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Hohe Mieten treiben Israelis in die Zelte

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Hohe Mieten treiben Israelis in die Zelte

20.07.2011, 14:50 Uhr | dpa, dpa

Hohe Mieten treiben Israelis in die Zelte . Israel: Hunderte Israelis protestieren gegen hohe Mieten in Tel Aviv (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Israel: Hunderte Israelis protestieren gegen hohe Mieten in Tel Aviv (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Hunderte Israelis zelten seit mehreren Tagen auf einem Grünstreifen im Zentrum von Tel Aviv. Der Grund: Die zweitgrößte Stadt des Landes mit knapp 400.000 Einwohnern ist nach einer Studie der Finanzberatungsfirma Mercer eine der teuersten Städte der Welt - teurer als beispielsweise Mailand, Paris oder New York City. Seit Tagen demonstrieren in der Metropole deshalb Menschen gegen hohe Mietpreise.

"Miete und Gehälter stehen in keinem Verhältnis"

Mit gekreuzten Beinen und durchgestrecktem Rücken sitzt Lior Birger auf der Matratze vor dem Iglu-Zelt, die Gitarre lehnt neben ihr. Die 26-Jährige greift nach dem Megafon und ruft: "Die Mieten sind zu hoch! Der freie Markt ist zu frei! Die Regierung..." Die Hupe eines vorbeifahrenden Busses verschluckt den Rest des Satzes. Die anderen Demonstranten klatschen trotzdem. Passanten drehen sich um und blicken staunend auf die Zelte in der Stadt.

Birger ist wütend: "Ich zahle für das Zimmer in meiner Wohngemeinschaft 2400 Schekel Kaltmiete (etwa 500 Euro), und mit meinem Job als Kellnerin verdiene ich 4000 Schekel (etwa 800 Euro). Als Sozialarbeiterin, was ich eigentlich studiert habe, könnte ich gar nicht mehr hier leben. Miete und Gehälter stehen in keinem Verhältnis."

Das Problem betrifft alle Gesellschaftsschichten: Auch die Ärztin Rotem Ajalu (29) hat unter den Demonstranten ihr Zelt aufgeschlagen. Sie lebt noch bei ihren Eltern, weil sie nirgends eine bezahlbare Wohnung gefunden hat. "Wir wollen doch nur einen Ort haben, den wir Zuhause nennen können", sagt sie. "Man sollte endlich aufhören, Land und Immobilien nur an reiche Ausländer zu verkaufen."

Experte: Zu wenig Wohnungen

Ausländische Investitionen spielen aber nach Ansicht des Wohnungsbau-Experten Chaim Harvey Fialkoff nur im oberen Marktsegment eine Rolle. Der Mitarbeiter der Hebräischen Universität in Jerusalem sieht andere Ursachen: "In Israel wächst die Zahl der Haushalte rascher als die Zahl der Wohnungen, außerdem sind die Kreditzinsen niedrig." Zudem gelten Immobilien besonders seit der Finanzkrise als relativ sichere Geldanlage. Abgesehen davon sei in den attraktivsten Städten das Angebot an Wohnraum im Vergleich zur Nachfrage immer besonders niedrig. Das treibe die Preise zusätzlich in die Höhe.

Die Protestbewegung, die in dem sozialen Netzwerk Facebook entstand, hat sich mittlerweile auch auf andere israelische Städte wie Jerusalem oder Beerscheva ausgebreitet. Mehrere Parlamentarier kamen, um mit den Demonstranten zu diskutieren. Der Mitte-Links-Abgeordnete Nitzan Horowitz war schon zu Beginn der Demonstrationen am Donnerstagabend dabei: "Die Leute können sich das nicht mehr leisten, hier zu leben. Das ist ein Riesen-Problem", sagt er. Daher fordert er ein Gesetz, nach dem 30 Prozent aller neuen Wohnungen zu bezahlbaren Preisen angeboten werden müssen.

Regierung will Wohnungen bauen

Dies ist eine Möglichkeit, um der Krise zu begegnen, sagt der Experte Fialkoff: "Die Regierung hat schon mehrere Maßnahmen ergriffen, wie zum Beispiel Spekulationsgeschäfte auf dem Immobilienmarkt stärker zu besteuern. Aber es braucht Zeit, bis das Wirkung zeigt." Allerdings hat die Regierung Berichten verschiedener israelischer Medien zufolge als Reaktion auf den Protest den Neubau von 7000 erschwinglichen Wohneinheiten beschlossen. Brisanterweise sind 294 davon in der Siedlung Beitar Illit im besetzten Westjordanland geplant.

Unter einer silbernen Zeltplane, die sie vor der brütenden Mittagshitze schützt, sitzt Natalie Dessau am Ende der mittlerweile mehr als einhundert aufgereihten Zelte auf einer Bank. Über ihrem Kopf baumelt ein Schild mit der Aufschrift "Hauptquartier". Für sie ist der Protest auch ein Echo auf den arabischen Frühling. An die Art und Weise, wie die Regierung das Problem löst, hat sie keine konkreten Forderungen: "Wir bleiben einfach, bis die Mieten sinken."

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