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Teil 2: Viele Spitzenmanager kosten mehr, als sie bringen

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Teil 2: Viele Spitzenmanager kosten mehr, als sie bringen

05.04.2011, 11:07 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

. Frankfurter Bankenviertel: Top-Manager können für Unternehmen teuer werden (Foto: AFP) (Quelle: AFP)

Frankfurter Bankenviertel: Top-Manager können für Unternehmen teuer werden (Foto: AFP) (Quelle: AFP)

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Jahrzehntelang galt auch in den USA die Regel, dass der oberste Chef nicht mehr als das 20- bis 30-fache eines gewöhnlichen Arbeitnehmers verdient. Von 1936 bis 1979 waren das, in Preisen des Jahres 2000 gerechnet, gut eine Million Dollar. In den achtziger Jahren ging die Summe rauf auf 1,8 Millionen, in den Neunzigern dann raketenartig auf 4,1 Millionen und von 2000 bis 2005 auf 5,2 Millionen. Inzwischen lässt sich ein CEO, nun allerdings in heutigen Preisen, durchschnittlich 15,6 Millionen Dollar überweisen.

Es waren Ökonomen aus der amerikanischen Wissenschaft, die mit wohlgefälligen Thesen den Managern den Weg in die grenzenlose Selbstbedienung bereiteten. Das finanzielle Interesse der Unternehmen, so die Botschaft in den Achtzigern, sollte identisch gemacht werden mit dem Interesse ihrer Führungskräfte. Zu diesem Zweck erfand man die Aktienoptionen: Manager bekommen das Recht, Aktien zu dem Preis zu kaufen, zu dem die Papiere am Tag der Options-Gewährung an der Börse gehandelt wurden. Wenn der Kurs danach steigt, ist die Differenz zwischen Ausgabekurs und Verkaufskurs der Gewinn des Managers.

Märchenhafte Einkommensmehrung

Im Börsenrausch der achtziger und neunziger Jahre und mit allerlei Tricks gehandhabt (beispielsweise: Manipulation des Ausgabedatums) sorgten die Optionen zu einer märchenhaften Einkommensmehrung vieler Vorstände. Nicht wenige Chief Executives gingen mit mehreren hundert Millionen Dollar Vermögen in den Ruhestand.

Inzwischen sind die Optionen gesetzlich geregelt, in den USA wie hierzulande; vor allem der Missbrauch fällt heute schwerer als früher. In Deutschland werden Aktienoptionen nur noch selten genutzt. Das unanständig hohe Einkommensniveau aber, das mit der Gewährung von Optionen und der Ideologie der erfolgsabhängigen Bezahlung argumentativ unterfüttert wurde, gilt in der Kaste inzwischen als Naturgesetz. Wer es hinterfragt, wird als notorischer Neider in die Ecke gestellt.

Selten gibt es mal Kritik aus den eigenen Reihen. Eine rare Ausnahme war vor zwei Jahren Jürgen Weber, ehemals Chef der Lufthansa und heute ihr Aufsichtsratsvorsitzender. "Es ist eine gewisse Maßlosigkeit unter den Managern eingezogen", empörte sich Weber, "wir brauchen mehr Bescheidenheit." Der Mahnruf blieb ohne Folgen (und wurde von Weber auch nicht öffentlich wiederholt). Trotz der heftigen Finanz- und Wirtschaftskrise stiegen die Bezüge der DAX-Vorstandschefs im selben Jahr um sieben Prozent.

Unverdrossen behaupten die Unternehmenschefs und ihre Propagandisten bei den Vergütungsberatungsfirmen, die Gehälter seien das Ergebnis eines Wettbewerbs um die Besten. Doch mit einem funktionierenden Markt hat die Lohnfindung für Top-Manager nichts zu tun. Eine ganze Riege von Betriebswirtschaftsprofessoren in den USA hat nachgewiesen, dass dort die Gehaltsexzesse allein das Ergebnis fragwürdiger Machtausübung sind. Hierzulande ist es nicht anders.

