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Frankreich  

Arbeiter erhalten nach Sprengdrohung höhere Abfindung

17.07.2009, 16:36 Uhr | mfu, dapd, AFP, t-online.de

Drohung mit Werksprengung macht in Frankreich Schule (Foto: dpa) (Quelle: dpa)Drohung mit Werksprengung macht in Frankreich Schule (Quelle: dpa) In Zeiten der Wirtschaftskrise hat sich in Frankreich das soziale Klima deutlich verschärft. Erst nahmen von Entlassung bedrohte Mitarbeiter ihre Manager als Geiseln, inzwischen drohen in einigen Firmen die Beschäftigten sogar mit der Sprengung von Betriebsmitteln. In einem Fall haben sich die Arbeiter jetzt mit ihrer umstrittenen Taktik durchgesetzt. In der Nacht zum Freitag einigten sich Arbeitnehmervertreter des Maschinenbauers JLG mit der Geschäftsführung auf außerordentliche Prämien von 30.000 Euro, wie der Betriebsrat bekannt gab.

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Streit ging um Abfindung für Angestellte von JLG

Der Maschinenbauer JLG war 2006 vom amerikanischen Schwermaschinen-Hersteller Oshkosh Truck übernommen worden. Beim aktuellen Konflikt ging es um die Entlassung von 53 Mitarbeitern. Die Firmenleitung bot den Betroffenen 16.000 Euro Abfindung, die Gewerkschaft wollte 30.000 Euro.

Arbeiter drohten Hebebühnen in die Luft zu sprengen

Die Belegschaft war seit drei Wochen im Streik. Am Donnerstag kündigte sie an, fünf Hebebühnen, die von JLG hergestellt werden, in die Luft zu sprengen. Wütende Arbeiter postierten Gasflaschen und mit Brennstoff gefüllte Paletten an den Geräten. Nach der Aufnahme von Verhandlungen nahm die Belegschaft die Drohung zurück. Die Geschäftsleitung gab schließlich den Forderungen der Gewerkschaften nach. "Wir haben uns durchgesetzt", zitierte das Nachrichtenmagazin "Nouvelle Observateur" in seiner Onlineausgabe Betriebsratschef Christian Amadio.

Drohung mit Werksprengung macht in Frankreich Schule

Die Firma im südwestlichen Tonneins ist bereits die dritte, bei der Arbeiter mit Sprengdrohungen Zugeständnisse erkämpfen wollen. Am Mittwoch hatten auch Angestellte des Technikkonzerns Nortel Gasflaschen aufgestellt und damit neue Gespräche über Abfindungen erzwungen. Den Auftakt machten am Wochenende Beschäftigte des insolventen Autozulieferers New Fabris. Sie drohen nach wie vor, Gasflaschen auf dem Firmengelände in die Luft zu jagen. Sie haben ein Ultimatum bis zum 31. Juli gesetzt, um je 30.000 Euro Abfindung für die 366 von der Werksschließung betroffenen Arbeiter zu erhalten.

Regierung über Sprengdrohung besorgt

Die französische Regierung zeigt sich derweil besorgt über die "um sich greifende Erpressung mit der Gasflasche". Dadurch würde kein Job gerettet und der soziale Dialog torpediert, so der Arbeitsstaatssekretär Laurent Wauquiez.

Mehrere Geiselnahmen im Frühjahr

Arbeitskonflikte werden im Land der französischen Revolution schon traditionell mit harten Bandagen geführt. Im Frühjahr gab es spektakuläre Fälle vom so genannten "boss napping", bei den Manager kurzeitig in Geiselhaft genommen wurden. Bislang konnte die Arbeiter oft straflos Zugeständnisse erzielen, trotz der Ansagen der Regierung, schärfer gegen die Erpressung vorzunehmen.

Arbeiter kippten Giftstoffe in einen Fluss

Dass es die Arbeiter mit ihrer Drohung durchaus ernst meinen, zeigen frühere Fälle. Bei Moulinex hatten Arbeiter 2001 ein Gebäude angezündet und mit der Sprengung des Werks gedroht. Ein Jahr zuvor hatten Cellatex-Werker Schwefelsäure in einen Fluss gekippt.

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