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EZB senkt Leitzins auf null: Im Teufelskreis der Minizinsen

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Analyse zur EZB-Entscheidung  

Im Teufelskreis der Minizinsen

11.03.2016, 14:58 Uhr | mmr, t-online.de

EZB senkt Leitzins auf null: Im Teufelskreis der Minizinsen. Die Installation "Gravity and Growth (2015)" des italienischen Künstlers Giuseppe Penone vor der EZB in Frankfurt. Die Notenbank hat einen neuen Tiefenrekord beim Leitzins beschlossen. (Quelle: dpa)

Die Installation "Gravity and Growth (2015)" des italienischen Künstlers Giuseppe Penone vor der EZB in Frankfurt. Die Notenbank hat einen neuen Tiefenrekord beim Leitzins beschlossen. (Quelle: dpa)

Der Mann überrascht Experten und Sparer erneut: Mario Draghi senkt den Leitzins weiter ab - von 0,05 Prozent auf nun null. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) will dadurch die Banken bewegen, sich Geld für ihr Kreditgeschäft zu leihen. Das versucht die EZB aber schon seit 2014 - ohne Erfolg. Stattdessen steigt die Angst vor einer neuen Finanzkrise, die von notleidenden Banken losgetreten werden könnte.

Von einem nachhaltigen Konjunkturaufschwung jedenfalls sind wir weit entfernt. Und so tritt die Zentralbank als Stabilisator auf, indem sie die Märkte weiterhin mit Geld flutet.

Eigentlich hat die EZB die Aufgabe, die Inflationsrate in der Eurozone in Zaum zu halten. Das Ziel: etwas weniger als 2,0 Prozent. Derzeit liegt der Wert in der Eurozone aber eher bei 0,0 bis minus 0,2 Prozent. Das ist zwar schön für uns Konsumenten, aber keine Preissteigerungsrate.

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Viele Firmen halten sich mit Investitionen zurück, weil die Preise ja noch weiter sinken könnten. Das kann dann im schlimmsten Fall in eine Deflation münden, also auf breiter Front sinkende Preise - das teuflische Ende jedes Konjunkturaufschwungs.

Banken bunkern

Die Ausgaben der Unternehmen müssten steigen - das würde die Wirtschaft ankurbeln. Natürlich auf Kredit. Da handeln die Firmen wie ein privater Hauskäufer, der sich langfristig verschuldet. Doch trotz der Minizinsen der EZB verleihen die Kreditinstitute nach wie vor zu wenig Geld an die Firmen. Sie bunkern es lieber, um es später zu einem höheren Zinssatz zu verleihen.

Dieses "Bunkern" versucht die EZB durch Strafzinsen zu unterbinden. Bislang ebenfalls erfolglos. Lieber zahlen die Banken für ihre überschüssige Liquidität bei der EZB als das Geld zu mageren 1,5 Prozent langfristig als Kredite zu verleihen.

Nun erhöht die EZB diese Negativzinsen noch und verschärft dadurch für manche Banken die Finanzlage. Außerdem sollen noch mehr Staatsanleihen gekauft werden. Die monatliche Summe werde von 60 Milliarden auf 80 Milliarden aufgestockt, sagte Draghi. Die Kurse dieser festverzinslichen Wertpapiere haben zuletzt Rekordhöhen erreicht, die Zinskupons rutschten gleichzeitig in den Keller.

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Weil diese EZB-Käufe weitgehend verpuffen, sollen nun sogar Unternehmensanleihen gekauft werden. Damit übernimmt die Zentralbank quasi die Aufgabe der Geschäftsbanken, eben den Firmen Kredite geben.

Endloser Teufelskreis

Ob das letztlich hilft, die Inflationsrate nach oben zu bringen und die Konjunktur in Europa zu beleben? In Japan versuchte das die dortige Notenbank über Jahre vergeblich. Erst wenn die EZB den Leitzins wieder erhöht, würden die Märkte wieder Vertrauen fassen und in normales Fahrwasser kommen. Das wird aber dauern.

Und so kauft die Zentralbank weiter massenhaft Anleihen und der Rest der Investoren hofft auf konjunkturell verheißungsvollere Zeiten - ein endloser Teufelskreis der lockeren Geldpolitik.

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