gerade für die Betroffenen aus der Mittelschicht ist es aber sehr schwer, mit den persönlichen und sozialen Auswirkungen der Überschuldung umzugehen, so das Ergebnis einer Studie der Universität Duisburg-Essen. Denn Überschuldung gelte in der Mittelschicht als Stigma.

"Unter Überschuldung leidet die ganze Familie", erklärt Susanne Fairlie von der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Berlin. "Es fehlt das Geld, beispielsweise um den Kindern die Kleidung zu kaufen, die ihre Freunde tragen." Die Väter stünden dabei oft unter besonderem Druck, betont Wahrmann, weil sie häufig noch immer dem Bild des Ernährers der Familie gerecht werden wollten.

Krankheit als häufiger Grund für Überschuldung

Die Gründe für den Sturz in die Überschuldung haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Zwar ist laut Statistischem Bundesamt nach wie vor Arbeitslosigkeit der Hauptauslöser. "Doch inzwischen ist auch Krankheit ein ganz großes Thema. Wir haben es hier in der Beratungsstelle mit immer mehr psychischen Erkrankungen zu tun“, sagt Wahrmann.

Bei Jugendlichen seien Handyverträge oft der erste Schritt in die Überschuldung, erklärt der Caritas-Experte. "Ein Jugendlicher ist ohne Handy heute nichts. Sie schließen Verträge ab, die auf den ersten Blick billig sind, die sie aber schon nach wenigen Monaten oft nicht mehr bedienen können. Die Anbieter verlangen dann recht schnell die komplette Vertragssumme, Kosten für Anwälte und Inkassofirmen kommen hinzu. Da sind schnell mal 2000 bis 2500 Euro fällig."

 (Quelle: dpa/Creditreform) (Quelle: dpa/Creditreform)

Überdurchschnittlich stark zugenommen hat nach Angaben von Creditreform 2017 erneut die Altersüberschuldung. Vier von fünf neuen überschuldeten Personen seien in diesem Jahr älter als 50. Die Zahl überschuldeter Senioren im Alter ab 70 stieg sogar um rund 12 Prozent auf 194.000. "Der Hauptgrund dafür sind die geringen Altersbezüge. Die Menschen kommen mit ihrer Mini-Rente einfach nicht mehr hin", sagt Schuldnerberaterin Fairlie.

Wahrmann sieht Überschuldung als Problem in allen Alters- und Berufsgruppen. "Was sich jedoch im Vergleich zu früher verändert hat ist, dass nun immer mehr Kleinunternehmer und Selbständige betroffen sind: Menschen aus der Medienbranche, die oft als Freiberufler tätig sind und keine feste Anstellung bekommen; Kleingewerbetreibende und Galeristen, denen die Ladenmieten über den Kopf wachsen.“

Bremen ist wieder Schulden-Spitzenreiter

Das Gesamtvolumen der Schulden bezifferten die Experten von Creditreform auf rund 209 Milliarden Euro. Doch sind die regionalen Unterschiede nach wie vor groß. Die höchste Überschuldungsquote unter den Bundesländern verzeichnete mit knapp 14 Prozent auch 2017 Bremen, gefolgt von Sachsen-Anhalt und Berlin. Am geringsten war die Überschuldung erneut in Bayern (7,47 Prozent) und Baden-Baden-Württemberg (8,31 Prozent).

Die Stadt mit der höchsten Überschuldungsquote war auch in diesem Jahr Bremerhaven. Ein "Hotspot" der Überschuldung sei auch das Ruhrgebiet, berichteten die Experten. Am niedrigsten lag die Verschuldung im bayerischen Landkreis Eichstätt.

Keine Entspannung in Sicht

Für die nahe Zukunft rechnen die Experten von Creditreform nicht mit einer nachhaltigen Entspannung. Im Gegenteil: Es könne davon ausgegangen werden, "dass die Überschuldungszahlen, nicht nur in den nächsten Monaten, weiter ansteigen werden."

Schuldnerberater Wahrmann fordert deshalb mehr Präventionsprojekte in den Schulen. "Die Jugendlichen müssen über die Handyfallen aufgeklärt werden, darüber, was auf sie zukommt, wenn sie in die erste eigene Wohnung ziehen. Denn sonst gibt ihnen niemand diese Informationen.“

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