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Einsam und arm: Jeder dritte Alleinstehende von Armut bedroht

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Alarmierender Anstieg  

Jedem dritten Alleinstehenden droht Armut

13.02.2018, 10:23 Uhr | dpa-AFX

Einsam und arm: Jeder dritte Alleinstehende von Armut bedroht. Frau in Unterführung (Quelle: Getty Images/Heiko Küverling)

Frau in Unterführung: Geringverdiener und Alleinerziehende sind besonders häufig von Armut betroffen. (Quelle: Heiko Küverling/Getty Images)

Die Zahlen alarmieren Experten: Jeder dritte Alleinstehende in Deutschland ist von Armut bedroht.  Schuld daran ist auch die Politik.

Laut Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat waren im Jahr 2016 32,9 Prozent der Alleinstehenden in Deutschland von Armut bedroht. Zehn Jahre zuvor waren noch 21,5 Prozent aller Alleinstehenden armutsgefährdet.

In den vergangenen Wochen sind soziale und gesundheitliche Folgen von Einsamkeit verstärkt in den Fokus gerückt, nachdem in Großbritannien ein Regierungsposten gegen Einsamkeit eingerichtet wurde. Auf die aktuellen Eurostat-Zahlen machte die Linke im Bundestag aufmerksam.

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, sagt, die Betroffenen hätten es sich häufig nicht selbst ausgesucht, alleinstehend zu sein. "Das verpflichtet die Gemeinschaft, diesen Menschen strukturell zu helfen." Der Anteil der von Armut bedrohten Alleinstehenden nahm laut Eurostat bereits 2007 auf 27,3 Prozent zu und liegt seit 2011 bei über 30 Prozent.

Experten gehen davon aus, dass insbesondere Ältere mit kleinen Renten oder Grundsicherung betroffen sind, Jüngere auf dem Weg von einer Ausbildung ins Berufsleben und Niedrigverdiener.

Wer ist armutsgefährdet?

Als von Armut bedroht gilt, wer bei unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt, 2016 waren dies 1.063,75 Euro pro Monat. Alleinstehende mit einer Beschäftigung waren laut Eurostat zu 17 Prozent armutsgefährdet. Zehn Jahre zuvor waren es nur 10,1 Prozent.

Auch die Gesamtzahl der Alleinstehenden ist in den vergangenen Jahren in Deutschland mit leichten Schwankungen angestiegen und überschritt 2015 die Marke von 16 Millionen. 2016 waren es 16,43 Millionen alleinstehende Erwachsene ohne Kinder. In mehr als zwei von fünf Haushalten leben Alleinstehende (40,8 Prozent).

EU-weit sind nur 32,5 Prozent der privaten Haushalte Alleinstehenden-Haushalte. Auch der Anteil der Armutsgefährdung liegt bei ihnen EU-weit unter dem deutschen Wert, nämlich bei 25,6 Prozent.

Armut ist zunehmend deutsches Problem

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Eurostat-Zahlen ausgewertet hat, sagt: "Armut breitet sich zunehmend in Deutschland aus. Sie ist da und kann sich nicht verstecken." Im EU-Vergleich habe Deutschland einen ausgeprägten Niedriglohnsektor. "Eine neue Bundesregierung muss hier einen Schwerpunkt setzen", so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Sie fordert unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro, ein Verbot von Leiharbeit und von sachgrundlosen Befristungen.

Diakonie-Präsident Lilie macht darüber hinaus darauf aufmerksam, dass viele alleinerziehende Frauen Probleme hätten, mit ihrem Einkommen zurechtzukommen. Alleinerziehende, die zum Beispiel Unterhaltsansprüche nicht durchsetzen könnten und kein Netz von Verwandten hätten, gerieten rasch in eine Abwärtsspirale. "Viele müssen quasi rund um die Uhr arbeiten und sich um die Kinder kümmern", sagt Lilie. "Soziales Leben findet dann kaum noch statt." Eine soziale Notlage gehe so oft mit zunehmender Vereinsamung einher.

Lilie begrüßt, dass sich Union und SPD im Entwurf ihres Koalitionsvertrags zum Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Deutschland bekannt hätten. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung." So seien Kitas heute in vielen Städten mit angespannter Haushaltslage nicht beitragsfrei, während wohlhabende Kommunen beitragsfreie Kitas anböten. Die Politik sei gefordert, beitragsfreie Kitas zu schaffen und Ganztagsbetreuung auch für Schüler auszubauen.

Verwendete Quellen:
  • dpa-AFX

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