Gehaltsermittlung als Insidergeschäft

Macht und nicht Markt: Es wäre Aufgabe der Kontrollorgane, die Selbstbedienung zu stoppen, in Deutschland also des Aufsichtsrats, der die Bezüge festlegt. Doch in diesem Gremium ist die Gehaltsermittlung eher ein Insidergeschäft. Auf der Seite der Kapitaleigner sitzen mehrheitlich amtierende oder ehemalige Vorstände, nicht selten handverlesen von denen, die sie überwachen sollen. Man gehört der gleichen Klasse an. Und so herrscht in der Regel Einvernehmen mit dem exekutiven Management, der Corps-Geist gebietet Konsens. Zumal die Räte ja selbst von den Gehaltserhöhungen profitieren - wenn die Bezüge allgemein steigen, dann auch im eigenen Laden.

Auf die Arbeitnehmerbank und auf die Gewerkschaften sollte man schon gar nicht setzen. Für die ist die Bezahlung des Vorstands Sache des Kapitals, sie sehen die Aktionäre als Zahler, nicht die Beschäftigten - und halten sich weitestgehend raus. In einem Interview mit der "FAZ" wurde kürzlich Bernd Osterloh, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von VW, gefragt, ob er die 9,3 Millionen Euro für Martin Winterkorn gerecht fände. Antwort: Der mache seinen Job "sehr gut. Deshalb sind wir uns auf der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat einig, dass er das Geld verdient hat." Deutschlands Top-Manager wissen schon, warum sie die Mitbestimmung in den Aufsichtsräten verteidigen.

Dass Winterkorn und viele seiner Kollegen in anderen Unternehmen gute Arbeit abliefern, soll hier gar nicht bestritten werden. Deutschland verfügt über qualifiziertes Personal in den Vorständen, besser qualifiziert als in manch anderen Ländern, wo die Saläre noch höher liegen. Die Frage ist nur, ob die Summen wirklich leistungsadäquat sind, hier und andernorts. Und da gibt es große Zweifel. Das "manager magazin" untersucht jährlich die sogenannte Pay performance, also den Zusammenhang zwischen nachprüfbaren Leistungskriterien wie der Aktienkursentwicklung und den Bezügen. Und regelmäßig zeigt sich, dass der Zusammenhang äußerst brüchig ist.

Viele Spitzenmanager kosten mehr, als sie bringen

Eine Untersuchung von Tübinger und Pforzheimer Wissenschaftlern im Auftrag des Berliner Arbeitsministeriums kam vor zwei Jahren zu einem ähnlichen Ergebnis: "Vorstände von großen Aktiengesellschaften werden nicht nach Effizienzkriterien vergütet."

Zudem ist zu bezweifeln, ob die jeweiligen Unternehmensführer wirklich so unersetzlich sind, wie die Millionen suggerieren. Wenn es sich wirklich um Knappheitspreise handelte, müsste ja bei ihrem Abgang der Unternehmenswert, also die Börsenkapitalisierung, deutlich zurückgehen. Doch ein solcher Kursrutsch kann nur selten registriert werden. Zuweilen steigt der Kurs sogar, wie bei Jürgen Schrempps Demission, als der Daimler-Kurs um zehn Prozent in die Höhe schoss. Studien in den USA, in Hänels Buch angeführt, deuten darauf hin, "dass viele Spitzenmanager relativ zu den verfügbaren Ersatzkandidaten mehr kosten, als sie bringen".

Ändern wird sich an diesem Zustand wohl nichts. Wir dürfen ihn als Chronisten nur regelmäßig beklagen, wie es die Kollegen von "Fortune" tun. Ein gesetzlicher Deckel würde wohl allzu heftig mit den Prinzipien einer freien Wirtschaft kollidieren und lässt sich in einer globalen Wirtschaft auch nicht durchsetzen.

"Niemals mehr als das Hundertfache"

Ex-Lufthansa-Chef Weber hatte in besagtem Interview eine "Grenze" markiert: "Auch ein Spitzenmann sollte niemals mehr als das Hundertfache des durchschnittlichen Gehalts der Mitarbeiter bekommen." Das ist, verglichen mit den Verhältnissen bis zum Beginn der großen Gehaltsbonanza, schon sehr großzügig bemessen. Und dennoch wird die Grenze weit überschritten: Die durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommen lagen 2010 bei knapp 30.000 Euro im Jahr, bei drei Millionen Euro pro Manager wäre also Schluss.

Eine Lachnummer für die meisten Vorstandsvorsitzenden in Deutschland. Sie bringen es im Schnitt auf 4,7 Millionen Euro.

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